RNZ, TVNZ

Völlige Rundfunk-Umstrukturierung in Neuseeland

Die Pläne für eine komplette Umstrukturierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Neuseeland nehmen konkrete Formen an. Einzelheiten will die Politik nicht selbst entwickeln, sondern sich von einer Gesellschaft aus dem Bereich der Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung zuarbeiten lassen.

Radio New Zealand
Eingang des Funkhauses in Wellington, Zustand 2007 | © luvjnx, CC

Wie der zuständige Minister am 7. Februar 2020 sagte, habe die Arbeit an einer Untersuchung der Erfolgsaussichten „eines neuen öffentlichen Medienhauses als unabhängigem Multiplattform- und Multimediabetrieb“ begonnen. Damit beauftragt ist Pricewaterhouse Coopers. Die Lieferung der Ausarbeitung wird Mitte des Jahres erwartet.

Er wolle, so der Minister, außerdem nach Möglichkeiten dafür suchen, „einige Probleme um Concert FM abzumildern“. Erst zwei Tage zuvor hatte Radio New Zealand (RNZ) das Vorhaben offengelegt, dieses UKW-Programm mit klassischer Musik zu einem unmoderierten, terrestrisch nur noch auf Mittelwelle ausgestrahlten Kanal einzudampfen.

Der Plan, RNZ und TVNZ durch eine Neugründung zu ersetzen, ist seit dem vergangenen November bekannt. Zu seinen Hintergründen gehört auch die Lage bei den kommerziellen Rundfunkveranstaltern, die sich mit immer weiter wegbrechenden Werbeeinnahmen konfrontiert sehen.

Von dort wird TVNZ dafür kritisiert, seine Programme mehr und mehr als Werbeumfeld zu gestalten. Die Kehrseite dieser Medaille sind solche politischen Entscheidungen wie die Einstellung der staatlichen Finanzierung des Informationsprogramms von TVNZ, die unweigerlich in dessen 2012 vollzogene Schließung mündete.

Stand vom 07.02.2020


Sender Rangitaiki
Streetview-Blick in die Zufahrt zur Sendeanlage Rangitaiki

Im Gegensatz zu Australien, wo Bestrebungen für eine Wiederbelebung des dort Anfang 2017 eingestellten Dienstes keine Chancen mehr haben, gibt es in Neuseeland nach wie vor internationale Hörfunksendungen auf Kurzwelle.

Diese Sendungen kamen ursprünglich ab 1948 aus der Mittelwellenstation bei Wellington. Schon die dortigen Ausstrahlungen mit nur 7,5 kW Leistung waren teilweise bis nach Europa zu empfangen.

Eine dramatische Verbesserung der Hörbarkeit brachte 1990 eine neue Kurzwellenanlage. Sie fand ihren Platz im Zentrum der neuseeländischen Nordinsel, 300 km entfernt von Wellington bei der Streusiedlung Rangitaiki.

Aufgebaut wurden dort Vorhangantennen mit den Abstrahlrichtungen Nordosten (jetzt fast durchgängig genutzt) und Nordwesten. Das Sendegerät hat eine Leistung von 100 kW. 2005 kam noch ein zweiter Sender hinzu, um die Sendestation auch für digitale Ausstrahlungen nutzen zu können.

Auf einen gleichzeitigen Einsatz beider Sender wird seit 2016 aus Kostengründen verzichtet. Darüber hinaus bleibt die Sendeleistung jetzt meist auf 50 kW beschränkt.

Nach kurzfristig Ende Januar vorgenommenen Änderungen kommen für den Rest der noch bis zum 29. März 2020 laufenden Wintersaison die folgenden Frequenzen zum Einsatz (Zeitangaben in MEZ):

06.59-08.58 Uhr: 11725 kHz
08.59-10.58 Uhr: 9765 kHz
10.59-17.50 Uhr: 6115 kHz
17.51-19.58 Uhr: 9700 kHz
19.59-21.58 Uhr: 11725 kHz
21.59-23.58 Uhr: 13840 kHz
23.59-06.58 Uhr: 15720 kHz

An Werktagen, aus hiesiger Sicht wegen der Zeitverschiebung von Sonntag bis Freitag, wird die Ausstrahlung von 17.51 bis 20.58 Uhr unterbrochen. Dann laufen über den Sender nacheinander auf 5975, 9780 und 11690 kHz digitale Überspielungen zu Partnern im Pazifikraum.

Dabei ist fraglich, ob diese qualitätsgeminderten Übertragungen dort tatsächlich genutzt werden. Selbst in einer einschlägigen Präsentation fällt unweigerlich die beim Empfänger vorhandene Satellitentechnik ins Auge.

Bei Unwetterlagen entfallen diese Überspielungen. Dann wird der Sender auch werktags rund um die Uhr für die reguläre Analogverbreitung eingesetzt.

Nach der Abschaltung von Radio Australia hatte RNZ dazu ausdrücklich versprochen, seine Hörer und Partner im Pazifikraum nicht im Stich lassen zu wollen.

 

Autor: Kai Ludwig