Iran

Deutsche IRIB-Sendungen doch weiter terrestrisch

Der Rundfunk des Iran strahlt seine deutschsprachige Abendsendung um 18.23 Uhr MEZ nun doch weiterhin auch auf einer Kurzwellenfrequenz aus. Zum 22. Dezember 2019, zu dem diese Übertragung entfallen sollte, gab es noch weitere Änderungen.

IRIB World Service
Auslandshörfunk in Teheran | © IRIB

Ganze zwei Tage vor diesem Termin veröffentlichte die Redaktion eine Notiz: Man sei „erfreut Ihnen mitteilen zu können, dass die Beschwerden unserer Hörergemeinschaft bezüglich der Aussetzung der Ausstrahlung der Kurzwelle gehört wurden“.

Dies gilt mit dem „Vorbehalt der Prioritätensetzung auf die neue Digital-First-Strategie“. Seinen Niederschlag findet das in der Beschränkung auf den Einsatz eines Senders. Genutzt wird dabei die Frequenz 7295 kHz.

Im Vorfeld gab es auch für zwei andere Sprachprogramme Andeutungen über ein Ende der terrestrischen Verbreitung. Hier änderten sich zum 22. Dezember nun die Sendezeiten: Französisch läuft jetzt ab 20.23 Uhr auf 6130 kHz, während Italienisch von dieser Sendezeit auf 18.53 Uhr mit der Frequenz 6135 kHz rückte.

Dreieinhalb Stunden in den Abend geschoben wurde schließlich die zweite tägliche Sendung in russischer Sprache. Sie läuft jetzt ab 17.53 Uhr auf 9835 kHz.

Am 25. November hatte IRIB über eine „neue Ausstrahlungsstrategie“ informiert. Parallel dazu kam es zu technischen Änderungen im Kurzwellenbetrieb, eingeschlossen Frequenzänderungen, über die selbst die Redaktion offensichtlich zunächst nur fehlerhafte Angaben erhielt.

Am 28. November erschien dann unvermutet auch die deutsche Morgensendung, die seit 2016 nicht mehr terrestrisch ausgestrahlt wird, noch einmal auf Kurzwelle. Diese Übertragung auf 11590 kHz hatte allerdings nichts mit dem internen Hin und Her bei IRIB zu tun, sondern gehörte offensichtlich zu den Störaktionen gegen Iran International.

Eine Wiedergabe der noch laufenden Bemühungen, die aktuellen Umstellungen im Auslandshörfunk von IRIB zu erfassen (ohne die ebenfalls umfangreichen Ausstrahlungen auf Mittelwelle), findet sich hier.

Dabei zeigte sich eine Besonderheit der Tadschikisch-Sendungen. Wie ab 1.50 Uhr auch auf der Kurzwelle 7360 kHz zu hören ist, wird ihnen noch immer das alte Pausenzeichen des IRIB-Auslandsdienstes vorangestellt. Es ist ansonsten vor Jahren von einer Produktion des 2018 verstorbenen Musikers Nasser Cheshmazar abgelöst worden.

Stand vom 27.12.2019



Im Herbst 2003 hatte IRIB die Kurzwellensendungen nach Europa schon einmal eingestellt. Seinerzeit gewährte die Redaktion einen sehr tiefen Einblick:

„Der unvorhergesehene, plötzliche Ausfall sämtlicher Frequenzen, zu dem es bis dato keine befriedigende Erklärung für uns gibt, hat uns und unsere Hörer wohl im gleichen Maß schockiert. Tatsache ist, dass dieser Vorfall nicht von ungefähr kommt, und das es sich auch nicht um eine technische Panne dabei handelt. Die Nicht-Inbetriebnahme des Kurzwellennetzes für die Ausstrahlung der Sendungen für das europäische Ausland im Winter ist beabsichtigt. Nur weiß keiner genau, was hinter dieser Absicht steht.“

Seinerzeit wurden nach einer Woche die Sendung am Abend und nach vier Wochen auch die Sendung am Morgen wieder auf Kurzwelle aufgeschaltet. Zum auch jetzt wieder für die Änderungen genutzten Termin, dem 22. Dezember, entfielen die Übertragungen „endgültig“.

Nach zehn Monaten kam es schließlich doch wieder zum Einsatz von Kurzwellenfrequenzen. Sowohl für das Hin und Her im Spätherbst 2003 als auch die Wiederaufnahme der terrestrischen Sendungen im Spätherbst 2004 gab es keine Erklärungen.

Ab Juni 2006 nutzte IRIB für Europa sogar zusätzlich den inzwischen nicht mehr existierenden Kurzwellensender in Litauen. Diese Ausstrahlungen im Umfang von sechs Stunden pro Tag entfielen im April 2012 mit der Verhängung von EU-Sanktionen gegen IRIB und blieben auch nach deren Aufhebung im Jahre 2014 eingestellt.

Als nächster Einschnitt endete im März 2016 der Betrieb der Sendestation Kamalabad, der ältesten und zugleich größten Kurzwellenanlage im Iran. Die entsprechende Entscheidung wurde offensichtlich kurzfristig getroffen.

