Frequenzwechsel

Somalia auf 7110 kHz

Für Diskussionen sorgen könnte ein Frequenzwechsel, den die letzte noch auf Kurzwelle aktive Rundfunkstation in Somalia vorgenommen hat: Warsan Radio in Baidoa (Baydhabo) sendet statt auf 7750 jetzt auf 7110 kHz.

Somalia
Quelle: Sammlung University of Texas

2009 gab es international vereinbarte Änderungen bei der Frequenznutzung auf Kurzwelle. Das 41-Meterband des Rundfunks liegt statt von 7100 bis 7300 kHz jetzt von 7200 bis 7450 kHz.

Der Bereich von 7100 bis 7200 kHz wurde neu dem Amateurfunk zugeteilt. In der ständigen Kritik des Deutschen Amateur-Radio-Clubs stehen seitdem die trotzdem weiter in diesem Frequenzbereich abgestrahlten Rundfunksendungen.

Notorisch ist dabei Somalia, konkret das frühere Britisch-Somaliland. In dessen Hauptstadt Hargeisa hatte China 2012 einen neuen, 100 kW starken Kurzwellensender geliefert. Er trat nach langer Zeit die Nachfolge der alten, im Bürgerkrieg 1988 gezielt zerstörten Sendeanlagen an.

Trotzdem wurde der neue Sender wieder auf der alten Frequenz 7120 kHz in Betrieb genommen, pikanterweise unter Mitwirkung eines in Deutschland lebenden Funkamateurs. Inzwischen scheint sich dieses Thema erledigt zu haben: Seit Herbst 2018 konnten keine weiteren Ausstrahlungen mehr beobachtet werden.

In Baidoa wiederum begann die bis jetzt auf 7750 kHz gefahrene Ausstrahlung des dortigen Warsan Radio im Jahre 2016. Zum Einsatz kommt keine Rundfunktechnik, sondern lediglich ein Seefunkgerät.

In Mogadischu war diese Methode in den 90er Jahren bei den Rundfunksendungen der verschiedenen Bürgerkriegsparteien allgegenwärtig. Auch hier waren die professionellen Sendeanlagen (außer für Mittelwelle mit bis zu 100 kW starken Kurzwellensendern für die Frequenzen 6095 und 7198 kHz) mit dem alten somalischen Staat untergegangen.

Was man in Mogadischu von solchen Dingen wie Pressefreiheit hält, bekam Warsan Radio bereits 2006/2007 zu spüren: Der Sendebetrieb wurde – ebenso wie der mehrerer Sender in der Hauptstadt – wiederholt unterbunden, nachdem die Station sich eine ungeschminkte Berichterstattung über die Lage im Land geleistet hatte.

Keine Berichte trafen darüber ein, wie es Warsan Radio von 2009 bis 2012 erging. In diesen Jahren stand Baidoa unter Kontrolle der islamistischen Al-Shabaab.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 12.06.2020