Mongolei

Ulan Bator auf Kurzwelle

In der Mongolei sind für den Kurzwellenrundfunk jetzt noch zwei Sender auf der AM-Station Khonkhor bei Ulan Bator in Betrieb. Der letzte noch verbliebene regionale Kurzwellensender in Mörön (Murun) im Norden des Landes konnte seit 2019 nicht mehr gehört werden.

Mörön
Blick auf die Stadt Mörön | © Yaan, CC-BY-SA

Der Sender in Mörön arbeitete auf 4895 kHz. Das war eine der sechs Frequenzen allein im 60-Meterband, die einst in der Mongolei genutzt wurden, ihren Betrieb ansonsten aber schon vor Jahren eingestellt haben.

Wer sich die Hoffnung auf eine nochmalige Einschaltung bewahren will, könnte außerdem noch auf die Frequenz 4830 kHz aus Altai setzen. Hier und in Mörön waren erst 2003 neue Sendegeräte installiert worden.

Einstweilen verbleiben nur noch Signale aus Khonkhor. Dabei geht es zum einen um einen kleinen Auslandsdienst mit Sendungen in Mongolisch, Englisch, Chinesisch und Japanisch. Sie kommen, bezogen auf MEZ, von 10.00 bis 12.00 Uhr auf 12085 kHz und von 15.00 bis 17.00 Uhr auf 12015 kHz. Die Empfangsmöglichkeiten in Mitteleuropa sind nicht so gut, wie es die Sendeleistung von 250 kW vermuten lassen könnte.

Außerdem noch in Betrieb ist die Frequenz 7260 kHz für die Inlandsversorgung. Hier läuft das terrestrisch ansonsten nur über wenige UKW-Stadtfrequenzen abgestrahlte zweite Hörfunkprogramm, R3 FM (das eigentliche zweite Programm wurde 2017 „ausgesetzt“).

Dabei scheinen Sendeleistung und Sendezeit gegenüber den offiziellen Angaben (für ersteres: 50 kW) inzwischen deutlich eingeschränkt zu sein. Jüngere Beobachtungen zeigten eine abendliche (Ortszeit) Abschaltung bereits um 15.00 Uhr. Für Empfangsversuche in Mitteleuropa bietet sich den Winter über die letzte tägliche Sendestunde an.

MW-Sender 1000 kW auf der Sendestation bei Tschojbalsan (PR-Foto des Betreibers)

Den flächendeckenden Empfang des ersten Hörfunkprogramms, Mongolin Radio, sichern Langwellensender auf 164, 209 und 227 kHz (der Angleichung des Kanalrasters auf Vielfache von 9, die ansonsten im Langwellenrundfunk zwischen 1986 und 1990 umgesetzt wurde, ist die Mongolei nie gefolgt). Viel mehr als ein Nachweis der Trägersignale ist in Mitteleuropa aber kaum möglich.

Etwas anders sah das bis 2018 auf Mittelwelle aus. Dafür sorgte ein Großsender bei Tschojbalsan, der wie die 1989 fertiggestellte, bis 2012 genutzte Zusatzanlage in Wachenbrunn bei Themar eigentlich für Radio Moskau bestimmt war, für diesen Zweck aber nicht mehr in Betrieb ging.

Stattdessen wurden andere Kunden gesucht. Im Wege stand und steht dabei die Entscheidung, Programme für das ursprüngliche Versorgungsgebiet China nicht zuzulassen, um keine Verwicklungen mit der Volksrepublik zu riskieren.

Zunächst konnte Radio Free Asia dafür gewonnen werden, den Sender für sein koreanisches Programm zu nutzen. Wegen der schon recht großen Entfernung blieb der Empfang in Nordkorea jedoch unbefriedigend. RFA verfolgte diese Option deshalb nicht weiter, nachdem sich die Möglichkeit eröffnete, auf Mittelwelle aus Wladiwostok und heute aus Südkorea zu senden.

Von 2016 bis 2018 probierten dann auch noch die BBC, das japanische Shiokaze-Projekt und Adventist World Radio den Sender Tschojbalsan für ihre Korea-Programme. Letztlich verzichteten sie wieder auf den Verbreitungsweg Mittelwelle, nachdem der Betreiber trotz der schlechten Ergebnisse an seinen hohen Gebühren festhalten wollte.

Im Gegensatz zur Mittelwelle ist es auf Kurzwelle deutlich schwieriger, einem Land die Ausstrahlung eines bestimmten Rundfunkprogramms nachzuweisen. Deshalb liefen über den Kurzwellensender des Auslandsdienstes tatsächlich für China bestimmte Sendungen von Radio Free Asia, insbesondere für bis zu fünf Stunden pro Tag nach Tibet.

Diese Übertragungen sind entweder 2017 wieder entfallen, oder es gelang den beiden Partnern von da an erfolgreich, sie auch vor kundigen Beobachtern hinter gefälschten Standortangaben zu verstecken.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Mauno Ritola; Stand vom 25.11.2020