Argentinien

„Liberty“ sprach im Falklandkrieg

Zum britischen Radio Atlántico del Sur im Falklandkrieg gab es ein Gegenstück: Sendungen in englischer Sprache aus Buenos Aires, die versuchten, die britischen Streitkräfte zu demoralisieren. Veranstalter war der argentinische Militärgeheimdienst, der sich anscheinend an einem vietnamesischen Vorbild orientierte.

Falklandinseln/Malwinen
Feuerland und Falklandinseln (Quelle: University of Texas)

Einen Namen hatten diese Sendungen nicht. Sie begannen mit einer Instrumentalversion des Beatles-Titels „Yesterday“. Danach meldete sich die stets gleiche, eine betont erotische Ansprechhaltung verwendende Sprecherin mit der Redewendung „I'm Liberty“.

Diese Methode dürfte von der Stimme Vietnams abgeschaut gewesen sein. So, wie deren englische Sendungen im Vietnamkrieg als „Hanoi-Hannah“ bekannt wurden, war nun auch prompt die Rede von „Argentine-Annie“.

Verschiedentlich gibt es die Auffassung, die Betreiber hätten den Eindruck erzeugen wollen, sie würden von den Falklandinseln selbst senden. Dies bezieht sich auf die häufig verwendete Formulierung, man spreche „aus dem Herzen unserer Malwinen“.

Das war allerdings nicht unbedingt so wörtlich gemeint, wie es verstanden wurde. Darauf deutet eine andere, öfters verwendete Phrase von der Welt, die zuhört, wenn „Argentinien spricht“.

Die jeweils 45 Minuten langen Sendungen wurden am sehr frühen Morgen aufgezeichnet. Produktionsort waren die Studios von Radio Ciudad, der Hörfunkstation der Stadt Buenos Aires. Sie befinden sich in diesem, zum Kulturzentrum San Martin gehörenden Gebäude:

Das Band nahm dann ein Motorradfahrer der Polizei entgegen, um es zur Ausspielung zu bringen. Diese lief erst ab dem Nachmittag; um 15.00 Uhr Ortszeit mit Wiederholungen um 17.00, 19.00 und 21.00 Uhr.

Zum Einsatz kam offensichtlich ein Kurzwellen-Rundfunksender höherer Leistung. Die Ausstrahlungen litten jedoch unter einer schlechten Qualität (dumpf, verzerrt), die teils bis zur völligen Unverständlichkeit ging.

An sich wäre hier von einer Nutzung der Sendestation des staatlichen argentinischen Rundfunks, im Vorort General Pacheco, auszugehen. Dort sind allerdings nur drei Sender bekannt, die während des Falklandkriegs bereits rund um die Uhr mit Programmen belegt waren.

In jedem Fall kam die Ausstrahlung aus dem Raum Buenos Aires. Eine Darstellung, die von einem Senderstandort im Norden von Argentinien sprach, trifft offensichtlich nicht zu.

Nach der argentinischen Kapitulation wurden die Sendungen, die um den 21. April 1982 begonnen hatten, noch für eine Woche fortgesetzt. Eine Abschiedssendung, diese erst- und zugleich letztmals auch in spanischer Sprache, wurde schließlich vom 21. bis 24. Juni 1982 ausgestrahlt.

Die als „Liberty“ aufgetretene Sprecherin, Silvia Fernández Barrios, war ansonsten für die Präsentation der Nachrichtenmagazine des Fernsehens bekannt. Viele dieser Sendungen hat das heutige TV Pública Argentina inzwischen online gestellt. Hier die Ausgabe vom 25. Mai 1982:

Mit dem Ende von „Liberty“ war nicht alles vorbei. 2013 gab es Berichte über eine neue Folge englischsprachiger Sendungen, die am späten Abend über einen Mittelwellensender auf Feuerland ausgestrahlt werden sollten. Für sich spricht bereits der Name der dortigen Regionalstation: „Radio Nacional Ushuaia e Islas Malvinas“.

Silvia Fernández Barrios ihrerseits steht nach wie vor zu ihrem Engagement im Falklandkrieg. Sie ist daher in Argentinien als Unterstützerin der damaligen Militärdiktatur umstritten.

 

Autor: Kai Ludwig; zuletzt aktualisiert am 31.10.2017