Iran

IRIB plant ohne Kurzwellensender Mahschahr

Zum 25. Oktober 2020 könnte wieder einmal die Abschaltung einer Sendeanlage des Kurzwellenhörfunks anstehen: Der iranische Rundfunk IRIB plant für das Winterhalbjahr 2020/2021 ohne seine Kurzwellensender in Mahschahr. Einschränkungen bei den Programmen sind damit nicht verbunden.

Mahschahr
Ölraffinerie in Mahschahr | © Maeffjus, CC

Mahschahr ist eine Hafen- und Industriestadt am Nordufer des Persischen Golfs, die am 31. Juli 2015 meteorologische Schlagzeilen machte: Eine Temperatur von 46 °C ging einher mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 49 Prozent, entsprechend einem Taupunkt von 32 °C.

Bei dieser sehr extremen, lange Zeit von Meteorologen für unmöglich gehaltenen Schwüle lag die Grenze, bis zu der eine Abkühlung durch Verdunstung möglich ist, bei 34,6 °C. Das war nur noch knapp unter dem Punkt, ab dem bei längerem Aufenthalt im Freien unmittelbare Lebensgefahr besteht.

Erst nach 1990 war die Mittelwellenstation in Mahschahr mit zwei Sendern, drei Vorhangantennen der Abstrahlrichtung Afghanistan und Zentralasien sowie einer Rundstrahlantenne auch für den Kurzwellenrundfunk ausgestattet worden. In den Blick rückte diese Technik 2014 mit einem besonderen Sendeprojekt.

Dabei ging es um Lualua TV, einem aus London sendenden Programm für Bahrain, das sich beim Start im Jahre 2011 sogleich mit einer Störung seines Satellitensignals konfrontiert sah. 2014 wurde aus Mahschahr für kurze Zeit der Ton von Lualua TV auf 7130 kHz abgestrahlt.

Dem folgte 2017 mit Neda Al-Bahrain ein eigenes Projekt von IRIB. Aus Mahschahr wird es zwischen 19.00 und 22.00 Uhr MESZ (18.00-21.00 Uhr MEZ) auf 1080 kHz ausgestrahlt. Sonst läuft hier das reguläre arabische Auslandsprogramm, wobei der Sender tagsüber auf 576 kHz umgeschaltet wird.

Auf die Kurzwellensender in Mahschahr hatte IRIB ab März 2018 bereits verzichtet, sie im März 2019 dann aber noch einmal in Betrieb genommen. Bis zum 24. Oktober 2020 sollen hier noch Programme in Paschtunisch von 14.20 bis 15.20 Uhr auf 9510 kHz, in Bengalisch von 16.20 bis 17.20 Uhr auf 9465 kHz sowie in Türkisch von 17.50 bis 19.20 Uhr auf 9870 kHz (Zeitangaben in MESZ) übertragen werden.

Die Kurzwellenantennen in Mahschahr:

Wenige Jahre vor dem Mahschahr-Projekt hatte die Firma Asea Brown Boveri (Schweiz) im Iran bereits zwei weitere Kurzwellenstandorte neu eingerichtet. Noch heute vorhanden und aktiv ist davon die Sendestation in Zahedan, unweit des Dreiländerecks mit Afghanistan und Pakistan.

Aufgebaut wurden hier wiederum zwei Sender, dazu zwei Rundstrahler sowie speziell für das fast rund um die Uhr laufende arabische Programm eine nach Westen strahlende Vorhangantenne. Die Planung für den Einsatz dieser Technik ab dem 25. Oktober 2020 sieht, bezogen auf MEZ, so aus:

06.30-11.30 Uhr: 13820 kHz; Arabisch
11.30-15.30 Uhr: 9530 kHz; Arabisch
13.20-14.20 Uhr: 9510 kHz; Paschtunisch
15.30-18.30 Uhr: 7310 kHz; Arabisch
17.20-18.20 Uhr: 5935 kHz; Paschtunisch
18.30-03.30 Uhr: 6060 kHz; Arabisch
03.30-06.30 Uhr: 7380 kHz; Arabisch

Die kleine Kurzwellenstation in Zahedan:

Die Einrichtung der kleinen Nebenstandorte war eine Ergänzung zu einem großen Auftrag: Die umfassende Modernisierung der Sendestation Kamalabad in Karadsch, 40 km außerhalb von Teheran. Sie war ursprünglich 1963 mit Ausrüstungen deutscher Firmen in Betrieb gegangen.

Seit März 2016 werden die Sender dieser Station nicht mehr eingesetzt. Seinerzeit hatte IRIB die klassischen Hörfunksendungen auf Kurzwelle eingeschränkt und im Gegenzug das Portal Pars Today gestartet.

