USA

Funkstille um Kurzwellenstation WMLK

Eigentlich sollte die 2017 abgebrannte Kurzwellenstation WMLK im US-Bundesstaat Pennsylvania seit Herbst 2018 mit neuer Technik in einem neuen Gebäude wieder auf Sendung sein. Daraus ist auch zum Beginn des Jahres 2020 nichts geworden.

WMLK
Sendeantenne von WMLK (Foto: Adam Elmquist, Creative Commons)

Einen Strich durch die Rechnung gemacht haben hier in erster Linie die Finanzinvestoren, in deren Besitz sich der Lieferant der neuen Sendetechnik befand. Das Unternehnen ist zerschlagen und in Einzelteilen verkauft worden, was den Geschäftsbetrieb zeitweise völlig zum Erliegen brachte.

Zuletzt zu diesem Thema geäußert haben sich die Betreiber von WMLK im Juli 2019. Seinerzeit hieß es, die Anfertigung des neuen Senders sei wieder aufgenommen worden.

Stand vom 14.01.2020


 

Archivbericht vom April 2017:

Bei der Kurzwellenstation WMLK im US-Bundesstaat Pennsylvania, die erst im März 2016 nach einer Unterbrechung von elf Jahren wieder auf Sendung gegangen war, kam es am 22. März 2017 zu einem Brand. Die Feuerwehr sprach von einem „elektrischen Feuer“, das bei laufendem Sender ausgebrochen sei.

Der entstandene Schaden wird auf „mindestens 5.000 Dollar“ am Gebäude und „möglicherweise mehrere zehntausend Dollar“ an den technischen Ausrüstungen beziffert. Die Ursache des Brandes blieb zunächst unklar.

Die Betreiber der Station wollten sich gegenüber lokalen Medien nicht äußern. In ihrem eigenen Facebook-Profil meldeten sie sich mit Notizen über Besichtigungen des Schadens durch Vertreter ihrer Versicherung.
 

Bei diesen Betreibern handelt es sich um die Assemblies of Yahweh, eine Religionsgemeinschaft, deren Lehren als eine Art Mischung aus Christentum und Judentum beschrieben werden. Einige Beobachter sprechen von einer Sekte.

Gegründet wurde diese Religionsgemeinschaft von einem Radioprediger, Jacob O. Meyer. Dies mündete in die Schaffung der eigenen Kurzwellenstation in der Ortslage Bethel, 50 km außerhalb von Harrisburg an der Fernstraße nach New York.

Aufgebaut wurden ein 50 kW starker, für den Kurzwellenbetrieb umgebauter Mittelwellensender sowie eine nach Europa strahlende Vorhangantenne. Mit dieser Technik ging WMLK 1985 auf Sendung.

Nach der Jahrtausendwende wurden die Assemblies of Yahweh nach eigener Aussage von einem „Freund in der US-Regierung“ auf einen Verkauf von Kurzwellentechnik aus der Schweiz aufmerksam gemacht. Sie stammte aus der Sendestation Schwarzenburg, die ihren Betrieb 1998 eingestellt hatte.

Diese Ausrüstungen waren zunächst an Adventist World Radio verkauft worden, das eine leistungsfähige Sendeanlage in Italien errichten wollte. Nachdem es im Jahre 2000 noch einen „ersten Spatenstich“ gab, ließ Adventist World Radio das Vorhaben zugunsten der Anmietung von Kapazitäten externer Betreiber (darunter auch die heutige Media Broadcast) fallen.

Bei einer Besichtigung der in Italien eingelagerten Technik aus Schwarzenburg fand einer der Sender das Gefallen der Betreiber von WMLK. Es handelt sich um ein recht modernes, in der Schweiz (Brown, Boveri & Cie.) hergestelltes Gerät.

Die Entscheidung, diesen Sender zu kaufen, scheint recht spontan gefallen zu sein. Die Aufgabe, einen solchen Sender mit 250 kW Nennleistung nach Jahren wieder in Betrieb zu nehmen, wurde dabei offensichtlich unterschätzt.

Zugleich häuften sich die Schwierigkeiten mit dem ursprünglichen Sender. 2005 kam der Betrieb von WMLK zunächst zum Erliegen.

Erst 2015 wurde die Inbetriebnahme des Senders aus Schwarzenburg ernsthaft angegangen. Im März 2016 konnte schließlich ein halbwegs regelmäßiger Programmbetrieb beginnen. Gesendet wurde seitdem am hiesigen Abend mit etwa 130 kW auf der Frequenz 9275 kHz.

Das ausgestrahlte Programm war von recht gespenstischer Art: Es bestand ausschließlich aus alten Aufzeichnungen von Jacob O. Meyer, der 2010 verstorben ist. An Sonnabenden blieb der Sender aus religiösen Motiven (Sabbat) grundsätzlich ausgeschaltet.

In der Vergangenheit sendete WMLK auch am hiesigen Morgen. Dieser Sendeblock in den dortigen Nachtstunden wurde nicht wiederbelebt. Auch aus Überlegungen, als alternative Frequenz 15150 kHz zu etablieren, ist nichts geworden.

 

Autor: Kai Ludwig