Von zwei Betreibern

Kurzwelle aus Kuwait

In Kuwait sind gleich zwei Betreiber weiterhin mit jeweils eigenen Sendeanlagen für den Kurzwellenhörfunk aktiv: Das dortige Informationsministerium sowie die U.S. Agency for Global Media.

Sendeanlage von Radio Kuwait
Die AM-Station von Radio Kuwait als Zufallstreffer im fernen Hintergrund eines anderweitigen Fotos | © Ausschnitt Google Maps

Seit Ende der 60er Jahre betreibt Radio Kuwait eine leistungsfähige AM-Sendeanlage. Ihren Platz fand sie 15 km außerhalb der geschlossenen Bebauung von Kuwait Stadt, an der nach Südwesten führenden Sulaibiya-Straße.

Nach der irakischen Besetzung von Kuwait griff ab Herbst 1990 Radio Bagdad auf die Sendeanlage zu. Auf Kurzwelle übertragen wurden zwar nicht die regulären Fremdsprachensendungen (seinerzeit auch noch auf Deutsch), jedoch arabische Sendungen und ein englisches Sonderprogramm für Angehörige der US-Streitkräfte („Voice of Peace“).

Diese Sendungen machten im Golfkrieg 1991 auch die Sendestation zum Angriffsziel. Resultat war die Zerstörung der technischen Ausrüstungen, die erst wenige Jahre zuvor ausgetauscht worden waren. Somit konnte Brown, Boveri & Cie. (Schweiz) 1992 gleich noch einmal zwei und 1995 weitere drei Kurzwellensender nach Kuwait liefern.

2015 verstummten diese Sender einer nach dem anderen. Nach anderthalb Jahren, als schon niemand mehr mit nochmaligen Ausstrahlungen rechnete, erhielt eine Nachfolgefirma des ursprünglichen Lieferanten den Auftrag für die Reparatur der Ausrüstungen. 2017 wurde der Sendebetrieb wieder aufgenommen.

Auch nach der Generalreparatur sind technische Probleme weiterhin an der Tagesordnung. So liegen bei mindestens einem der Sender die erzeugten Trägersignale 200 Hertz und mehr unter der Sollfrequenz.

Ausgestrahlt werden neben dem arabischen Haupt- und Koranprogramm auch die primär für Hörer in Kuwait selbst bestimmten Fremdsprachensendungen. Dabei scheint die Kurzwelle tatsächlich der einzige Weg für einen Empfang im Ausland zu sein; unter den Livestreams ist das einschlägige Programm (93,3 MHz) nicht aufzufinden.

Die Zielgruppe dieses Programms soll in den kommenden Monaten um 40 Prozent schrumpfen. Die angestrebte Massenausweisung zielt insbesondere auf 800.000 Inder. In größerer Zahl betroffen wären auch Arbeitskräfte aus Ägypten, Pakistan und den Philippinen.

Grund dafür ist die Rolle der Gastarbeiter als Sündenbock für eine Entwicklung, die am 6. Juli einen traurigen Meilenstein erreichte: Das kleine Land mit seinen 4,1 Millionen Einwohnern verzeichnet nun mehr als 50.000 Coronavirusfälle.


Im Sommerhalbjahr 2020 sollen die Kurzwellensender von Radio Kuwait wie folgt laufen (Zeiten in in MESZ):

04.00-08.30 Uhr: 5960 kHz; Hauptprogramm
07.00-10.00 Uhr: 11970 kHz; Digitalsignal
07.00-10.00 Uhr: 15530 kHz; Englisch
07.00-11.00 Uhr: 15515 kHz; Hauptprogramm
10.00-12.00 Uhr: 7250 kHz; Farsi
11.45-15.30 Uhr: 15110 kHz; Digitalsignal
12.00-14.00 Uhr: 17760 kHz; Filipino
12.55-15.30 Uhr: 9750 kHz; Hauptprogramm
15.55-18.00 Uhr: 11630 kHz; Koranprogramm
18.00-20.00 Uhr: 15540 kHz; Urdu
18.00-23.00 Uhr: 6050 kHz; Hauptprogramm
19.00-22.00 Uhr: 13650 kHz; Digitalsignal
20.00-23.00 Uhr: 15540 kHz; Digitalsignal
22.00-02.00 Uhr: 17550 kHz; Hauptprogramm

Von den verschiedenen Mittelwellen erwähnenswert ist die 600 kW starke, mit dem Hauptprogramm bespielte Frequenz 540 kHz. Sie ist nachts (während der Sendepause des ungarischen Senders Solt) mitunter auch in Europa zu hören.

Kuwait, Sendestation der USAGM
Die Sendestation der USA in Kuwait | © USAGM

Der andere, aus Kuwait mit Kurzwellen-Hörfunksendern aktive Betreiber ist die U.S. Agency for Global Media. Deren Vorgänger begannen 1993 mit dem Aufbau einer Sendestation an der in den Irak führenden Straße, die 1991 nach der Bombardierung eines sich zurückziehenden Konvois des irakischen Militärs als „Autobahn des Todes“ bekannt wurde.

Den Anfang machten Sendungen auf Mittelwelle. Momentan aktiv sind hier zwei Sender auf 1548 und 1593 kHz mit unterschiedlichen Programmen in arabischer Sprache. Auf 1593 kHz handelt es sich um jenes Gerät, das bis 2001 in Oberlaindern bei Holzkirchen im Einsatz war (über viele Jahre auf 720, zuletzt dann zufälligerweise auch schon hier auf 1593 kHz).

