Brasilien

Kurzwellenanlage Brasília ist repariert

Nach einem Blitzschlag im März 2017 gab es über mehr als ein Jahr kein Geld dafür, die Kurzwellenanlage des staatlichen brasilianischen Rundfunks zu reparieren. Nachdem über Monate nur ein Notbetrieb mit geringer Sendeleistung möglich war, scheinen die Anlagen inzwischen wieder regulär in Betrieb zu sein.

Rádio Nacional da Amazônia
Werbegraphik für Rádio Nacional da Amazônia | © EBC

Das Amazonas-Programm läuft wieder nahezu regelmäßig auf beiden Frequenzen, 6180 und 11780 kHz.

Eine nächtliche Sendepause tritt um 4.05 Uhr MEZ (5.05 Uhr MESZ) ein. Wieder eingeschaltet werden die Sender dann in den hiesigen Mittagsstunden.

Stand vom 04.12.2018
 

Archivtext zu den Hintergründen:

Die betreffende, als Parque do Rodeador bezeichnete, von 1974 bis 1979 errichtete Sendestation steht 35 km nordwestlich der Innenstadt von Brasília.

Für die Kurzwelle wurden hier sechs Sender mit einer Leistung von jeweils 250 kW (Hersteller Brown, Boveri & Cie.; Schweiz) aufgebaut. Damit konnte sich Brasilien zuschreiben, die leistungsfähigste Sendeanlage in Lateinamerika zu betreiben.

Mit dieser Technik sendete der staatliche Rundfunk, der bis 2007 als Radiobrás firmierte, auch nach Europa. In den 80er Jahren bildete sich ein Programmblock heraus, der auf der nie veränderten Frequenz 15265 kHz lief und unter anderem eine 80 Minuten lange Sendung in deutscher Sprache enthielt.

Diese deutschen Sendungen wurden im April 1999 kommentarlos eingestellt. Anfang 2000 entfielen dann auch alle anderen Auslandssendungen von Radiobrás.

Ab Mitte der 80er Jahre wurden die Sender auch ausländischen Rundfunkgesellschaften zur Mitnutzung angeboten. Gebrauch davon machten für einige Jahre die Deutsche Welle, Schweizer Radio International, die BBC und Omroep Suriname; letzterer mit einer Sendung für Europa.

Am längsten Bestand hatten die Übertragungen des heutigen China Radio International. Sie verschwanden erst vor einigen Jahren. Maßgeblicher Grund dafür könnten zunehmende technische Probleme mit den alternden Sendern gewesen sein.

Damit verblieb als einzige Aufgabe die Versorgung des Amazonasbeckens. Eine spezielle Programmversion, Rádio Nacional da Amazônia, läuft rund um die Uhr auf 6180 und 11780 kHz, nach offiziellen Angaben mit jeweils 150 kW.

Darüber hinaus wurden mit einem der anderen, sonst nicht mehr genutzten Sender zeitweise die Sitzungen des Parlaments (Senado Federal) auf 5990 kHz übertragen. Diese Ausstrahlungen sind aber vor wenigen Jahren wieder entfallen.

Neben den Kurzwellensendern erhielt die Sendestation Parque do Rodeador auch Mittelwellentechnik. Nach letzten offiziellen Angaben wird sie nachts mit 230 kW auf 980 kHz betrieben.

2010 war in Brasilien die Rede von einer umfassenden Modernisierung der Sendestation. Angesichts der immer größeren technischen Mängel, unter denen die Ausstrahlungen leiden, ist daraus aber zumindest für die Kurzwelle offensichtlich nichts geworden.
 

Die Sendestation Parque do Rodeador mit den Antennen für das Amazonasbecken (links und rechts) und für Europa (hinten):

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Glenn Hauser