Auf der Station Kamalabad: Eine Antenne der Bauart, wie sie bis 2011 auch die Deutsche Welle in Portugal nutzte.

Zentrum des jetzt noch verbliebenen Kurzwellenbetriebs von IRIB ist die 1990 fertiggestellte Sendestation bei Sirdschan, etwa 150 km südwestlich von Kerman.

Errichtet wurde diese Station nicht von ABB, sondern von der 2017 untergegangenen Berliner Firma Telefunken Sendertechnik. Die Anordnung der Vorhangantennen in drei vom Technikgebäude ausgehenden Armen erinnert an die inzwischen verschwundenen Kurzwellenanlagen in Zeesen, Jülich und Buchloe (Wertachtal).

Sender Sirdschan
Dieses von Telefunken ohne weitere Beschreibung veröffentlichte Foto zeigt wahrscheinlich die Sendeanlage Sirdschan.

Das hier abgebildete Prospektfoto wiederum dürfte aus dem Sendersaal in Sirdschan stammen. Sowohl die dorthin von Telefunken als auch die von ABB zu den anderen Standorten gelieferten Kurzwellensender haben durchweg eine Leistung von jeweils 500 kW.

Die Sendeanlage Sirdschan soll in den kommenden Monaten weiter im jetzigen Umfang genutzt werden. Unverändert berücksichtigt sind auch die deutschen Sendungen, die Ende 2019 nur knapp ihrer terrestrischen Abschaltung entgangen waren, sowie das Programm in Dari, dessen angeblich unabwendbare Einstellung im Sommer beklagt wurde.

Konkret soll der Betrieb ab dem 25. Oktober 2020 so laufen:

04.20-05.20 Uhr: 6070 kHz; Palästina-Sdg.
04.20-05.20 Uhr: 9550 kHz; Russisch
04.30-07.00 Uhr: 9725 kHz; Arabisch
05.20-05.50 Uhr: 11780 kHz; Hebräisch
05.20-06.50 Uhr: 11875 kHz; Türkisch
05.50-06.50 Uhr: 15140 kHz; Suaheli
06.50-07.50 Uhr: 13710 kHz; Haussa
06.50-09.20 Uhr: 13690 kHz; Dari
07.00-09.30 Uhr: 13790 kHz; Arabisch
07.50-08.20 Uhr: 15440 kHz; Hebräisch
08.20-09.20 Uhr: 15200 und 17630 kHz; Spanisch
10.20-13.50 Uhr: 11670 kHz; Dari
10.30-15.30 Uhr: 9960 kHz; Arabisch
12.50-13.20 Uhr: 15240 kHz; Hebräisch
13.20-13.50 Uhr: 17595 kHz; Haussa
13.50-15.20 Uhr: 9835 kHz; Urdu
14.20-15.20 Uhr: 7355 kHz; Kurdisch
15.20-16.20 Uhr: 6150 kHz; Bengalisch
15.20-16.20 Uhr: 7445 kHz; Hindi
15.20-16.20 Uhr: 9870 kHz; Bengalisch
15.30-18.30 Uhr: 9800 kHz; Arabisch
16.20-17.20 Uhr: 6000 kHz; Urdu
16.20-17.20 Uhr: 7555 kHz; Englisch
16.50-18.20 Uhr: 9870 kHz; Türkisch
17.20-17.50 Uhr: 6150 kHz; Bengalisch
17.20-18.20 Uhr: 7430 kHz; Armenisch
18.20-19.20 Uhr: 5940 kHz; Deutsch
18.20-19.20 Uhr: 6110 kHz; Bosnisch
18.50-19.20 Uhr: 5930 kHz; Italienisch
19.20-20.20 Uhr: 5925 und 7305 kHz; Albanisch
19.20-20.20 Uhr: 9475 kHz; Haussa
20.20-21.20 Uhr: 6040 und 11880 kHz; Englisch
20.20-21.20 Uhr: 6130 kHz; Französisch
21.20-22.20 Uhr: 7360 und 11870 kHz; Spanisch
23.20-00.20 Uhr: 7225 kHz; Haussa
00.20-01.20 Uhr: 7360 kHz; Französisch
00.50-02.20 Uhr: 7230 kHz; Spanisch
01.50-03.20 Uhr: 7360 kHz; Tadschikisch
00.50-03.50 Uhr: 5980 kHz; Spanisch
02.30-04.30 Uhr: 6040 kHz; Arabisch
03.20-04.20 Uhr: 6075 kHz; Paschtunisch

Kurzwellenkomplex Sirdschan mit „Antennenstern“ und Drehstandantenne der Telefunken-Bauart, wie auch in Moosbrunn bei Wien vorhanden:

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 11.10.2020