Ehemals 153 und 207 kHz

Langwellenmasten des Deutschlandfunks abgerissen

Die Antennen, über die bis 2014 das Deutschlandfunk-Programm auf den Langwellen 153 und 207 kHz abgestrahlt wurde, sind im März 2018 abgerissen worden. Bei der früheren Sendestation Donebach im Odenwald geschah dies am 2. März, am niederbayerischen Standort Aholming am 29. März.

Sender Donebach
Dürfte schon kurz nach der Abschaltung demontiert worden sein: Die letzte, um 2005 eingebaute Senderanlage in Donebach | © Transradio

Der zuletzt auf 153 kHz betriebene Sender Donebach ging auf das Jahr 1967 zurück. Zuvor war der Deutschlandfunk ab 1962 über eine provisorische Langwellenanlage in Mainflingen abgestrahlt worden. Dieser Standort ist heute noch mit dem Zeitzeichen DCF77 auf 77,5 kHz und einem Rundsteuersignal auf 129 kHz aktiv.

Ihre letzte Form erhielt die Antennenanlage in Donebach bei einem 1981/1982 realisierten Umbau. Seitdem bestand sie aus zwei jeweils 363 Meter hohen Masten.

Seit der Einstellung des Sendebetriebs wurden die Masten, wie auf Videoplattformen umfangreich besichtigt werden kann, zu einem Ziel von Abenteuerern aus ganz Europa. Dabei ging es nicht nur um ein schlichtes Besteigen, sondern auch um Sprünge mit sogenannten Wingsuits.

Wegen dieser Entwicklung verzichtet die Media Broadcast inzwischen darauf, die Beseitigung von Masten vorab anzukündigen, um nicht noch die Nutzung letzter Gelegenheiten anzuheizen. Deshalb sickern die Termine nur noch auf inoffiziellen Wegen durch.

Sender Aholming
Die zuletzt in Aholming betriebene, aus zwei Blöcken mit jeweils 250 kW bestehende Senderanlage war identisch mit der in Donebach. | © Transradio

Die Sendeanlage Aholming wiederum war erst 1989 in Betrieb gegangen. Sie ersetzte auf 207 kHz den ursprünglich von der Voice of America gebauten Langwellensender in Erching bei Ismaning, der wegen des neuen Münchner Flughafens nicht mehr weiter genutzt werden konnte.

In Erching gab es nur einen Antennenmast. Dadurch war es nicht möglich, die zwischen 19.00 und 5.00 Uhr erforderliche Ausblendung des Signals in Richtung Kiew zu realisieren. So blieb nur, den Sender in diesem Zeitraum ganz abzuschalten.

Der Neubau in Aholming half auch diesem Mangel ab. Wie in Donebach (hier war die noch heute laufende Nutzung der Frequenz 153 kHz in Rumänien zu schützen) entstanden wiederum zwei Masten, wobei für diese höhere Frequenz und damit geringere Wellenlänge eine Höhe von 265 Meter reichte.

Langwellenmast Burg
Der seit 1996 als Langwellenstrahler genutzte Mast in Burg bei Magdeburg | © Kai Ludwig

Die Langwellenantenne in Zehlendorf bei Oranienburg war bereits am 25. März 2017 gesprengt worden. Der Langwellenmast in Erching dürfte noch 1989 verschwunden sein.

Von den Masten, über die seit 1967 Hörfunkprogramme auf Langwelle für das Publikum in Deutschland abgestrahlt wurden (diese Formulierung schließt den nach wie vor auf 183 kHz aktiven Sender von Europe 1 im Saarland aus), existiert damit nun noch jener in Burg bei Magdeburg.

Der ursprüngliche, 350 Meter hohe Langwellenmast in Burg war 1972 durch Materialermüdung eingestürzt. Danach lief der Sendebetrieb auf 263/261 kHz über einen eigentlich für die Mittelwelle bestimmten Rohrmast.

Dieses DDR-typische Dauerprovisorium wurde schließlich 1996 durch den Umbau eines anderen, 324 Meter hohen Mastes ersetzt. Er trug ursprünglich ein Mittelwellensystem, über das eine 1000 kW starke Senderanlage bis 1991 auf 783 kHz abstrahlte.

Die Nutzung dieses Mastes für den Langwellenrundfunk hatte nur bis zum Jahr 2000 Bestand. Es fand sich jedoch eine Nachnutzung für ein Rundsteuersignal, das im Verbund mit dem Sender Mainflingen auf 139 kHz abgestrahlt wird.

Langwelle Königs Wusterhausen
Hier nach links unten führend die inzwischen entfernte Strahlerreuse des Langwellensenders Königs Wusterhausen | © Kai Ludwig, 2002

Auch der letzte, museal erhaltene Mast der einst umfangreichen Antennenanlage in Königs Wusterhausen gehörte zu einem Langwellensender. Dieser wurde als Reserve noch bis 1999 genutzt. Nur deshalb entging der Mast einem in den 90er Jahren betriebenen Programm zur Liquidierung von Sendeanlagen.

In der letzten Konfiguration war am Mast eine schräg nach unten zu einem Antennenhäuschen geführte Strahlerreuse montiert. Bei der Sanierung des Mastes, die dessen Bestand sicherte, wurde diese Reuse entfernt.

Mit dieser letzten Lösung und dem 100 kW starken, 1946 aufgebauten Sender wurden hauptsächlich Ersatzschaltungen auf 177 kHz realisiert. Bei umfangreicheren Wartungsarbeiten gab es aus Königs Wusterhausen aber auch Ersatzbetriebe auf 261 kHz und sogar – womit sich der Kreis schließt – auf 153 kHz.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 30.03.2018