531 kHz

Mittelwelle von den Färöer wieder gehört

In den letzten Monaten war der Mittelwellensender des Rundfunks der Färöer abgeschaltet, was mit finanziellen Zwängen begründet wurde. Wie nun erneute Empfänge um die Weihnachtstage zeigten, ist der Sender doch noch nicht endgültig Geschichte.

Akraberg
Akraberg: Leuchtturm und Mittelwellenmast | © Erik Christensen, CC

Die betreffende Sendeanlage steht auf der Landzunge Akraberg im äußersten Süden der Färöer, hier der Insel Suðuroy. Gegenüber den Antennen anderer, ebenfalls hier betriebener Funkdienste ist die Mittelwellenstation etwas zurückgesetzt.

Da die Färöer sich über mehr als 100 km ausdehnen und der Rundfunkempfang auch noch für Schiffe in den umliegenden Seegebieten abgesichert werden sollte, wurde hier ein 200 kW starker Sender aus der Schweiz aufgebaut. Damit konnte die Station mitunter bis nach Mitteleuropa gehört werden.

Eine zentrale Rolle spielte dabei eine Wartungspause der Mittelwellensender von Radio DDR 1, die regelmäßig an Montagen von 8.00 bis 11.55 Uhr eingeordnet und despektierlich, aber zutreffend als „Putzpause“ bekannt war. Damit öffnete der ebenfalls auf 531 kHz eingesetzte Sender Wiederau im Winter ein potentielles Empfangsfenster.

531 kHz, 200 kW
1990 auf einer älteren Drucksache verschickte Empfangsbestätigung mit handschriftlichem Vermerk der wesentlich erhöhten Sendeleistung | © Sammlung Martin Elbe

2008 erlitt der Röhrensender einen Defekt, der nicht mehr mit vertretbarem Aufwand behoben werden konnte. Daher wurde kurzfristig eine neue Transistoranlage beschafft. Sie ist von der Bauart, die ab 1999 wiederum schon in Wiederau im Einsatz war (das dann auf 783 kHz).

Sowohl der alte als auch der neue Sender stammten von der einstigen Schweizer Firma Brown, Boveri & Cie., deren Name und Konzernzugehörigkeit sich ab 1988 immer wieder änderte. Bei einem Werksbesuch zeigten sich an dem für die Färöer angefertigten Sender mit den Anschriften „Thomcast“, „Thales“ und „Thomson“ gleich drei dieser Episoden.

Heute lautet die Firmierung „Ampegon“. Geschichte ist inzwischen das als „M2W“ bezeichnete Modell von Mittelwellensendern; dieses Produkt wurde aufgegeben. An dessen Stelle wird den Kunden nun das Produkt „TRAM“ aus der Konkursmasse des früheren Konkurrenten Transradio (Berlin) angeboten.

Ein näherer Blick auf den Mittelwellenmast Akraberg:

Eine Einstellung des Mittelwellenbetriebs wird auf den Färöer seit längerem erwogen. 2005 bestand ein Sendeausfall deshalb schon einmal längere Zeit: Der Betreiber verlangte von Kringvarp Føroya, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, zunächst eine Klarstellung zur Weiterführung der Ausstrahlungen, bevor er die defekte Senderöhre ersetzte.

Der neue Transistorsender läuft auch nur noch in Ausnahmefällen mit seiner vollen Leistung von 100 kW. Meist bleibt die eingesetzte Leistung auf 25 kW beschränkt, womit sich der Sender in Mitteleuropa kaum noch gegen die anderweitige Belegung der Frequenz (jetzt noch u.a. in Rumänien und Algerien) durchsetzen kann.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 27.12.2017