Nach wie vor auf Sendung

Radio Erena und zwei weitere Eritrea-Programme

Auch im Winter 2019/2020 werden die nach Eritrea gerichteten Kurzwellenprogramme weiter in der seit Mai bekannten Weise ausgestrahlt. Nach wie vor täglich auf Sendung geht Radio Erena, während sich zwei weitere Projekte auf wöchentliche Sendungen beschränken.

Radio Erena
Bildschirmfoto von 2017 | © erena.org

Radio Erena (dazu siehe unten) nutzt in der seit Jahren bekannten Weise die Kurzwellensender in Kostinbrod bei Sofia, im Winter von 18.00 bis 19.00 Uhr MEZ auf 9720 kHz.

Das Ende 2018 gestartete Radio Sinit sendet jeweils am Sonnabend aus Frankreich, jetzt von 6.00 bis 7.00 Uhr auf 9540 kHz.

Auf eine wöchentliche Sendung beschränkt sich inzwischen auch die im Mai aufgetauchte „Stimme der eritreischen Tiefebene“: Ebenfalls sonnabends aus Frankreich, nun von 18.00 bis 18.30 Uhr auf 11875 kHz.

Stand vom 15.11.2019



Radio Erena wurde 2009 in Paris durch den Fernsehjournalisten Biniam Simon gegründet. Er war 2007 zu einer Fortbildung bei NHK nach Tokio geschickt worden und nutzte diese Gelegenheit, um sich abzusetzen.

Wie Simon sagte, hätten die japanischen Behörden eine Zusicherung abgegeben, den Dienstreisenden in jedem Fall zurück nach Eritrea zu schicken. Ein Asylantrag sei dann auch prompt abgelehnt worden.

Trotz der Schwierigkeiten, in die seine Familie geraten würde, habe er sich zur Flucht entschlossen, da in seiner exponierten Position die große Gefahr bestanden habe, irgendwann wegen irgendeiner Kleinigkeit im Gefängnis zu landen. Simon wurde von „Reporter ohne Grenzen“ aus Japan nach Paris herausgeschleust

Der zweite Leiter von Radio Erena, Fathi Osman, war einst an der Botschaft von Eritrea in Saudi-Arabien tätig. Ihm gelang es, eine Ausreise seiner Familie nach Riad zu erwirken, bevor er sich 2012 ebenfalls nach Paris absetzte.

Osman hat ein Buch mit dem Titel „Eritrea: Vom Traum der Unabhängigkeit zum Alptraum der Diktatur“ geschrieben. Darin schildert er seine Einschätzung, wie Eritrea nach der 1993 vollzogenen Loslösung von Äthiopien in die 2001 manifest gewordene Diktatur abstürzte.

Demnach sei, berauscht vom Sieg über die afrikanische Supermacht Äthiopien, der Guerillakampf immer weiter fortgesetzt worden. Aus Freude über die Unabhängigkeit und Verständis für Unerfahrenheit habe man so lange über die sich abzeichnenden Fehlentwicklungen hinweggesehen, bis es zu spät war.

Biniam Simon war, wiederum mit Unterstützung von „Reporter ohne Grenzen“, nach seiner Ankunft in Paris sogleich an den Aufbau des Hörfunkprojekts gegangen.

Dabei sei es nicht einfach gewesen, Mitstreiter zu finden. Von den 60 Journalisten, denen die Flucht aus Eritrea nach Europa gelang, hätten die meisten selbst hier noch zu große Furcht vor der Regierung in Asmara. Vielen sei, so Simon, auch das Konzept einer objektiven Berichterstattung zunächst überhaupt nicht vermittelbar.

Zum Schutz der Quellen arbeiten die Journalisten von Radio Erena auch intern konspirativ, legen sich ihre jeweiligen Quellen also nicht gegenseitig offen. Dies ermögliche es auch, Informationen effektiv zu verifizieren, um aus Asmara gestreute „Fake News“ auszusondern.

Nach Angaben von Simon sei 2012 das Satellitensignal von Radio Erena gestört worden, obwohl Eritrea damit auch sein eigenes, auf derselben Frequenz gesendetes Staatsfernsehen unterbrochen habe. Bei dieser Aussage könnte es sich allerdings schon sogleich um einer jener „Fake News“ handeln.

Inzwischen läuft die (in Europa nicht zu empfangende) Satellitenübertragung von Radio Erena über den Eutelsat 8 West B. Mit Empfangsanlagen, die für die ägyptische Nilesat-Plattform eingerichtet sind, ist dieser Satellit ohne weiteres mit aufzunehmen, was zahlreiche Programmveranstalter ausnutzen.

Ein weiterer Aspekt wurde 2017 thematisiert: Die Entführungen und Erpressungen, denen Flüchtlinge aus Eritrea im Sudan und in Ägypten ausgesetzt sind.

Den Opfern werde von den Entführern ein Mobiltelefon gegeben, um ihre Verwandten anzurufen und um Geld zu betteln. Wenn diese Verwandten nicht zahlen, müssen sie am Telefon bei der Folterung der Geiseln mithören.

Hier habe sich eine Mitwirkende von Radio Erena zur Vermittlerin entwickelt, die auch eine Bezahlung der Lösegelder arrangiere. Eine andere Wahl, als den Forderungen der Entführer nachzukommen, gebe es in diesem Fall nicht.

Nach Erkenntnissen der Deutschen Welle ist Radio Erena nach dem dortigen Staatsfunk der am zweithäufigsten gehörte Sender in Eritrea.

 

Autor: Kai Ludwig