Mit kommissarischer Leitung und zusätzlicher Frequenz

Zur aktuellen Situation bei Radio/TV Martí

Erstmals seit 2013 wird Radio Martí, das Kuba-Programm des Auslandsrundfunks der USA, zeitweise auch wieder auf einer dritten Kurzwellenfrequenz ausgestrahlt. Die einschlägige Information nimmt Bezug auf einen kommissarischen Direktor des Senders, der allerdings aus dem technischen Bereich kommt. Die tatsächliche Leitung liegt in ganz anderen Händen.

Breitbart: Jeffrey Scott Shapiro
© http://www.breitbart.com/author/jeffrey-scott-shapiro/

Seit dem 1. Dezember 2017 zusätzlich zum Einsatz kommt für Radio Martí die Frequenz 7355 kHz. Sie läuft in den Zeitblöcken 0.00-8.00 und 11.00-15.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, damit in Kuba vom frühen Abend bis zum Morgen, unterbrochen durch eine Sendepause ab 2.00 Uhr Ortszeit.

Im Zuge von Sparmaßnahmen war die Kurzwellenverbreitung von Radio Martí seit 2013 auf jeweils zwei Frequenzen beschränkt. Das sind derzeit 0.00-2.00, 3.00-8.00 und 13.00-15.00 Uhr 7435 kHz, 1.00-13.00 Uhr 6030 kHz, 2.00-3.00 Uhr 7365 kHz, 12.00-14.00 Uhr 5980 kHz, 14.00-23.00 Uhr 11930 kHz, 15.00-21.00 Uhr 13820 kHz, 21.00-1.00 Uhr 9565 kHz sowie 23.00-24.00 Uhr 7375 kHz.

Stand vom 16.12.2017

 

Bericht vom 10. Oktober 2017:

Nach dem Rücktritt der bisherigen Direktorin wird Radio/TV Martí von einem „Berater“ geführt, der bis 2012 für Breitbart News tätig war und sich als Sachwalter des Erbes von Stephen Bannon präsentiert. Sein Auftreten sorgt intern für große Besorgnis.

Laut CNN betont der im Sommer eingesetzte Jeffrey Scott Shapiro, er wolle den Auslandsrundfunk der USA zum „Erbe von Bannon“ machen, mit dem er jeden Tag spreche. Er werde „alle ausrotten“, die nicht loyal zu Trump sind. Bei Radio/TV Martí sieht er eine „Infiltrierung“ durch Kuba.

Dazu schreibt „The Daily Beast“ weiter, Shapiro habe die bisherige Direktorin von Radio/TV Martí, die aus Puerto Rico stammende Maria González, beim FBI und beim internen Sicherheitsdienst des US-Auslandsfunks einer „geheimen Verbindung“ mit der kubanischen Regierung bezichtigt.

Der interne Sicherheitsdienst sei pflichtgemäß diesen Anschuldigungen nachgegangen. Er habe keine Belege für die angebliche Agententätigkeit finden können. Ob auch das FBI gegen González ermittelte, sei unklar.

Aus einem Meeting im Spätsommer zitiert „The Daily Beast“ folgende Äußerung von Shapiro:

„Es ist nicht unsere Aufgabe, Nachrichten zu machen. Unsere Aufgabe ist es, den Interessen der USA zu dienen und die Politik des Präsidenten zu unterstützen.“

Shapiro sei im Juli vom Personalbüro des Weißen Hauses beim Auslandsrundfunk installiert worden. Dabei habe dieses Büro ausdrücklich auf die Freundschaft zwischen Shapiro und Bannon verwiesen.

Das aggressive Verhalten von Shapiro habe Mitte August, nach dem Ausscheiden von Stephen Bannon, begonnen. Ab diesem Punkt sei Shapiro feindselig gegenüber der ihr Amt noch kommissarisch ausübenden Maria González aufgetreten.

González hat Radio/TV Martí schließlich im September verlassen. Die Rede ist von „gesundheitlichen Gründen“. Medienanfragen zum Thema ließ González unbeantwortet.

Maria González
Maria González | © bbg.gov

Ihr Amt hatte González bereits im Juni zur Verfügung gestellt. Wie sie durchblicken ließ, rechnete sie ohnehin mit ihrer Ablösung. Unmittelbarer Auslöser des Rücktritts war eine Hetzkampagne in sozialen Netzwerken, die von der Szene kubanischer Exilanten in Miami geführt wurde.

Dabei ging es um die von González vertretene, jetzt auch durch Jeffrey Scott Shapiro scharf attackierte Ausrichtung von Radio/TV Martí auf ausgewogenen Journalismus. Die Anschuldigungen reichten bis zu der Behauptung, Radio/TV Martí sei mittlerweile ein Propagandatool der Regierung in Havanna.

Dahinter steckte grundsätzliche Frustration über die Kuba-Politik des früheren US-Präsidenten. Das zeigt sich auch darin, wie ein kubanischer Dissident in der Diskussion um González gegenüber einer Zeitung von „Barack Hussein Obama“ sprach und damit den üblichen Code für die Unterstellung, Obama sei nicht im rechtmäßigen Besitz der US-Staatsbürgerschaft, verwendete.

Maria „Malule“ González ist eine ausgewiesene Journalistin. Damit sticht sie heraus aus der Reihe ihrer Vorgänger, die allesamt politische Aktivisten ohne jede journalistische Erfahrung waren.

Kontrovers diskutiert wurde auch ihr unmittelbarer Vorgänger, Carlos García-Pérez, der von 2010 bis 2015 im Amt war. Dessen Ernennung ging direkt von Obama aus, was schon seinerzeit die Beteuerungen über die Staatsferne des Auslandsrundfunks entwertete.
 

Unterdessen kam es bis jetzt nicht zu der erwarteten Ablösung des Geschäftsführers der US-Auslandssender, John Lansing. Das Weiße Haus hat dem Senat bislang keine Nominierung eines Nachfolgers übermittelt.

Der im Gespräch befindliche Michael Pack, ebenfalls ein Bannon-Vertrauter, rechnet laut CNN jedoch mit seiner Ernennung. Er habe deshalb im Sommer bereits die Leitung des Claremont Institute (der, wie ein anderer Medienbericht formulierte, „akademischen Heimat des Trumpismus“) abgegeben.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 10.10.2017