Rückblick

Die Deutsche Welle in Köln

In recht prominenter Form beging die Deutsche Welle gerade ihren 65. Geburtstag. Als Beitrag dazu bietet sich ein Blick um 15 Jahre zurück an: Einige Impressionen von einem letzten Besuch in dem Hochhaus in Köln, aus dem die Deutsche Welle von 1980 bis 2003 gesendet hatte.

Deutsche Welle Köln, 2003
© Kai Ludwig

Im Juli 2003 war der Umzug in den Bonner „Schürmann-Bau“ im vollen Gange:

Die Studios 1862 und 1863 sind nach Bonn umgezogen.
© Kai Ludwig

Der Blick durch das Fenster dieser Studiotür:

Deutsche Welle Köln, 2003
© Kai Ludwig

 

Zum Zeitpunkt des Besuchs war der Sendekomplex des deutschen Programms bereits ausgeräumt. Trotzdem schien die völlige Abschaltung des Programms, zu der es acht Jahre später kam, seinerzeit noch völlig undenkbar.

Deutsche Welle, Sprecherraum in Köln, 2003
© Kai Ludwig

Oben abgebildet der Sprecherraum, hier die Regie:

Deutsche Welle, Regie in Köln, 2003
© Kai Ludwig

 

Die letzten Mitarbeiter waren gegangen, ohne ihre – so allerorten in Büros anzutreffende – Bezettelung von der Wand abzunehmen:

Solange ihr so tut, als würdet ihr mich richtig bezahlen, solange tue ich so, als würde ich richtig arbeiten!
© Kai Ludwig

Derweil sendete das deutsche Programm noch immer aus Köln, und zwar aus einem der kleineren Studios, die eigentlich „nur“ für Sendungen in Fremdsprachen bestimmt waren. Das war auch für Außenstehende erkennbar, falls sie über Satellit hörten: Das Programm lief in diesen letzten Wochen aus Köln nur in Mono.

Sendestudio – Bitte Ruhe!
© Kai Ludwig

Für die Fremdsprachensendungen gab es zu dieser Zeit keine Wege einer Stereoverbreitung. Sie war deshalb in Köln nur noch für das deutsche Programm eingerichtet worden. Auf nochmalige Eingriffe in die unmittelbar vor ihrem Ende stehende Funkhausanlage wurde verzichtet.

Deutsche Welle, Regie in Köln, 2003
© Kai Ludwig

Am Moderatorenplatz im Sprecherraum gab es zur Orientierung ebenfalls einen Monitor für das Sendesystem (Dalet), dem man nicht ganz über den Weg traute: Beiträge, die später nochmals verwendet werden sollten, wurden zur Sicherheit parallel auch noch mit den alten Bandmaschinen mitgezeichnet.

Deutsche Welle in Köln, Moderatorenplatz
© Kai Ludwig

Das Mikrofon für die Nachrichtensprecher. Dahinter in der Regie zu sehen einer der im oben gezeigten Aushang erwähnten Schallschutzschränke für lärmende Geräte:

Deutsche Welle in Köln, Mikrofon der Nachrichtensprecher
© Kai Ludwig

Der Tischplatz für die Nachrichtensprecher. Ob der Taster „Gong“ noch eine Funktion hatte, blieb seinerzeit ungeklärt:

Deutsche Welle in Köln, Nachrichtenplatz
© Kai Ludwig

Mahnende Zettel fanden sich im Studioturm des Funkhauses an noch mehr Türen:

Achtung, Sprecherraum! Bitte Ruhe vor den Sprecherräumen!
© Kai Ludwig

In diesem Fall ging es um ein kleines Produktionsstudio:

Deutsche Welle in Köln, Produktionsstudio
© Kai Ludwig

Die Anschlüsse der alten Fernschreibmaschinen, auf denen die Dienste der Nachrichtenagenturen einliefen. Mit dieser Technik war es schon vorbei, bevor die Umzugskartons bereitstanden:

DPA, AP, Reuters Deutsch, Reuters Englisch, AFP Deutsch, Reuters Afr(ika?)
© Kai Ludwig

Neben dem kleineren Studioturm bestand das Kölner Funkhaus der Deutschen Welle aus einem Fahrstuhlturm und einem ebenfalls deutlich höheren Büroturm, aus dem man auf die Studiotrakte herabblicken konnte:

Deutsche Welle in Köln, Blick aus dem Büroturm auf den Studioturm
© Kai Ludwig

Ein Blick in die Ferne war natürlich ebenfalls möglich:

Deutsche Welle in Köln, Aussicht
© Kai Ludwig

Die Nutzung dieser abgehobenen Büroetage entsprach den Erwartungen:

Deutsche Welle in Köln, Intendanz
© Kai Ludwig

Ein nochmaliger Blick nach unten zeigt schließlich einen der Gründe, warum aus der für das Frühjahr 2017 angekündigten Sprengung des Gebäudes nichts geworden ist und es auch 2018 nichts werden wird: Das unmittelbar benachbarte Funkhaus des Deutschlandfunks.

Deutsche Welle in Köln, Blick zum Deutschlandfunk
© Kai Ludwig

Schon beim damaligen Besuch gab es unweigerlich Witze, man müsse rechtzeitig in Erfahrung bringen, wann gesprengt wird, um dann DLF aufzunehmen ...

In den letzten Jahren hieß es dazu, in diesem Moment wolle man alle Programme vorsorglich aus Berlin senden. Inzwischen fürchtet das Deutschlandradio aber ernsthaft um sein Kölner Funkhaus. Siehe dazu den Bericht der Kölnischen Rundschau vom März 2018.
 

Deutsche Welle in Köln
© Kai Ludwig

2003 waren im UKW-Autoradio noch allerlei ausländische Programme zu hören, wenn man an den bunten Türmen der Deutschen Welle vorfuhr. Dafür sorgte die eigene Kabelanlage des Gebäudes, die nach den Ansprüchen der Redaktionen eines solchen internationalen Senders ausgestattet war.

Dem ostdeutschen Besucher fiel noch etwas anderes auf, wenn er als besonderen Gag ein Kurzwellenradio auspackte: Wie die Frequenz 9545 kHz aus Nauen hier, in ausreichend großer Entfernung, sogar noch besser zu empfangen war als die altbekannte 6075 kHz von der bereits verschwundenen Sendeanlage Wertachtal.

Auch im Falle Nauen bleibt abzuwarten, ob nicht der letzte Ton der Deutschen Welle hier schon gesendet wurde. Im Sommerhalbjahr 2018 sind die wenigen noch bei der Media Broadcast beauftragten Ausstrahlungen alle deren französischem Partner TDF zugewiesen.

Es dürfte nur noch eine einstellige Zahl an Jahren dauern, bis auch diese letzten eigenen Hörfunksendungen der Deutschen Welle verschwunden sind. Schon jetzt liegt der Schwerpunkt ganz beim Fernsehen und in der digitalen Welt.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 09.06.2018