Brasilien

Besuch beim Kurzwellendienst der EBC

Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten beschränkt sich die staatliche Empresa Brasil de Comunicação beim Kurzwellenhörfunk auf Inlandssendungen. Ein Besuchsbericht vermittelt dazu Eindrücke im Stand- und Bewegtbild sowie auch neue Informationen.

EBC / Radiobrás
Kurzwellenstation der EBC: An verschiedenen Geräten, wie hier der Modulationsüberwachung, finden sich noch Inventarnummern der Vorgängerorganisation | © EBC

Die Reportage geht insbesondere auf den Behelf ein, der für die Stromversorgung genutzt wurde, nachdem 2017 ein Blitzschlag die Umspannstation schwer beschädigt hatte.

Danach war der Sendebetrieb für längere Zeit unterbrochen, bis er mit zunächst auf jeweils 75 kW beschränkter Leistung wieder aufgenommen werden konnte. Wie sich nun herausstellt, lief er mindestens bis ins zweite Halbjahr 2019 mit einem eigens aufgebauten Notstromaggregat.

Die betreffende Sendestation befindet sich 35 km nordwestlich der Innenstadt von Brasília, an einem unter der Bezeichnung Parque do Rodeador bekannten Standort. Sie war 1979 in Betrieb gegangen.

Brown, Boveri & Cie. (Schweiz) installierte hier sechs Kurzwellensender mit einer Leistung von jeweils 250 kW sowie einen 300 kW starken Mittelwellensender. Damit konnte sich Brasilien zuschreiben, über die leistungsfähigste Sendeanlage in Lateinamerika zu verfügen.

Auf der Mittelwelle 980 kHz wurde der alte Röhrensender inzwischen durch einen Transistorsender abgelöst, der abends und nachts mit 230 kW läuft. Von 1999 bis 2018, als die Station von Trans World Radio auf Bonaire mit „nur“ 100 kW arbeitete, war das der stärkste Mittelwellensender der westlichen Hemisphäre.

Die Kurzwellensender wiederum dienten einst auch einem Auslandsdienst, zu dessen Angebot Sendungen auf Deutsch gehörten (in der letzten Ausprägung täglich 80 Minuten innerhalb eines mehrsprachigen Programmblocks auf 15265 kHz).

Mit dem Beginn des Jahres 2000 verschwanden die Auslandssendungen aus Brasília. Das Programm in deutscher Sprache war zuvor schon im April 1999 kommentarlos eingestellt worden.

2007 endete dann insgesamt die Existenz der staatlichen Rundfunkgesellschaft Radiobrás. An deren Stelle trat die heutige EBC. Wie hier noch zu sehen, nutzte sie bis vor einigen Jahren die Kurzwellensender auch dafür, auf 5990 kHz Sitzungen des Parlaments (Senado Federal) zu übertragen.

Rádio Nacional da Amazônia
Werbekarte für die Ausstrahlung auf Kurzwelle | © EBC

Inzwischen verbreitet die EBC auf Kurzwelle nur noch Rádio Nacional da Amazônia, ein Programm für das Amazonasbecken. Es läuft fast ganztags (nächtliche Sendepause üblicherweise ab 4.05 Uhr MEZ / 5.05 Uhr MESZ) auf zwei Frequenzen: 6180 und 11780 kHz.

Die Sendeleistung soll nach offiziellen Angaben jetzt jeweils 150 kW erreichen. Inzwischen sind Sendeausfälle aber an der Tagesordnung und ziehen sich teilweise über Monate hin.

Entsprechend enthusiastisch aufgenommen wurde im April 2020 die Angabe, es sei die Lieferung neuer Kurzwellensender mit 100 kW ausgeschrieben worden. Die EBC selbst feierte Rádio Nacional da Amazônia mit einem ausführlichen Fernsehbeitrag.

Für weiteren Enthusiasmus sorgte im Oktober die Meldung über einen experimentellen Kleinsender mit 2,5 kW, über den jetzt ein Digitalsignal auf 11880 kHz läuft.

Die so in Gang gekommene Kommunikation brachte auch eine Gelegenheit, den Chefingenieur der Sendestation einmal nach den Verzerrungen zu fragen, unter denen die Ausstrahlungen auf 6180 und 11780 kHz schon längere Zeit litten: Er wolle sich demnächst darum kümmern ...

2019 war noch von ganz anderen Dingen zu hören, nämlich einer angestrebten Privatisierung der EBC. Darum ist es nun seit mittlerweile einem Jahr wieder still geworden. So oder so bevorzugt Staatspräsident Bolsonaro für seine Propaganda ohnehin kommerzielle Sender.

Zu erwähnen bliebe noch das Angebot einer Mitnutzung der Kurzwellensender, das die damalige Radiobrás Mitte der 80er Jahre ausländischen Rundfunkgesellschaften unterbreitete. Gebrauch davon machten für einige Jahre die Deutsche Welle, Schweizer Radio International, die BBC sowie Omroep Suriname, letzterer mit einer Sendung für Europa.

Am längsten Bestand hatten die Übertragungen des heutigen China Radio International. Sie verschwanden erst vor einigen Jahren.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 29.11.2020