Brasilien

Freude bei der Empresa Brasil de Comunicação

Der staatliche Rundfunk von Brasilien und Anhänger des Kurzwellenrundfunks freuten sich im April so, als wenn nichts wäre, über eine Meldung zum Hörfunkprogramm für das Amazonasbecken: Die Ausschreibung der Lieferung eines neuen Kurzwellensenders.

EBC / Radiobrás
Kurzwellenstation der EBC: An verschiedenen Geräten, wie hier der Modulationsüberwachung, finden sich noch Inventarnummern der Vorgängerorganisation | © EBC

Dieses Rádio Nacional da Amazônia läuft fast ganztags (nächtliche Sendepause üblicherweise ab 5.05 Uhr MESZ / 4.05 Uhr MEZ) auf den Frequenzen 6180 und 11780 kHz. Die Sendeleistung soll jeweils 150 kW erreichen, wenn nicht gerade einer der inzwischen häufigen, mitunter Monate andauernden Ausfälle besteht.

2019 gab es ein Hin und Her um die Frage, ob die staatliche Rundfunkgesellschaft, Empresa Brasil de Comunicação, nun privatisiert werden soll oder doch nicht. In den letzten Monaten war davon nichts mehr zu hören. Als Organe für seine Propaganda nutzt Staatspräsident Jair Bolsonaro allerdings ohnehin lieber kommerzielle Veranstalter.

Aktuell würde man in Brasilien nicht unbedingt Grund zur Freude sehen. Durch die Coronavirus-Pandemie sind hier bereits 20.000 Todesopfer zu beklagen, bei inzwischen mehr als 360.000 bestätigten Infektionen.

Zumindest noch im April hat das die EBC aber nicht davon abgehalten, sich für ihr Amazonas-Programm zu feiern. Neben Interviews und Spielszenen aus den Studios zu sehen sind hier ab Minute 17 einige Impressionen aus der Sendestation, die einst auch eine Rolle im internationalen Rundfunk spielte.

Die Sendestation befindet sich 35 km nordwestlich der Innenstadt von Brasília, an einem unter der Bezeichnung Parque do Rodeador bekannten Standort. Sie war 1979 in Betrieb gegangen.

Brown, Boveri & Cie. (Schweiz) installierte hier sechs Kurzwellensender mit einer Leistung von jeweils 250 kW sowie einen 300 kW starken Mittelwellensender, der jetzt noch mit 230 kW auf 980 kHz betrieben wird. Damit konnte sich Brasilien zuschreiben, über die leistungsfähigste Sendeanlage in Lateinamerika zu verfügen.

Mit dieser Technik sendete die staatliche Rundfunkgesellschaft, die bis 2007 als Radiobrás firmierte, auch auf Deutsch. In der letzten Ausprägung geschah dies für täglich 80 Minuten innerhalb eines mehrsprachigen Programmblocks auf der nie veränderten Frequenz 15265 kHz.

Im April 1999 wurden die deutschen Sendungen kommentarlos eingestellt. Anfang 2000 entfielen dann auch alle anderen Auslandssendungen.

Ab Mitte der 80er Jahre stellte die Radiobrás ihre Kurzwellensender auch ausländischen Rundfunkgesellschaften zur Verfügung. Gebrauch davon machten für einige Jahre die Deutsche Welle, Schweizer Radio International, die BBC und Omroep Suriname, letzterer mit einer Sendung für Europa.

Am längsten Bestand hatten die Übertragungen des heutigen China Radio International. Sie verschwanden erst vor einigen Jahren. Das dürfte maßgeblich den immer größer werdenden Schwierigkeiten mit den alternden Sendern geschuldet gewesen sein.

Nach dem Ende des Auslandsdienstes wurde einer der brachliegenden Sender dafür genutzt, auf 5990 kHz die Sitzungen des Parlaments (Senado Federal) zu übertragen. Diese Ausstrahlungen sind vor einigen Jahren aber wieder entfallen.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 26.05.2020