Jetzt ohne Ketschua

Kuba auf Kurzwelle

Nach eigenen Angaben sendet der Auslandshörfunk von Kuba nicht mehr in Ketschua. Diese südamerikanische Sprache ist im Kurzwellenhörfunk sonst durch den Restbetrieb von Radio HCJB in Ecuador bekannt, der auf 6050 kHz maßgeblich von den früheren Gestaltern der deutschen Sendungen aufrechterhalten wird.

Arnaldo „Arnie“ Coro
Arnaldo Coro bei der Produktion seiner Sendung „DXers Unlimited“ | © WPLG Local 10

Ansonsten will Radio Habana Cuba auch im Sommerhalbjahr 2019 weitgehend in der bekannten Weise auf Sendung gehen (Zeitangaben in MESZ):

13.00-15.00 Uhr: 6150*, 11950 kHz; Spanisch
13.00-16.00 Uhr: 13780 kHz; Spanisch
13.00-17.00 Uhr: 9535**, 9640**, 11760, 15140, 15230* kHz; Span.
15.00-17.00 Uhr: 13700 kHz; Spanisch
17.00-20.00 Uhr: 11760, 15140 kHz; Spanisch
20.00-22.30 Uhr: 15140 kHz; Arab., Kreol., Engl., Französ.
21.30-01.00 Uhr: 15370 kHz; Französ., Portug., Arab., Span.
22.00-24.00 Uhr: 9720 kHz; Französ., Portug., Engl.
23.00-01.00 Uhr: 5040, 9640** kHz; Spanisch
23.00-04.00 Uhr: 11760 kHz; Spanisch
23.00-06.00 Uhr: 13740 kHz; Spanisch
23.00-07.00 Uhr: 9535**, 11850* kHz; Spanisch
00.00-07.00 Uhr: 11700* kHz; Portugies., Spanisch
00.30-01.00 Uhr: 15730** kHz; Französ. (So Esperanto)
Di-Fr 01.00-02.00 Uhr: 6000*, 11950 kHz; Spanisch
01.00-02.00 Uhr: 5040 kHz; Englisch (So Esperanto)
01.00-02.00 Uhr: 15730** kHz; Kreolisch, Portugiesisch
01.00-06.00 Uhr: 6060, 9640**, 11670 kHz; Spanisch
02.00-02.30 Uhr: 5040, 15730** kHz; Kreolisch
02.00-08.00 Uhr: 6000*, 6165 kHz; Englisch
02.30-08.00 Uhr: 5040 kHz; Französ., Span., Engl.
06.00-08.00 Uhr: 6060, 6100 kHz; Englisch
So 08.00-08.30 Uhr: 6100 kHz; Esperanto

Beim Sendebetrieb sind Fehlschaltungen und technische Mängel an der Tagesordnung. Eine dazu täglich erscheinende, stets mit dem Spruch „something`s always wrong at RHC“ versehene Auflistung führte unlängst zu einer Diskussion, ob das Kurzwellenhobby gerade im Begriff ist, sich endgültig totzulaufen.
 

Der überwiegende Teil der Ausstrahlungen kommt aus der Sendestation Bauta, 25 km südwestlich von Havanna zwischen den Ortschaften Corralillo und Cayo la Rosa. Dort wurde nach 1960 ein Konglomerat von Sendern unterschiedlicher Hersteller aus der Schweiz, der Sowjetunion und beiden Teilen Deutschlands angesammelt.

Diese Technik blieb über Jahrzehnte in Betrieb, bis chinesische Auftragnehmer die Sendestation Bauta zwischen 2003 und 2005 modernisierten. Dabei wurden nicht nur die Sendegeräte (je 100 kW) ausgetauscht, sondern auch neue Antennen errichtet.

Sender Bauta
Präsentation des Lieferanten (bbef-tech.com) zur Modernisierung der Sendestation Bauta


Lange Zeit wurde in Havanna so getan, als konzentriere sich der gesamte kubanische Kurzwellenhörfunk auf diesen Standort. Über die im Ausland längst bekannte Existenz weiterer Sendeanlagen ist bis 2015 dezent hinweggegangen worden.

