Mongolei

Tschojbalsan 1431 kHz wohl abgeschaltet

Die für Nordkorea bestimmten Ausstrahlungen über den Mittelwellensender Tschojbalsan wurden wohl wieder eingestellt. In letzter Zeit konnte das Sendesignal auf 1431 kHz nicht mehr beobachtet werden.

Sender Tschojbalsan
MW-Sender 1000 kW auf der Sendestation Tschojbalsan (PR-Foto des Betreibers)

Die jetzt offenbar wieder beendete Aktivitätsperiode begann im Mai 2016 mit Strahlungsversuchen. Übertragen wurde dabei eine Ansageschleife des damaligen britischen Geschäftsbereichs Babcock Media, der für die Sendeversuche sogar eigens Mitarbeiter nach Tschojbalsan anreisen ließ.

Erster Nutzer der neu angebotenen Sendemöglichkeit war ab Oktober 2016 zunächst das japanische Shiokaze-Projekt, das die nach Nordkorea entführten Japaner erreichen will. Dessen Übertragungen entfielen jedoch nach einem halben Jahr wieder.

Erneut eingeschaltet wurde der Sender am 25. September 2017 mit dem Programm, auf das bereits die ersten Strahlungsversuche abzielten: Der an diesem Tag neu gestartete Koreadienst des BBC World Service. Im Dezember kam dann als zweiter Kunde noch Adventist World Radio hinzu, ebenfalls mit seinen koreanischen Sendungen.

Der Grund des nunmehrigen Rückzugs von BBC und AWR dürfte derselbe sein wie zuvor schon beim Shiokaze-Projekt. Wie dessen Betreiber seinerzeit wissen ließen, sei die Sendezeit in Tschojbalsan achtmal so teuer wie auf den sonst von ihnen genutzten Kurzwellensendern bei Tokio.

Auf Kurzwelle hatte das koreanische Programm der BBC ohnehin schon dreimal so viel Sendezeit wie auf der teuren mongolischen Mittelwelle. Derzeit läuft die Ausstrahlung von 16.00 bis 19.30 Uhr MEZ aus Singapur auf 5845, 7355 und 7405 kHz sowie aus Tadschikistan auf 5895 kHz.

Auch Adventist World Radio sendet über die eigene Kurzwellenstation auf der Pazifikinsel Guam weiterhin nach Korea: 13.00-14.00 Uhr auf 9460 kHz, 14.00-15.00 Uhr auf 11855 kHz (zu dieser Zeit auch über die früheren DW-Sender in Sri Lanka auf 11825 kHz), 14.45-16.15 Uhr auf 7510 kHz, 16.30-17.30 Uhr auf 9765 kHz und 22.00-23.00 Uhr auf 5965 kHz.
 

Die jetzt wieder abgeschaltete Anlage mit einem 1000 kW starken Sender und einer Antenne aus acht Masten (jener Bauart, wie sie einst auch im Gebiet Kaliningrad für Ausstrahlungen nach Mitteleuropa genutzt wurde) war auf der Sendestation Tschojbalsan erst 1990 fertiggestellt worden.

Sie war eigentlich dafür bestimmt, das chinesische Programm von Radio Moskau zu übertragen. Im Gegensatz zur Mittelwellenstation Wachenbrunn bei Themar, wo 1989 ein Sender gleicher Bauart in Betrieb gegangen war, kam es in Tschojbalsan jedoch zu keinen Ausstrahlungen von Radio Moskau mehr.

Sendungen für China auf Mittelwelle werden von der mongolischen Seite jetzt generell nicht zugelassen, um keine Verwicklungen mit dem großen Nachbarstaat zu riskieren. Daran scheiterte ein erster Versuch, die BBC als Sendekunden zu gewinnen.

Erst 2008 kam es zu Ausstrahlungen von Radio Free Asia, noch auf der ursprünglich vorgesehenen Frequenz 1350 kHz. 2010 gab RFA den Sender jedoch wieder auf. Wie es hieß, sei man mit den Resultaten, die im fast 1500 Kilometer entfernten Korea erzielt werden konnten, unzufrieden geblieben.

Eine wesentlich besser geeignete Alternative fand sich seinerzeit mit dem Großsender Ussurijsk bei Wladiwostok, bis 2014 die russisch-amerikanische Zusammenarbeit auch auf diesem Gebiet gefror. Inzwischen gelang es RFA, Sendezeit auf einem Mittelwellensender bei Seoul anzumieten.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 14.11.2018