Mit einem Kilowatt

Toronto auf 6070 kHz

Nachdem die Canadian Broadcasting Corporation ihren letzten Kurzwellensender (6160 kHz, Standort St. John’s an der Ostspitze von Kanada) im Juni 2017 stillgelegt hat, hält jetzt noch eine private Station in Toronto mit einem Kleinsender die Fahne des Kurzwellenrundfunks in Kanada hoch.

Sender Clarkson, 6070 kHz
Sendestation Clarkson mit der Kurzwellenantenne 6070 kHz | © Mapillary/bootprint, CC

Es handelt sich um Newstalk 1010, mit Wurzeln bis ins Jahr 1927 die älteste Hörfunkstation in Toronto. Ihr heutiger Name bezieht sich auf die mit 50 kW betriebene Mittelwellenfrequenz, die auch schon in Deutschland empfangen werden konnte.

Betreiber dieser Station ist Bell Media. Im Rahmen einer 2016 vereinbarten exklusiven Partnerschaft erscheinen die Hörfunksender von Bell Media online unter der Marke des US-Betreibers iHeartMedia.

Die Sendeanlage befindet sich 25 km südwestlich der Innenstadt von Toronto, am Royal Windsor Drive in Clarkson, einem Ortsteil von Mississauga. Die heutige, 1971 gebaute Hauptantenne besteht aus vier jeweils 170 Meter hohen Masten.

Im Juli 2018 war hier ein neuer Sender in Betrieb gegangen. Sein Vorgänger gehörte zur ersten Generation von Mittelwellen-Transistorsendern, wie sie hierzulande in Berlin-Britz (855 kHz), Hof (684 kHz), Mühlacker (576 kHz) und zuletzt noch bis 2015 in Ismaning und Dillberg (801 kHz) im Einsatz war.

Vorgänger dieses ersten Transistorsenders wiederum war ein typisch US-amerikanischer Röhrensender. Er ist zumindest noch bis 2018 als Reserve weiter bereitgehalten worden.

Sender Clarkson, 1010 kHz
Viermast-Hauptantenne (links, hinten) und Reservemast (rechts, vorn) der Mittelwelle 1010 kHz in Clarkson | © Mapillary/bootprint, CC

Seit 1937 nutzt das heutige Newstalk 1010, traditionell bekannt als CFRX, zusätzlich die Kurzwelle 6070 kHz. Ab 1983 lief sie mit einem Sender jenes Typs, wie ihn bis 2017 auch die Canadian Broadcasting Corporation in St. John’s und in Vancouver betrieben hatte.

Inzwischen ist auch dieses Gerät durch einen Transistorsender ersetzt worden. Da es hier um eine Leistung von lediglich 1000 Watt geht, ist das neue Sendegerät nur ein unscheinbarer Gestelleinschub.

Unscheinbar ist auch die dazugehörige Antenne: Ein kleiner Peitschenmast, nicht zu verwechseln mit dem direkt am Technikgebäude aufgebauten Mittelwellen-Reservemast.

Der bisherige Standort des Peitschenmastes dürfte nun einen Umbau erforderlich machen, was – falls dieser Umbau nicht inzwischen schon realisiert wurde – auch den Weiterbetrieb der Kurzwellenfrequenz in Frage stellen könnte.

Grund ist der erhebliche Wert, den der vordere Teil des Grundstücks, entlang der Straße, inzwischen auf dem Immobilienmarkt hat. Deshalb soll das alte Technikgebäude mit dem Mittelwellen-Reservemast aufgegeben und die Sendestation auf den hinteren Bereich mit den vier Hauptmasten verkleinert werden.

Diese Teilräumung ist dabei noch ein harmloses Szenario. In den USA mündeten die hohen Erlöse, die sich mit einem Verkauf der Grundstücke erzielen ließen, bei einer Reihe von Mittelwellenstationen bereits in die völlige Schließung.

Neben der Frequenz 6070 kHz ist in Kanada noch eine weitere Kurzwelle aktiv, und zwar 6030 kHz aus Calgary. Dort arbeitet aber lediglich ein Kleinstsender mit 100 Watt, dessen Empfang selbst innerhalb von Nordamerika eine Herausforderung ist.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 02.10.2019