Als Teil des Revolutionsmythos taugen die anderen Sendestationen tatsächlich nicht, denn hier standen bis 1992 Ausstrahlungen von Radio Moskau im Vordergrund. Mit deren Entfall verlor zugleich Radio Habana Cuba seine Sendeplätze auf Kurzwellenanlagen in der GUS, was dessen Hörbarkeit in Europa dramatisch verschlechterte.
 

Von der sowjetischen Seite mit 250 kW starken Sendern und festen Dipolwänden ausgestattet wurde die Sendeanlage Quivican/Titan, reichlich 55 km süd-/südöstlich von Havanna, zwischen den Ortschaften San Felipe und San Antonio de las Vegas. Die dort betriebenen Frequenzen sind oben mit einem Stern gekennzeichnet.

Auch ein ausländischer Programmveranstalter ist hier wieder in größerem Umfang aktiv. Diesmal handelt es sich um China Radio International mit folgenden Programmen:

14.00-15.57 Uhr: 9570 kHz; Kantonesisch, Englisch
16.00-17.57 Uhr: 11880 kHz; Englisch
02.00-02.57 Uhr: 5990, 9810 kHz; Spanisch
03.00-04.57 Uhr: 9580 kHz; Englisch, Mandarin
05.00-06.57 Uhr: 9790 kHz; Englisch, Kantonesisch


6 km nordwestlich der Sendestation Quivican befindet sich der wesentlich ältere, mit Sendern der Bauart „Sneg“ (50 kW) ausgestattete Standort Bejucal. Dort werden die oben mit zwei Sternen markierten Frequenzen von Radio Habana Cuba abgestrahlt.

Hinzu kommt in den hiesigen Nachtstunden eine eher versuchsweise Übertragung von Radio Progreso auf 4765 kHz, einer einst von der sowjetischen Seite wiederum für ihre Programme eingeführten Frequenz. Bislang nicht umgesetzt wurde eine Idee, hier noch eine Frequenz im 90-Meterband hinzuzunehmen.


Langjährig etabliert ist die Ausstrahlung von Radio Rebelde, der Leitwelle des kubanischen Rundfunks, auf 5025 kHz. Diese Frequenz kommt aus Bauta, wobei mit der Modernisierung der Sendetechnik die Leistung auf 50 kW erhöht wurde.

Stand vom 01.05.2019



Ein Fernsehsender in Florida brachte 2017 einen Beitrag, der noch 2014 undenkbar gewesen wäre: Ein Kurzporträt von Arnaldo Coro, einer prägenden Persönlichkeit von Radio Habana Cuba.

Bekannt ist „Arnie“ Coro durch seine englischsprachige, dem Radiohobby gewidmete Sendung „DXers Unlimited“. Einige Hörer erinnert deren Präsentation an Wolfram Heß († 2007), der einst ähnliche Sendungen gestaltet hatte.

Besonders treffend ist dieser Vergleich wegen einer inhaltlichen Parallele zu Radio Berlin International: Wie dessen Radiohobbysendungen beschränkt sich auch „DXers Unlimited“ auf allgemeine technische Themen. Zumindest bis 2015 waren konkrete Nennungen anderer Rundfunksender oder gar medienpolitische Aspekte tabu.

An die DDR erinnert der Fernsehbeitrag auch mit einem Blick auf Coros Gerätepark. Darunter befindet sich ein RFT-Sendeempfänger, in dieser Aufnahme eingestellt auf Radio Rebelde (also 5025 kHz).

Hier findet sich ein Beispiel, wie „DXers Unlimited“ auf Kurzwelle (in den USA) klingt. Ein Blog zur Sendung wurde zuletzt 2016 mit Texten bestückt. Inzwischen ist „DXers Unlimited“ im Nachhörangebot von Radio Habana Cuba enthalten.

 

Autor: Kai Ludwig