Erst 2003 wurde damit begonnen, auch Kurzwellentechnik aufzubauen. Dabei handelt es sich ausnahmslos um Sender aus anderen, inzwischen geschlossenen Stationen, darunter nun auch die Kurzwellensender aus der Anlage von Radio Free Europe / Radio Liberty in Oberlaindern, die Ende 2003 ganz geschlossen wurde.

Ähnliches geschah mit Geräten aus dem Stützpunkt der Voice of America in Ismaning, der bis 2005 auf Mittelwelle (1197 kHz) und danach noch bis 2007 mit Satellitenuplinks aktiv war. Die Satellitentechnik aus Ismaning wurde seinerzeit ebenfalls nach Kuwait umgesetzt.

Bei den Kurzwellensendungen aus Kuwait ging es zunächst nur um Ausstrahlungen nach Afghanistan. Später kam noch eine drehbare Antenne hinzu, um auch bei Sendungen in andere Zielgebiete von den hier sehr niedrigen Betriebskosten profitieren zu können.


Im Sommerhalbjahr 2020 kommen die Kurzwellensender der USAGM in Kuwait wie folgt zum Einsatz:

(13.00)-08.30 Uhr: 5860 kHz; RFE/RL Radio Farda
00.00-01.00 Uhr: 7505, 9380 und diverse; RFA Tibetisch
01.00-02.00 Uhr: 5965 kHz; RFA Tibetisch
01.00-02.00 Uhr: 9535, 9720 kHz; RFA Tibetisch
02.00-03.00 Uhr: 9855 kHz; VOA Tibetisch
02.00-03.00 Uhr: 9940 kHz; RFA Laotisch
03.00-04.00 Uhr: 9510 kHz; RFA Tibetisch
03.00-04.00 Uhr: 9780, 11640, 11790 kHz; RFA Uigurisch
03.00-05.00 Uhr: 11705 kHz; RFA Tibetisch
04.00-05.00 Uhr: 11820/11895/11920 kHz; RFA Tibetisch
05.00-06.00 Uhr: 9840 kHz; VOA Deewa Radio
05.00-06.00 Uhr: 11985 kHz; RFA Chinesisch
05.00-06.00 Uhr: 15140 kHz; VOA Tibetisch
05.30-06.00 Uhr: 13680 kHz; VOA Somali
06.00-07.00 Uhr: 13750 kHz; RFA Chinesisch
06.00-15.00 Uhr: 12130 kHz; RFE/RL Radio Mashaal
Mo-Fr 06.30-07.00 Uhr: 11995 kHz; VOA Kinyar./Kirundi
06.30-16.30 Uhr: 15090 kHz; RFE/RL Radio Azadi
07.00-08.00 Uhr: 15140 kHz; VOA Tibetisch
07.00-09.00 Uhr: 17690 kHz; RFA Chinesisch
07.00-14.00 Uhr: 15755 kHz; RFE/RL Radio Mashaal
08.00-09.00 Uhr: 17635/17750 kHz; RFA Tibetisch
08.30-13.00 Uhr: 9370 kHz; RFE/RL Radio Farda
09.00-12.00 Uhr: 15360 kHz; RFE/RL Radio Mashaal
12.00-13.00 Uhr: 13800 kHz; RFA Tibetisch
12.30-13.00 Uhr: 11760 kHz; VOA Somali
13.00-16.00 Uhr: 11910 kHz; RFE/RL Radio Farda
13.00-(08.30) Uhr: 5860 kHz; RFE/RL Radio Farda
14.00-16.00 Uhr: 11570 kHz; RFA Tibetisch
15.00-18.00 Uhr: 13820 kHz; VOA Deewa Radio
16.00-16.30 Uhr: 17880 kHz; RFE/RL Radio Azadi
16.00-17.00 Uhr: 9900 kHz; VOA Tibetisch
16.00-17.00 Uhr: 11790 kHz; RFE/RL Usbekisch
16.30-19.30 Uhr: 11575 kHz; VOA Radio Ashna
17.00-18.00 Uhr: 9530 kHz; RFE/RL Turkmenisch
17.00-18.00 Uhr: 9705 kHz; RFA Tibetisch
17.00-18.00 Uhr: 9940 kHz; RFA Chinesisch
18.00-19.00 Uhr: 7475 kHz; RFE/RL Tadschikisch
18.00-19.00 Uhr: 9480 kHz; RFA Uigurisch
18.00-19.00 Uhr: 13570 kHz; RFA Chinesisch
19.00-20.00 Uhr: 15620 kHz; VOA Somali
19.00-23.00 Uhr: 9360 kHz; RFA Chinesisch
20.00-21.00 Uhr: 11745 kHz; RFA Chinesisch
20.00-21.00 Uhr: 12070 kHz; VOA Amharisch
21.00-22.30 Uhr: 9490 kHz; VOA Französisch
Mo-Sa 22.30-23.00 Uhr: 12070 kHz; VOA Haussa
23.00-24.00 Uhr: 7435, 9685 kHz; RFA Chinesisch

Wie zu erkennen ist, verwenden die Auslandssender der USA für einige Hörfunkprogramme spezielle Marken. Bei Radio Farda handelt es sich um Sendungen in den Iran, Radio Azadi ist ein Programm für Afghanistan.

Radio Mashaal und Deewa Radio wiederum sind Programme für die früheren pakistanischen „Stammesgebiete unter Bundesverwaltung“. Deren parallele Existenz ist ein typisches Beispiel für die Doppelstrukturen im Auslandsrundfunk der USA, die auch intern seit langer Zeit vergeblich beklagt werden.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 07.07.2020