In eingeschränktem Umfang

Radio Kuwait auf Kurzwelle

Zu den Rundfunksendern, die bis heute auf Kurzwelle aktiv sind, gehört auch Radio Kuwait. In den letzten Monaten ist der Umfang der Ausstrahlungen allerdings geschrumpft. Auf einer zweiten Kurzwellenstation in Kuwait ist hingegen sogar mit dem Gegenteil zu rechnen.

Sendeanlage von Radio Kuwait
Die AM-Station von Radio Kuwait als Zufallstreffer im fernen Hintergrund eines anderweitigen Fotos | © Ausschnitt Google Maps

Im Sommer 2021 sind bei Radio Kuwait noch folgende Sendungen übrig:

05.00-08.30 Uhr: 5960 kHz
07.00-10.00 Uhr: 15530 kHz; Englisch
07.00-11.00 Uhr: 15515 kHz
10.00-12.00 Uhr: 7250 kHz; Farsi
11.45-15.25 Uhr: 15110 kHz; Digitalsignal
12.00-14.00 Uhr: 17760 kHz; Philippinisch
13.00-15.25 Uhr: 9750 kHz
16.00-18.00 Uhr: 11630 kHz; Koran-Programm
18.00-20.00 Uhr: 15540 kHz
22.00-02.00 Uhr: 17550 kHz

Wenn nicht anders vermerkt, läuft jeweils das Hauptprogramm. Erwähnenswert ist auch dessen 600 kW starke Mittelwelle 540 kHz: Sie ist nachts, während der Sendepause des ungarischen Senders Solt, mitunter ebenfalls in Europa zu hören.

Auch die Fremdsprachensendungen werden primär für eine UKW-Verbreitung im Land selbst produziert. Die Wahl der angebotenen Sprachen reflektiert die hauptsächliche Herkunft der ausländischen Arbeitskräfte, die in Kuwait tätig sind.

Dabei scheint die Kurzwelle tatsächlich bis heute der einzige Weg für einen Empfang im Ausland zu sein. Auch als die Onlinepräsenz www.media.gov.kw noch funktionierte, war das Fremdsprachenprogramm bei den dort geschalteten Livestreams nicht enthalten.

Die leistungsfähige AM-Sendeanlage ihrerseits besteht seit Ende der 60er Jahre. Ihren Platz fand sie 15 km außerhalb der geschlossenen Bebauung von Kuwait Stadt, an der nach Südwesten führenden Sulaibiya-Straße.

Nach der irakischen Besetzung von Kuwait griff ab Herbst 1990 Radio Bagdad auf die Sendeanlage zu. Auf Kurzwelle übertragen wurden zwar nicht die regulären Fremdsprachensendungen (seinerzeit auch noch auf Deutsch), jedoch arabische Sendungen und ein englisches Sonderprogramm für Angehörige der US-Streitkräfte („Voice of Peace“).

Diese Sendungen machten im Golfkrieg 1991 auch die Sendestation zum Angriffsziel. Resultat war die Zerstörung der technischen Ausrüstungen, die erst wenige Jahre zuvor ausgetauscht worden waren. Somit konnte Brown, Boveri & Cie. (Schweiz) 1992 gleich noch einmal zwei und 1995 weitere drei Kurzwellensender nach Kuwait liefern.

2015 verstummten diese Sender einer nach dem anderen. Nach anderthalb Jahren, als schon niemand mehr mit nochmaligen Ausstrahlungen rechnete, erhielt eine Nachfolgefirma des ursprünglichen Lieferanten den Auftrag für die Reparatur der Ausrüstungen. 2017 wurde der Sendebetrieb wieder aufgenommen.

Auch nach der Generalreparatur sind technische Probleme weiterhin an der Tagesordnung. So liegen bei mindestens einem der Sender die erzeugten Trägersignale 200 Hertz und mehr unter der Sollfrequenz.

Kuwait, Sendestation der USAGM
Die Sendestation der USA in Kuwait | © USAGM

Unabhängig von Radio Kuwait – vor Jahren aufgekommene Bestrebungen, für den Bedarfsfall gegenseitige Ersatzschaltungen vorzubereiten, scheinen nicht weiter verfolgt worden zu sein – ist im Land noch eine weitere leistungsstarke AM-Sendeanlage in Betrieb: Die der U.S. Agency for Global Media.

In den seinerzeitigen Organisationsstrukturen begann 1993 der Aufbau einer Sendestation an der in den Irak führenden Straße, die 1991 nach der Bombardierung eines sich zurückziehenden Konvois des irakischen Militärs als „Autobahn des Todes“ bekannt wurde.

Den Anfang machten Ausstrahlungen auf Mittelwelle. Davon ist, nachdem die US-Auslandssender die Nutzung der Mittelwelle für den Iran ganz beendet und für die arabische Welt stark reduziert haben, inzwischen nur noch eine Frequenz übrig: 1548 kHz, bespielt rund um die Uhr mit Radio Sawa.

Erst 2003 wurde damit begonnen, auch Kurzwellentechnik aufzubauen. Sie stammt ausnahmslos aus anderen, inzwischen geschlossenen Stationen.

