Libyen

Bengasi auf 675 kHz

Teilweise auch noch in Mitteleuropa zu hören – zumindest, so lange die Mittelwellenfrequenz 675 kHz nicht wieder durch einen niederländischen Kleinsender gestört wird – sind die Rundfunksendungen aus Bengasi, das unter Kontrolle der 2014 aus Tripolis vertriebenen Regierung steht.

AM 675
© facebook.com/radio.alwatania.ly

Über längere Zeit war der Mittelwellensender in Bengasi auf 677 kHz abgedriftet. Inzwischen wurde seine Frequenz wieder auf 675 kHz korrigiert.

Mit Einbruch der Dunkelheit kommt die Ausstrahlung bis nach Mitteleuropa durch. Bei Empfangsversuchen ist jedoch Vorsicht geboten, da auf dieser Frequenz auch Sender in Saudi-Arabien und Katar arbeiten. Einen Anhalt geben häufige Nennungen des Ortsnamens Bengasi.

Im Internet ist als Präsenz der Rundfunkstation Bengasi einzig das Facebook-Profil „radio.alwatania.ly“ zu ermitteln.

Funkhaus Tripolis
Hörfunkstudio in Tripolis, Zustand kurz nach dem Sturz von Gaddafi | © Radio Libya

Auf Mittelwelle ausgestrahlt wird auch das Programm des Funkhauses Tripolis. In Europa ist davon allerdings nichts zu hören, da die hier verwendete Frequenz 1053 kHz von Sendern in Großbritannien und Rumänien belegt wird.

Alle anderen AM-Sender in Libyen sind nicht mehr in Betrieb. Das betrifft sowohl die Mittelwellen-Hochleistungssender mit mehr als 100 kW als auch die erst 2006 erneuerte Kurzwellentechnik.

Nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi war einer der Kurzwellensender ab Oktober 2011 noch einmal mit Auslandssendungen in französischer Sprache bespielt worden. Diese verschwanden jedoch nach wenigen Monaten wieder.

Auch die Kurzwelle 11600 kHz selbst wurde, ebenso wie die Großmittelwelle 1251 kHz, seit Herbst 2012 nicht mehr gehört. Die letzte Empfangsmeldung fiel bereits deutlich aus:

„Wie ein Lotteriespiel; Radio Libya war am 16. und 19. September mal auf Sendung, dazwischen zwei Tage nicht zu hören.
Und der Programminhalt ist weit entfernt von der Aufbruchstimmung vom letzten Jahr, damals in französischer Sprache. Jetzt gibt es nur sehr ernste fundamentalistische Arabischprogramme zu hören.
Die Zeit wurde wieder zurückgedreht, nur ohne den Operettenkönig. Jetzt um 1835 Uhr ist der Koran-Prediger zugange ...“
(Wolfgang Büschel, 2012)
Funkhaus Tripolis
Eine weitere Impression aus dem Sendestudio in Tripolis | © Radio Libya

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von David Kernick; Stand vom 24.10.2017