Die damit verbundene Reduzierung des Sendevolumens auf Kurzwelle führte auch zum Entfall aller Frequenzen der deutschen Morgensendung um 8.23 Uhr. Sie wird seit 2016 bereits nur noch online und über Satellit verbreitet.

Im Oktober 2018 endete dann insgesamt die Kurzwellenverbreitung von Sendungen in Kasachisch, Usbekisch, Chinesisch, Japanisch und Indonesisch. Die damit freigesetzten Sendekapazitäten wurden zur Einrichtung zusätzlicher Programmplätze in Hebräisch, Russisch, Französisch, Spanisch und Haussa genutzt.


In der ursprünglich zum 27. Oktober eingeführten Form sah der Einsatzplan für die Kurzwellensender von IRIB im Winterhalbjahr 2019/2020 so aus:

Mahschahr
13.20-14.20 Uhr: 9510 kHz; Paschtunisch
15.20-16.20 Uhr: 9870 kHz; Bengalisch
Zahedan
04.30-06.30 Uhr: 7380 kHz; Al-Quds TV
06.30-07.00 Uhr: 13820 kHz; Arabisch
11.30-15.30 Uhr: 9440 kHz; Arabisch
13.20-14.20 Uhr: 7360 kHz; Paschtunisch
15.30-18.30 Uhr: 7310 kHz; Arabisch
17.20-18.20 Uhr: 5935 kHz; Paschtunisch
18.30-03.30 Uhr: 6060 kHz; Arabisch
03.30-04.30 Uhr: 7380 kHz; Arabisch
Sirdschan
04.20-05.20 Uhr: 6070, 6085 kHz; Palästina-Sendung
04.20-05.20 Uhr: 9550 kHz; Russisch
04.30-06.30 Uhr: 7370 kHz; Al-Quds TV
05.20-05.50 Uhr: 9755, 11780 kHz; Hebräisch
05.20-06.50 Uhr: 11875 kHz; Türkisch
05.50-06.50 Uhr: 13680, 15140 kHz; Suaheli
06.30-07.00 Uhr: 7370 kHz; Arabisch
06.50-07.50 Uhr: 13710, 15360 kHz; Haussa
06.50-09.20 Uhr: 12035 kHz; Dari
07.00-09.30 Uhr: 13790 kHz; Arabisch
07.50-08.20 Uhr: 15440 kHz; Hebräisch
08.20-09.20 Uhr: 15200, 17545, 17630 kHz; Spanisch
09.30-11.30 Uhr: 13820 kHz; Arabisch
10.20-12.50 Uhr: 11930 kHz; Dari
10.20-13.20 Uhr: 9495 kHz; Dari
10.30-15.30 Uhr: 15130 kHz; Arabisch
12.50-13.20 Uhr: 15240 kHz; Hebräisch
12.50-13.50 Uhr: 11930 kHz; Dari
13.20-13.50 Uhr: 17595 kHz; Haussa
13.20-14.20 Uhr: 7435 kHz; Paschtunisch
13.50-15.20 Uhr: 6000 kHz; Urdu
14.20-15.20 Uhr: 7355 kHz; Kurdisch
14.20-15.20 Uhr: 9835 kHz; Russisch
15.20-16.20 Uhr: 6010, 7300 kHz; Hindi
15.20-16.20 Uhr: 6150 kHz; Bengalisch
15.30-18.30 Uhr: 9800 kHz; Arabisch
16.20-17.20 Uhr: 6000 kHz; Urdu
16.20-17.20 Uhr: 7530 kHz; Englisch
16.50-18.20 Uhr: 5925 kHz; Türkisch
17.20-17.50 Uhr: 6150, 7375 kHz; Bengalisch
17.20-18.20 Uhr: 7430 kHz; Armenisch
18.20-19.20 Uhr: 6055, 6115 kHz; Deutsch
18.20-19.20 Uhr: 6110 kHz; Bosnisch
19.20-20.20 Uhr: 5925, 7305 kHz; Albanisch
19.20-20.20 Uhr: 6010 kHz; Französisch
19.20-20.20 Uhr: 7435 kHz; Haussa
20.20-21.20 Uhr: 6040, 11880 kHz; Englisch
20.20-21.20 Uhr: 6135, 6190 kHz; Italienisch
21.20-22.20 Uhr: 7360, 11870 kHz; Spanisch
23.20-00.20 Uhr: 7225, 7280 kHz; Spanisch
00.20-01.20 Uhr: 7260, 9660 kHz; Französisch
00.20-01.50 Uhr: 7230 kHz; Spanisch
00.20-03.20 Uhr: 6090 kHz; Spanisch
01.50-03.30 Uhr: 5950, 7360 kHz; Tadschikisch
02.30-04.30 Uhr: 6055 kHz; Arabisch
03.20-04.20 Uhr: 6075, 6160 kHz; Paschtunisch

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Alexander Busneag