Zu den Planungen des BBC World Service

Ägypten unterbindet Schaltungen ausländischer Sender

Zur Kostensenkung will oder wollte die BBC die Produktion ihres arabischen Hörfunkangebots teilweise nach Kairo verlagern. Mittlerweile erscheinen diese Pläne geradezu weltfremd: Die ägyptischen Behörden unterbinden inzwischen systematisch Liveschaltungen ausländischer Sender, darunter unlängst auch der Deutschen Welle.

Studio des BBC World Service
Soll(te) teils durch Produktionen aus Kairo abgelöst werden: Studio des arabischen Hörfunkprogramms der BBC | © Stuart Pinfold, CC

Laut Al-Monitor betraf das eine Sendung am 24. April. Ein ägyptischer Oppositionspolitiker habe hier nur über Skype erscheinen können, nachdem APTN, der regelmäßige DW-Partner in Ägypten, eine Liveschaltung unter Verweis auf die fehlende Genehmigung der Sicherheitsbehörden abgelehnt habe.

Solche Schaltungen werden laut Al-Monitor generell nur noch über das staatliche Studiozentrum EMPC zugelassen. Die Nutzung eigener Satelliten- und auch IP-Technik durch ausländische Fernsehsender werde systematisch unterbunden. Eine große Zahl an Studios habe deshalb seit 2017 geschlossen.

Bei den verbliebenen Dienstleistern sei inhaltliche Zensur inzwischen an der Tagesordnung. UNI Broadcasting Services arbeite jetzt ausschließlich für den in saudischem Besitz befindlichen Sender Al Arabiya.

Stand vom 18.05.2019


 

16. Mai 2019:

Nachdem bei der BBC seit 2018 weitere Einschränkungen der internationalen Hörfunksendungen im Raum stehen, gab es nun im Gegenteil eine kleine Erweiterung: Die zusätzlichen Fußballsendungen nach Afrika am Sonnabend laufen jetzt bis in den Abend.

Hinzugekommen ist die Sendezeit von 20.30 bis 23.00 Uhr MESZ, und zwar für Somalisch auf 5930 kHz aus Abu Dhabi und 6070 kHz aus Oman, für Haussa auf 9450 kHz von der Insel Ascension.
 

20. Oktober 2018:

Der BBC World Service ist, zusammen mit anderen Abteilungen des Hauses, wegen unbezahlter Einsätze freier Mitarbeiter ins Gerede gekommen. In einigen Fällen sollten sie sogar umgekehrt noch Geld mitbringen. Entsprechende Angaben eines Abgeordneten, nach dessen Meinung die BBC hier den Bogen überspannt hat, zitiert die Press Gazette.

So wurde in einem Fall zum Schichtende um Mitternacht die sonst übliche Bereitstellung eines Taxis verweigert. Darüber hinaus gab es die Ankündigung, für die unbezahlte Schicht eine Ausbildungsgebühr von 60 Pfund zu erheben. Dabei wurden keinerlei Zusagen für künftige Engagements gemacht.
 

16. April 2018:

Nachträge zu Frequenzunterlagen zeigen bei der BBC den Entfall der bengalischen Sendungen um 2.30 und 18.30 Uhr MESZ. Verblieben sind nur noch die ebenfalls halbstündigen Ausgaben um 3.30 und 15.30 Uhr.

Darüber hinaus gab es Einschränkungen bei den englischen Kurzwellensendungen in Asien. Gestrichen wurden fünf Frequenzstunden von Tinian (Nördliche Marianen; die Mitnutzung dieser Sendestation durch die BBC endete damit insgesamt), drei Frequenzstunden aus Abu Dhabi sowie eine Frequenzstunde aus den Philippinen.

Ein Fragezeichen ist hinter das weitere Vorhaben (siehe unten) zu setzen, die Produktion der arabischen Hörfunknachrichten zu großen Teilen nach Kairo zu verlagern. Derzeit wird versucht, über eine Klage die Schließung des dortigen Studios der BBC durchzusetzen.
 

23. März 2018:

Bei der Kommunikation des Stolzes über die jüngsten Erweiterungen ihrer Auslandsangebote ging die BBC dezent über den Kahlschlag hinweg, den es zuvor in Europa gegeben hatte. Nur aus inoffiziellen oder rein technischen Quellen bekannt wurden jetzt auch die nächsten Einschränkungen, die beim Hörfunk des BBC World Service anstehen.

Demnach wurde die 30 Minuten lange Sendung in usbekischer Sprache heute zum letzten Mal ausgestrahlt. Sie lief zuletzt nur noch an Arbeitstagen; die Ausgaben am Wochenende waren bereits im April des Vorjahres entfallen.

Besonders bemerkenswert ist dieser Schritt, weil er der BBC als Zurückweichen vor den chinesischen Störsendungen ausgelegt werden könnte. Das Programm war zwar ausschließlich für Usbekistan bestimmt, jedoch auch für die Uiguren in China verständlich. Deshalb wurde es quasi vorsorglich gestört.

Letztmalig am 24. März (um 5.30 Uhr) ausgestrahlt werden soll auch die erste der bislang fünf täglichen, wiederum jeweils 30 Minuten langen Sendungen in französischer Sprache.

Auch dies erscheint unweigerlich als Anfang vom Ende, wenn man an die Deutsche Welle denkt. Dort sind die terrestrischen Hörfunksendungen in Französisch (sie waren, wie bei der BBC auch, schon seit den 90er Jahren nur noch für Afrika bestimmt) im Herbst 2017 ganz entfallen.

Weiter erhärtet wird dieser Eindruck durch die interne Ankündigung noch einschneidenderer Sparmaßnahmen. Sie sollen zu einem noch nicht definierten, voraussichtlich nach dem kommenden Sommer liegenden Zeitpunkt umgesetzt werden.

Ein regelrechter Kahlschlag ist bei den Sendungen in Haussa vorgesehen. Entfallen sollen hier die Ausgaben an Arbeitstagen von 16.00 bis 16.30 Uhr MESZ sowie täglich von 21.30 bis 22.00 Uhr. Damit würden, abgesehen von der Fußballberichterstattung am Sonnabend, nur noch zwei halbstündige Sendungen am Morgen verbleiben. Sie sollen auch nicht mehr in London, sondern in Nairobi produziert werden.

Ähnlich hart treffen soll es das Angebot in Somalisch. Vorgesehen ist hier die Absetzung der Sendungen von 16.00 bis 17.00 sowie von 20.00 bis 20.30 Uhr. Darüber hinaus soll die Ausgabe von 13.00 bis 13.30 Uhr nur noch an Arbeitstagen ausgestrahlt werden.

Ansonsten verbleibt neben der künftig auf Arbeitstage beschränkten Mittagssendung nur noch eine ebenfalls 30 Minuten lange Sendung am Morgen. Auch hier soll die Produktion aus London in das billigere Afrika umziehen; in diesem Fall nach Abuja (Nigeria).

Zwar keine Kürzungen, aber Wegzüge aus London sind auch bei den Hörfunksendungen in anderen Sprachen geplant. Künftig sollen alle Nachrichten des arabischen Programms, mit Ausnahme von vier Stunden am Morgen, aus Kairo kommen. Für zwei Magazinsendungen ist als neuer Produktionsort Amman vorgesehen.

Noch nicht konkret bekannt sind die neuen Produktionsstandorte für die Hörfunksendungen in Urdu (für Pakistan) und in Indonesisch. Sie sollen sich „in der Region“ befinden.

 

Autor: Kai Ludwig