USA

Kritik an Beschäftigungspraxis von NPR

Ein Jahr nach dem Rückzug von National Public Radio aus Europa erschien in den USA ein kritischer Pressebericht über die Bedingungen, zu denen NPR einen Teil seiner Mitwirkenden als sogenannte „Temps“ engagiert: „Eine Armee, die in Angst und Unsicherheit lebt.“

Sender Winterfeldtstraße
Der bis 2017 auch von NPR genutzte UKW-Sender in Berlin-Schöneberg, Winterfeldtstraße | © Kai Ludwig

Der Beitrag der Washington Post schildert die Arbeitsbedingungen der „Temps“ so: Ständige Wechsel in andere Bereiche mit unbekannten Kollegen, damit ständig wechselnde Zuständigkeiten, auch für Tätigkeiten ohne jede vorherige Ausbildung bzw. Erfahrung.

Die Verträge der „Temps“ laufen, so die Zeitung, mitunter ganze zwei Wochen. Dann seien diese Mitwirkenden gezwungen, einen Manager davon zu überzeugen, ihnen eine Verlängerung zu geben. Zwischen den „Temps“ herrsche harte Konkurrenz um die wenigen Festanstellungen, die NPR vergibt.

Dabei gehe es nicht nur um Handlangereien: Einige dieser „Temps“ würden, so die Zeitung, den Moderatoren die Fragen aufschreiben, die sie den Interviewpartnern stellen. Mehrere Betroffene hätten das Vorgehen von NPR unabhängig voneinander als „Ausbeutung“ bezeichnet.

Lange Zeit habe der Unmut über diese Praxis unter der Oberfläche gegärt. An die Oberfläche gekocht sei er, nachdem sexistische Übergriffe durch den (inzwischen entlassenen) Leiter der Nachrichtenredaktion bekannt wurden, bei denen auch die massive Abhängigkeit der „Temps“ eine Rolle spielte.

„A Note From NPR Berlin 104,1 FM“
2017: Abschalthinweis im mittlerweile gelöschten Internetauftritt „NPR Berlin“ | © nprberlin.de

NPR war auch in Berlin aktiv, nachdem die Voice of America ihre bis 2006 praktizierte Zusammenarbeit mit Star FM nicht weiter fortsetzen wollte und Anspruch auf eine alleinige Nutzung der früheren AFN-Frequenz 87,9 MHz erhob.

Die so erzwungene Auswahlentscheidung fiel zugunsten von Star FM aus. Als Ersatz vorgesehen wurde die Kleinfrequenz 104,1 MHz, jedoch nicht als freihändige Vergabe an die VOA, sondern zur regulären Ausschreibung.

Dabei kam es zu einer Bewerbung von NPR, nachdem die VOA mit ihrem schon seinerzeit marginalisierten englischen Hörfunkangebot gerade auch unter US-Amerikanern in Berlin keinen Beifall fand. Mit dieser Bewerbung konnte sich NPR gegen die VOA durchsetzen.

Unterstützer der VOA sahen NPR seinerzeit als Vertreter der Küstenregionen, die nicht viel mit dem großen Rest der USA gemein hätten. Zu hören war allerdings auch von Versuchen, die Entscheidung auf unangemessenen Wegen zu beeinflussen, womit sich die VOA gleich selbst aus dem Rennen geworfen habe.

Ein Jahrzehnt später, zum Ende des Jahres 2017, stellte NPR seine klassischen Rundfunkaktivitäten außerhalb der USA ein. Im Zuge dieses Schrittes entfiel auch der bis dahin betriebene Hotbird-Satellitenkanal.

Als Nachfolgelösung für die Bespielung der UKW-Frequenz in Berlin wurde ein Ableger von KCRW, der Hörfunkstation des College in Santa Monica bei Los Angeles, gegründet. Dessen Programm enthält erneut Sendungen von NPR, nun jedoch im Rahmen der Mitgliedschaft von KCRW.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 27.12.2018