Radiokrieg

Saudi-Arabien stört Sendungen aus dem Iran

Bis jetzt gehörte Saudi-Arabien nicht zu den Staaten, die dafür bekannt sind, reguläre terrestrische Rundfunksendungen aus anderen Ländern zu stören. Seit April fallen solche Störsendungen jedoch deutlich auf. Ihr Ziel: Das arabische Programm des iranischen Rundfunks IRIB.

Iran, Saudi-Arabien
© Sammlung University of Texas

So verzichtete der saudische Rundfunk SBC am Vormittag des 4. Mai 2018 darauf, wie vorgesehen auf 17730 und 17740 kHz zu senden. Stattdessen tauchten die Sender auf 13610 und 13780 kHz auf, den zu dieser Zeit für das arabische IRIB-Programm genutzten Frequenzen.

Übertragen wurde dabei nicht, wie sonst auf den regulären Frequenzen im 16-Meterband, die säkulare Leitwelle. Für die Störsendungen nutzte SBC stattdessen sein – zugleich planmäßig auf 15380 kHz ausgestrahltes – Koranprogramm.

Darüber hinaus erschienen auf den IRIB-Frequenzen noch weitere, für den Nahen Osten typische Störsignale mit einem Sirenengeräusch.

Die von Saudi-Arabien jetzt systematisch angegriffene Kurzwellenübertragung des arabischen Auslandsprogramms von IRIB läuft insgesamt wie folgt (Zeitangaben in MESZ):

03.30-07.30 Uhr: 7410 kHz
04.30-07.30 Uhr: 9800 kHz
05.23-06.20 Uhr: 12025 kHz
07.30-13.30 Uhr: 13780 kHz
07.30-16.30 Uhr: 13610 kHz
13.30-16.30 Uhr: 13785 kHz
16.30-19.30 Uhr: 9650, 9790 kHz
19.30-04.30 Uhr: 7425 kHz

Hinzu kommen noch mehrere Großsender auf Mittelwelle (576, 612, 765, 1161, 1224 kHz). Hier gab es bislang keine Beobachtungen über eine Störung dieser Ausstrahlungen.
 

2011 berichtete IRIB über angebliche Störungen der Satellitenverbreitung von Al-Alam, seinem 2003 gestarteten arabischen Nachrichtenfernsehen. Auch dafür wurde seinerzeit bereits Saudi-Arabien verantwortlich gemacht.

Interessant ist, wie IRIB die Präsenz von Al-Alam auf der im arabischen Sprachraum populären, unter dem Namen des Satellitenbetreibers Nilesat bekannten Position 7° West absichert: Durch eine Ausstrahlung über den kopositionierten Eutelsat 7 West A.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 04.05.2018