Radio Verdad, Guatemala

Letzte Kurzwellenstation in Zentralamerika

In Guatemala, das sich demnächst von den USA als sicherer Drittstaat einstufen lassen dürfte (wie bislang nur Kanada), ist die letzte verbliebene Kurzwellenstation nach einem Ausfall wieder auf Sendung. Nachdem der Gründer zunächst einen Hilferuf absetzte, konnte er sich doch noch selbst helfen.

Radio Verdad
Der Gründer von Radio Verdad, Édgar Madrid, mit dem Transistorsender 4055 kHz | © Radio Verdad

In seinen eigenen Worten vom 18. Juni:

„Nach näherer Untersuchung hatte ich mich dazu entschlossen, den Sender einzuschalten. Es gab einen Knall im Modul B, aber der Sender fuhr mit 300 Watt hoch. Dann setzte ich ein Ersatzmodul ein, und der Sender lief mit voller Leistung.
Was ich immer noch brauche, ist die Sicherung 15 Ampere, 600 Volt. In der Zwischenzeit habe ich eine normale Sicherung für 250 Volt adaptiert. Solche Sicherungen sind in Guatemala sehr schwer zu bekommen.“

Zunächst war mit einer längeren Unterbrechung zu rechnen, nachdem es am 13. Juni mit lautem Knall und starkem Brandgeruch zum Sendeausfall gekommen war. Danach schickte der Betreiber von Radio Verdad zunächst einen Hilferuf an jenen Techniker in Kanada, der ihm seit Jahren hilft.

Radio Verdad besteht in der heutigen Form seit dem Jahr 2000. Auf Kurzwelle betreibt es einen Transistorsender mit 1 kW Leistung. Seine Aufgeschlossenheit machte Radio Verdad bereits zum Ziel von Betrügern, die den Gründer der Station offenbar wiederholt dazu bringen konnten, Geld zu überweisen.

Diese Betrüger erzählten Märchen von „Testsendungen nach Afrika, Europa (Spanien, Belgien, Holland, Frankreich, Deutschland), China und weiteren Ländern“, die „über Satellit laufen, jedoch auf 4055 kHz zu hören sind“. Dafür sorge die „neue, wunderbare Innovation“ von „vielen Repeaterantennen auf der ganzen Welt“.

Nordamerikanische und europäische Beobachter wie auch der kanadische Techniker konnten hier nur ihre Hilflosigkeit konstatieren.

Unterdessen enthüllte die Voice of America einen „Deal“, auf dessen Grundlage die USA demnächst Asylbewerber aus El Salvador und Honduras nach Guatemala zurückschicken wollen. Das zwischen diesen Ländern und Mexiko liegende Guatemala gilt dann ebenso als sicherer Drittstaat wie Kanada.

The Intercept zitiert Menschenrechtsaktivisten mit dem Kommentar, es sei grotesk, von Guatemala einen angemessenen Schutz der von den USA abgewiesenen Flüchtlinge zu erwarten, während dessen eigene Bürger vor Gewalt und Staatsversagen fliehen.

Der Bericht geht auch auf das Säbelrasseln der Trump-Regierung in Richtung Mexiko ein. Demnach verhandelt die mexikanische Seite schon mindestens seit Oktober mit den USA über einen Status als sicherer Drittstaat. Mexiko wolle, so The Intercept, sich nur nicht offen dazu bekennen.

Transmitter had an explosion noise and went off the air. Heavy burn smell comes out.
Der Hilferuf von Radio Verdad | © Ralph Wayne Borthwick

Radio Verdad ist die letzte noch aktive Kurzwellenstation in den Ländern, die unter den engeren Begriff Zentralamerika fallen.

Vorletzte Station war hier eine 1992 in Betrieb gegangene Sendeanlage des spanischen Rundfunks RTVE in Costa Rica. Diese Sendestation wurde 2013 aufgegeben. RTVE beschränkt sich auf Kurzwelle jetzt wieder auf Ausstrahlungen aus Spanien selbst.

Schon 2008 endgültig abgeschaltet wurden die Geräte, mit denen ursprünglich von 1982 bis 1990 das von der CIA finanzierte Radio Impacto nach Nicaragua gesendet hatte. Nach dessen Schließung nutzten bis 1999 Adventist World Radio, zuletzt dann der US-amerikanische Prediger Gene Scott bzw. dessen Witwe die Sender.

Sogar mit deutschsprachigen Sendungen meldete sich Radio for Peace International, das US-amerikanische Friedensaktivisten 1987 auf dem Gelände einer Einrichtung der Vereinten Nationen in Costa Rica ansiedelten. 2003 ließ diese Einrichtung den Betrieb der Rundfunkstation nicht mehr weiter zu.

In Honduras, wo 1993 noch acht Kurzwellenstationen verzeichnet waren, verschwanden als letztes um 2012 die Signale von Radio Misiones Internacionales. Künftig könnte es eventuell Ausstrahlungen dieses Programms über die Kurzwellenstation der Voice of Hope bei Los Angeles geben, wenn die dort geplante Modernisierung umgesetzt wurde.

Schon ein reichliches Jahrzehnt Geschichte ist der Kurzwellenrundfunk in El Salvador. Zuletzt hatte sich dort Radio Imperial auch nur mit einem Kleinsender, das aber auf der ausgesprochen hohen Frequenz 17835 kHz, gemeldet.

In einer noch ferneren Vergangenheit verlieren sich weitere Kurzwellenaktivitäten in Zentralamerika. Zu nennen sind hier besonders Auslandssendungen von Radio Nicaragua, die bis 1990 mit höherer Sendeleistung (bis zu 50 kW) ausgestrahlt wurden.

Zentralamerika
© US-Regierung

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 19.06.2019