Rádio Nacional da Amazônia

Letzte Kurzwellen der Empresa Brasil de Comunicação

Bis 1999 meldete sich die staatliche Rundfunkgesellschaft von Brasilien auch in deutscher Sprache. Auf der einst dafür genutzten Kurzwellenanlage ist inzwischen nur noch ein Programm für das Amazonasbecken verblieben, und auch dessen Ausstrahlung leidet immer mehr unter Sendeausfällen und technischen Problemen.

Rádio Nacional da Amazônia
Werbegraphik für Rádio Nacional da Amazônia | © EBC

Die Sendestation befindet sich 35 km nordwestlich der Innenstadt von Brasília, an einem unter der Bezeichnung Parque do Rodeador bekannten Standort. Sie war 1979 in Betrieb gegangen.

Brown, Boveri & Cie. (Schweiz) installierte hier sechs Kurzwellensender mit einer Leistung von jeweils 250 kW sowie einen 300 kW starken Mittelwellensender, der jetzt noch mit 230 kW auf 980 kHz betrieben wird. Damit konnte sich Brasilien zuschreiben, über die leistungsfähigste Sendeanlage in Lateinamerika zu verfügen.

Mit dieser Technik sendete die staatliche Rundfunkgesellschaft, die bis 2007 als Radiobrás firmierte, auch auf Deutsch. In der letzten Ausprägung geschah dies für täglich 80 Minuten innerhalb eines mehrsprachigen Programmblocks auf der nie veränderten Frequenz 15265 kHz.

Im April 1999 wurden die deutschen Sendungen kommentarlos eingestellt. Anfang 2000 entfielen dann auch alle anderen Auslandssendungen.

Ab Mitte der 80er Jahre stellte die Radiobrás ihre Kurzwellensender auch ausländischen Rundfunkgesellschaften zur Verfügung. Gebrauch davon machten für einige Jahre die Deutsche Welle, Schweizer Radio International, die BBC und Omroep Suriname, letzterer mit einer Sendung für Europa.

Am längsten Bestand hatten die Übertragungen des heutigen China Radio International. Sie verschwanden erst vor einigen Jahren. Das dürfte maßgeblich den immer größer werdenden Schwierigkeiten mit den alternden Sendern geschuldet gewesen sein. Zu einer Modernisierung, wie sie 2010 im Gespräch war, ist es nie gekommen.

Die Sendestation Parque do Rodeador mit den Antennen für das Amazonasbecken (links und rechts) und für Europa (hinten):

Nach dem Ende des Auslandsdienstes wurde einer der brachliegenden Sender dafür genutzt, auf 5990 kHz die Sitzungen des Parlaments (Senado Federal) zu übertragen. Diese Ausstrahlungen sind vor einigen Jahren aber wieder entfallen.

Damit verblieb nur noch Rádio Nacional da Amazônia, ein speziell für das Amazonasbecken zusammengestelltes Programm. Es wird auf den Kurzwellen 6180 und 11780 kHz gesendet.

Planmäßig geschieht das ganztags, mit einer nächtlichen Sendepause von etwa 4.05 bis 10.00 Uhr MEZ und einer Leistung von jeweils 150 kW. Dabei sind Sendeausfälle, die mitunter Monate bestehen, inzwischen an der Tagesordnung.

Die generelle Zukunft dieses Dienstes hängt zwangsläufig von der generellen Zukunft der heutigen Empresa Brasil de Comunicação ab. Im Spätsommer erschienen widersprüchliche Berichte, laut denen die EBC privatisiert oder doch nicht privatisiert werden sollte.

Darüber hinaus gab es im Juli innerhalb weniger Tage ein verwirrendes Hin und Her, ob es in der Hörfunk-Programmgruppe MEC nun zu Schließungen kommt oder nicht.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 27.12.2019