Radio New Zealand, TVNZ

Völlige Rundfunk-Umstrukturierung in Neuseeland?

In den Diskussionen um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zeichnet sich in Neuseeland zunehmend eine drastische Lösung ab: Die völlige Auflösung der bestehenden Häuser, Radio New Zealand und TVNZ.

Radio New Zealand
Eingang des Funkhauses in Wellington, Zustand 2007 | © luvjnx, CC

Dieses Konzept soll von einer Arbeitsgruppe, der auch Vertreter beider Sender angehören, im Dezember der Regierung vorgelegt werden. Nach Ansicht dieser Arbeitsgruppe kann der bisherige Zustand nicht weiter aufrechterhalten werden.

Deshalb werde vorgeschlagen, Radio New Zealand und TVNZ aufzulösen. An deren Stelle solle eine Neugründung mit „klar definiertem Programmauftrag und den Kernfunktionen eines weltweit wahrgenommenen öffentlich-rechtlichen Medienhauses“ treten. Von dessen Angeboten könnten „einige“ werbefrei sein.

Der Vorschlag steht vor dem Hintergrund der Lage bei den kommerziellen Rundfunkveranstaltern, die sich mit immer weiter wegbrechenden Werbeeinnahmen konfrontiert sehen. Von dort wird TVNZ dafür kritisiert, seine Programme zunehmend als Werbeumfeld zu gestalten.

Die Diskussion erinnert daran, wie 2011 die staatliche Finanzierung des nichtkommerziell betriebenen Informationsprogramms von TVNZ eingestellt wurde, was unweigerlich in dessen Schließung mündete.

Stand vom 16.11.2019

Sender Rangitaiki
Streetview-Blick in die Zufahrt zur Sendeanlage Rangitaiki

Im Gegensatz zu Australien, wo die Bestrebungen für eine Wiederbelebung des dort Anfang 2017 eingestellten Dienstes wohl keine Chancen mehr haben, gibt es in Neuseeland nach wie vor internationale Hörfunksendungen auf Kurzwelle.

Diese Sendungen kamen ursprünglich ab 1948 aus der Mittelwellenstation bei Wellington. Schon die dortigen Ausstrahlungen mit nur 7,5 kW Leistung waren teilweise bis nach Europa zu empfangen.

Eine dramatische Verbesserung der Hörbarkeit brachte 1990 eine neue Kurzwellenanlage. Sie fand ihren Platz im Zentrum der neuseeländischen Nordinsel, 300 km entfernt von Wellington bei der Streusiedlung Rangitaiki.

Aufgebaut wurden dort Vorhangantennen mit den Abstrahlrichtungen Nordosten (jetzt fast durchgängig genutzt) und Nordwesten. Das Sendegerät hat eine Leistung von 100 kW. 2005 kam noch ein zweiter Sender hinzu, um die Sendestation auch für digitale Ausstrahlungen nutzen zu können.

Auf einen gleichzeitigen Einsatz beider Sender wird seit 2016 aus Kostengründen verzichtet. Darüber hinaus bleibt die Sendeleistung jetzt meist auf 50 kW beschränkt. Im Winterhalbjahr 2019/2020 läuft dieser Betrieb wie folgt (Zeiten in MEZ):

06.59-08.58 Uhr: 11725 kHz
08.59-11.58 Uhr: 9765 kHz
11.59-13.58 Uhr: 9700 kHz
13.59-20.58 Uhr: 6115 kHz
20.59-21.58 Uhr: 11725 kHz
21.59-23.58 Uhr: 13840 kHz
23.59-06.58 Uhr: 15720 kHz

Auch noch in Europa zu hören sind im Winter vor allem die Übertragungen im 31-Meterband am Vormittag und Mittag.

An Werktagen, aus hiesiger Sicht wegen der Zeitverschiebung von Sonntag bis Freitag, wird die Ausstrahlung von 17.51 bis 20.58 Uhr unterbrochen. Dann laufen über den Sender nacheinander auf 5975, 9780 und 11690 kHz digitale Überspielungen zu Partnern im Pazifikraum.

Dabei ist fraglich, ob diese qualitätsgeminderten Übertragungen dort tatsächlich genutzt werden. Selbst in einer einschlägigen Präsentation fällt unweigerlich die beim Empfänger vorhandene Satellitentechnik ins Auge.

Bei Unwetterlagen entfallen diese Überspielungen. Dann wird der Sender auch werktags rund um die Uhr für die reguläre Analogverbreitung eingesetzt.

Nach der Abschaltung von Radio Australia hatte Radio New Zealand dazu ausdrücklich versprochen, seine Hörer und Partner im Pazifikraum nicht im Stich lassen zu wollen.

 

Autor: Kai Ludwig