In Kuwait stehen heute damit auch die vier Kurzwellensender aus der zum Jahresende 2003 geschlossenen Sendeanlage in Oberlaindern bei Holzkirchen. Deren Mittelwellensender kam ebenfalls mit hierher und blieb an seinem neuen Einsatzort bis 2020 in Betrieb.

Ähnliches geschah mit Geräten aus dem Stützpunkt der Voice of America in Ismaning, der bis 2005 auf Mittelwelle (1197 kHz) und danach noch bis 2007 mit Satellitenuplinks aktiv war. Die Satellitentechnik aus Ismaning wurde seinerzeit ebenfalls nach Kuwait umgesetzt.

Bei den Kurzwellensendungen aus Kuwait ging es zunächst nur um Ausstrahlungen nach Afghanistan. Später kam noch eine drehbare Antenne hinzu, um auch bei Sendungen in andere Zielgebiete von den hier sehr niedrigen Betriebskosten profitieren zu können.

Wegen der in Kuwait sehr günstigen Strompreise läuft der Ausbau der Kurzwellentechnik auch jetzt noch. Weitere Antennen sollen es möglich machen, künftig auch Sendungen nach Afrika von anderen Standorten verstärkt hierher zu verlagern.

Im Sommer 2021 sieht der Sendeplan so aus:

Voice of America
03.00-04.00 Uhr: 9855 kHz; Tibetisch
05.00-06.00 Uhr: 9840 kHz; Deewa
05.00-07.00 Uhr: 15140 kHz; Tibetisch
05.30-06.00 Uhr: 13680 kHz; Somali
Mo-Fr 06.30-07.00 Uhr: 11995 kHz; Kinyarwanda/Kirundi
15.00-18.00 Uhr: 13820 kHz; Deewa
16.00-17.00 Uhr: 9920 kHz; Tibetisch
16.30-19.30 Uhr: 11575 kHz; Paschtunisch/Dari
19.00-20.00 Uhr: 15620 kHz; Somali
20.00-21.00 Uhr: 12070 kHz; Amharisch
Mo-Fr 21.00-21.30 Uhr: 12070 kHz; Tigrinisch
21.30-22.30 Uhr: 9490 kHz; Französisch
22.30-23.00 Uhr: 12070 kHz; Haussa
Radio Free Europe / Radio Liberty
rund um die Uhr: 5860 kHz; Farsi
06.00-15.00 Uhr: 12130 kHz Mashaal
06.30-16.30 Uhr: 15090 kHz; Dari/Paschtunisch
07.00-12.00 Uhr: 15750 kHz; Mashaal
08.30-13.00 Uhr: 9370 kHz; Farsi
09.00-12.00 Uhr: 15365 kHz; Mashaal
12.00-14.00 Uhr: 15755 kHz; Mashaal
13.00-16.00 Uhr: 7435 kHz; Farsi
16.00-17.00 Uhr: 11790 kHz; Usbekisch
17.00-18.00 Uhr: 9525 kHz; Turkmenisch
18.00-19.00 Uhr: 7475 kHz; Tadschikisch
Radio Free Asia
03.00-04.00 Uhr: 9510 kHz; Tibetisch
03.00-04.00 Uhr: 9780, 11640, 11790 kHz; Uigurisch
03.00-05.00 Uhr: 11705 kHz; Tibetisch
04.00-05.00 Uhr: 9370 kHz; Tibetisch
04.00-05.00 Uhr: 11820/11895/11925 kHz; Tibetisch
05.00-06.00 Uhr: 11985 kHz; Chinesisch
06.00-07.00 Uhr: 13750 kHz; Chinesisch
07.00-09.00 Uhr: 17690 kHz; Chinesisch
08.00-09.00 Uhr: 17635/17690/17750 kHz; Tibetisch
12.00-13.00 Uhr: 13800 kHz; Tibetisch
14.00-16.00 Uhr: 11570 kHz; Tibetisch
17.00-18.00 Uhr: 9940 kHz; Chinesisch
18.00-19.00 Uhr: 9480 kHz; Uigurisch
18.00-19.00 Uhr: 13570 kHz; Chinesisch
19.00-23.00 Uhr: 9360 kHz; Chinesisch
20.00-21.00 Uhr: 11745 kHz; Chinesisch
23.00-24.00 Uhr: 7435 kHz; Chinesisch
23.00-24.00 Uhr: 9685 kHz; Chinesisch
00.00-01.00 Uhr: 9505 kHz; Tietisch
00.00-01.00 Uhr: 9380 kHz; Tibetisch
00.00-01.00 Uhr: 7460/7465/7470/7520/9655/9920 kHz; Tibetisch
01.00-02.00 Uhr: 5965 kHz; Tibetisch
01.00-02.00 Uhr: 9535, 9720 kHz; Chinesisch

Bei Deewa und Mashaal handelt es sich um besondere Marken für Programme, die in die früheren pakistanischen „Stammesgebiete unter Bundesverwaltung“ gerichtet sind. Deren parallele Existenz ist ein typisches Beispiel für die seit vielen Jahren im Auslandsrundfunk der USA bestehenden Doppelstrukturen.

Das gilt auch für die Afghanistan-Programme, die ebenfalls unter besonderen Namen erscheinen: Bei der VOA als Radio Ashna, bei RFE/RL als Radio Azadi. Sein Farsi-Programm wiederum präsentiert RFE/RL als Radio Farda.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 27.06.2021