Äthiopien-Programm

Frequenzänderung bei der Deutschen Welle

Die Information über eine anstehende Frequenzänderung lenkt den Blick auf eine der wenigen terrestrischen Hörfunksendungen, die bei der Deutschen Welle jetzt noch verblieben sind. Mit ihrem Zielgebiet fällt die betreffende Sendung fast schon in das frühere Konzept eines „Krisenradios“: Äthiopien.

Sender Issoudun
Eine der Kurzwellen-Sendeeinheiten bei Issoudun, gesehen bei einer Busreise | © Dr. Hansjörg Biener

Schon seit vielen Jahren produziert die DW eine tägliche einstündige Sendung in Amharisch, das in Äthiopien den Status einer Amtssprache auf Bundesebene hat. Heute läuft diese Sendung im Winterhalbjahr von 17.00 bis 18.00 Uhr MEZ und wird über die Kurzwellensender in Frankreich abgestrahlt.

Derzeit geschieht das auf 11830 und 15275 kHz. Die letztgenannte, in der Vergangenheit großflächig für das deutsche Programm eingesetzte Frequenz im 19-Meterband ist während der dunkelsten Tage des Jahres zu dieser Sendezeit allerdings zu hoch. Sie wird deshalb voraussichtlich vom 17. Dezember 2020 bis 24. Februar 2021 durch 9555 kHz ersetzt.

In Äthiopien ist die DW gerade selbst in die Schlagzeilen gekommen. Die Behörden in Addis Abeba haben dem dortigen Korrespondenten von Reuters wegen „falscher und unausgewogener Berichterstattung“ die Akkreditierung entzogen und der DW sowie auch der BBC diesen Schritt ebenfalls angedroht.


Die Recherchen der Äthiopien-Redaktion finden, so zuletzt am 8. Dezember, auch wieder Eingang in das noch verbliebene Online-Angebot in deutscher Sprache. Ein deutsches Hörfunkprogramm gibt es bei der DW schon seit 2011 nicht mehr.

Dessen Einstellung (von einem erfahrenen Rundfunkmann seinerzeit so kommentiert: „Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir in dieser skandalösen Geschichte einen kleinen Blick in die ganz generelle Zukunft der linearen Verbreitung werfen“) war die markanteste Zäsur im seit langem laufenden Rückzug der DW aus diesem Medium.

Die jüngsten Schritte waren hier die Abschaltung der Kurzwellenübertragung des Programms in der ostafrikanischen Sprache Suaheli/Swahili zum 29. März 2020 sowie die vollständige Einstellung der Hörfunksendungen für Afghanistan (Dari und Paschtunisch) zum 27. Oktober 2019.


Auf Kurzwelle verblieben ist neben der Amharisch-Sendung jetzt nur noch das Angebot in der westafrikanischen Sprache Haussa. Es besteht im Kern aus drei täglichen Ausgaben: Von 7.30 bis 8.00 und von 19.00 bis 20.00 Uhr jeweils auf 7235, 9570 und 9830 kHz sowie von 14.00 bis 15.00 Uhr auf 9830, 11980 und 17800 kHz.

Dabei nutzt die DW auch die Sendestation der Voice of America in São Tomé, und zwar morgens auf 7235 kHz, nachmittags auf 9830 und 11980 kHz sowie abends nur auf 9830 kHz. Die anderen Frequenzen kommen wiederum aus Frankreich.

Über die Kurzwellenanlagen beim zentralfranzösischen Issoudun wird schließlich noch eine spezielle Ergänzung des Haussa-Angebots abgestrahlt: Berichterstattung von der Fußball-Bundesliga am Sonnabend von 15.25 bis 17.30 Uhr auf 15195 und 15350 kHz.

Eigentlich sollen diese Frequenzen tatsächlich nur an Spieltagen aktiv sein. TDF fährt die Sender jedoch öfters auch dann hoch, wenn keine Fußballsendung kommt. Zu hören ist dann nur das endlos wiederholte Pausenzeichen.

Hörfunk-Berichterstattung von der Bundesliga wird bei der DW auch noch in weiteren Sprachen produziert und online sowie über Satellit verbreitet: Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch, Portugiesisch und Suaheli.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 12.12.2020