Nach dem Rückzug aus Berlin

NPR auch nicht mehr auf Hotbird

Zum 16. Oktober 2017 hatte das US-amerikanische National Public Radio seine Berliner UKW-Frequenz an ein Nachfolgeprojekt des kalifornischen KCRW übergeben. Zum 1. Januar 2018 entfiel die eigene internationale Verbreitung von NPR nun ganz.

Sender Winterfeldtstraße
Die u.a. auf 104,1 MHz aktive Sendeanlage Berlin-Schöneberg, Winterfeldtstraße | © Kai Ludwig

Die Abschaltung kommunizierte NPR recht zurückhaltend; hauptsächlich über das betroffene Sendesignal selbst:

Ein sehr sparsam verteiltes Statement bietet nur den zusätzlichen Verweis auf die Möglichkeiten zur Onlinenutzung, die sich seit dem Start des Hotbird-Angebots vor einem reichlichen Jahrzehnt stark erweitert hätten. Den Charakter des Rückzugs als Sparmaßnahme stellt NPR in den Hintergrund.

„A Note From NPR Berlin 104,1 FM“
Der ursprüngliche Abschalthinweis im mittlerweile gelöschten Internetauftritt „NPR Berlin“ | © nprberlin.de

Mit der UKW-Ausstrahlung in Berlin hatte NPR seinerseits die Nachfolge des eigentlich zuständigen US-Auslandssenders, der Voice of America, angetreten.

Dazu kam es, nachdem die VOA sich 2006 entschlossen hatte, ihre Kooperation mit Star FM nicht weiter fortzusetzen und eine alleinige Nutzung der Frequenz 87,9 MHz anzustreben. Damit hatte die VOA zu hoch gepokert: Bei der Neuausschreibung erhielt nicht sie den Zuschlag, sondern Star FM.

Für Programmveranstalter aus den USA sah die Medienanstalt Berlin-Brandenburg nur noch die Kleinfrequenz 104,1 MHz vor. Hier bewarb sich auch NPR und konnte sich in diesem direkten Wettbewerb gegen die VOA durchsetzen.

Mit Versuchen, die Vergabeentscheidung über Regierungskanäle zu beeinflussen, soll sich die VOA seinerzeit selbst aus dem Rennen geworfen haben. Auch in der öffentlichen Diskussion wurde deutliche Kritik an den Programmen der VOA und der Wunsch nach einer Ausstrahlung von NPR artikuliert.

Erkennbare Konsequenzen aus diesem Debakel hat die VOA nicht gezogen.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 03.01.2018