Iran

Erneute Kurzwellensendungen aus Mahschahr

Auch so etwas gibt es noch: Frequenzplanungen des iranischen Rundfunks IRIB sehen vor, nach einer Unterbrechung von einem Jahr ab dem 31. März 2019 die Kurzwellensender in Mahschahr wieder einzusetzen.

Mahschahr
Ölraffinerie in Mahschahr | © Maeffjus, CC

Mahschahr ist eine Hafen- und Industriestadt am Nordufer des Persischen Golfs. In die Schlagzeilen kam sie, als am 31. Juli 2015 eine Temperatur von 46 °C mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 49 Prozent (entspricht einem Taupunkt von 32 °C) einherging.

Bei dieser sehr extremen, lange Zeit von Meteorologen für unmöglich gehaltenen Schwüle lag die Grenze, bis zu der eine Abkühlung durch Verdunstung möglich ist, bei 34,6 °C. Das war nur noch knapp unter dem Punkt, ab dem bei längerem Aufenthalt im Freien unmittelbare Lebensgefahr besteht.
 

Für die Kurzwelle gibt es auf der Sendestation Mahschahr seit den 90er Jahren zwei Sender, drei Vorhangantennen für Ausstrahlungen nach Afghanistan und Zentralasien sowie einen Rundstrahler, der schon seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt wurde.

Im Sommerhalbjahr 2019 sollen mit diesen Ausrüstungen nun die folgenden Programme (mit Zeitangaben in MESZ) verbreitet werden, auch wieder – und zwar die Sendung in Bengalisch – über den Rundstrahler:

04.20-05.20 Uhr: 7320 kHz; Paschtunisch
07.50-10.20 Uhr: 13740 kHz; Dari
11.20-13.50 Uhr: 13740 kHz; Dari
14.20-15.20 Uhr: 9510 kHz; Paschtunisch
16.20-17.20 Uhr: 9895 kHz; Bengalisch
18.20-19.20 Uhr: 5925 kHz; Paschtunisch

Ob es tatsächlich dazu kommt, bleibt vielleicht noch abzuwarten: In einigen Fällen ist momentan als Alternative auch der Standort Sirdschan verzeichnet.

Neben den Kurzwellensendern befinden sich auf der Station Mahschahr zwei jeweils 600 kW starke Sender für die Mittelwellen 576 und 1080 kHz. Sie werden heute beide für Auslandssendungen in arabischer Sprache genutzt, wobei auf 1080 kHz zwischen 19.00 und 22.00 Uhr MESZ das Sonderprogramm Neda Al-Bahrain läuft.

Zu den seit 2017 von IRIB selbst produzierten Sendungen für Bahrain gab es 2014 in Mahschahr eine Art Vorlaufbetrieb: Für kurze Zeit wurde der Ton von Lualua TV stundenweise auf der Kurzwellenfrequenz 7130 kHz abgestrahlt.

Lualua TV wird seit 2011 in London produziert und sah sich beim Start sogleich mit einer Sabotierung seines Satellitensignals konfrontiert. In Europa ist Lualua TV nur als schmalbandiges Signal auf 21,5° Ost (11,685 GHz v) zu empfangen.

Die Kurzwellenantennen in Mahschahr:

Wenige Jahre vor dem Mahschahr-Projekt hatte die Schweizer Firma Asea Brown Boveri im Iran bereits zwei weitere Kurzwellenstandorte neu eingerichtet. Noch heute vorhanden und aktiv ist davon die Sendestation in Zahedan, unweit des Dreiländerecks mit Afghanistan und Pakistan.

Aufgebaut wurden hier wiederum zwei Sender, dazu zwei Rundstrahler sowie speziell für das fast rund um die Uhr laufende arabische Programm eine nach Westen strahlende Vorhangantenne. Für diese Technik sind ab dem 31. März 2019 folgende Ausstrahlungen geplant:

04.30-07.30 Uhr: 9900 kHz; Arabisch
07.30-09.30 Uhr: 13730 kHz; Arabisch
10.30-16.30 Uhr: 13590 kHz; Arabisch
16.30-19.30 Uhr: 9280 kHz; Arabisch
18.20-19.20 Uhr: 6065 kHz; Paschtunisch
19.30-20.30 Uhr: 6015 kHz; Arabisch
20.30-04.30 Uhr: 6155 kHz; Arabisch

Die kleine Kurzwellenstation in Zahedan:

Die Einrichtung der kleinen Nebenstandorte war eine Ergänzung zu einem großen Auftrag: Die umfassende Modernisierung der Sendestation Kamalabad in Karadsch, 40 km außerhalb von Teheran. Sie war ursprünglich 1963 mit Ausrüstungen deutscher Firmen in Betrieb gegangen.

Seit März 2016 werden die Sender dieser Station nicht mehr eingesetzt. Seinerzeit hatte IRIB die klassischen Hörfunksendungen auf Kurzwelle eingeschränkt und im Gegenzug das Portal Pars Today gestartet.

Auf der Station Kamalabad: Eine Antenne der Bauart, wie sie bis 2011 auch die Deutsche Welle in Portugal nutzte.

Zentrum des jetzt noch verbliebenen Kurzwellenbetriebs von IRIB ist damit die 1990 fertiggestellte Sendestation bei Sirdschan, etwa 150 km südwestlich von Kerman.

Errichtet wurde diese Station nicht von ABB, sondern von der 2017 untergegangenen Berliner Firma Telefunken Sendertechnik. Das ist schon daran zu erkennen, wie die Vorhangantennen in drei, vom Technikgebäude ausgehenden Armen aufgebaut sind. Diese Anordnung ist aus Deutschland gut bekannt (einst in Zeesen, Jülich und Buchloe/Wertachtal realisiert).

Sender Sirdschan
Dieses von Telefunken ohne weitere Beschreibung veröffentlichte Foto zeigt wahrscheinlich die Sendeanlage Sirdschan.

Das hier abgebildete Prospektfoto wiederum dürfte aus dem Sendersaal in Sirdschan stammen. Sowohl die dorthin von Telefunken als auch die von ABB zu den anderen Standorten gelieferten Kurzwellensender haben durchweg eine Leistung von jeweils 500 kW.

Ab dem 31. März 2019 sollen aus Sirdschan die folgenden Sendungen kommen:

00.20-01.20 Uhr: 7225, 7275 kHz; Haussa
01.20-02.20 Uhr: 7235, 7260, 7270 kHz; Französisch
01.50-03.20 Uhr: 7230 kHz; Spanisch
01.50-04.50 Uhr: 11660 kHz; Spanisch
02.20-05.20 Uhr: 9550 kHz; Spanisch
02.50-04.20 Uhr: 6000, 6175 kHz; Tadschikisch
03.30-08.00 Uhr: 7410 kHz; Arabisch
04.20-05.20 Uhr: 6000, 6165 kHz; Paschtunisch
05.20-06.20 Uhr: 6085, 12050, 12160 kHz; Palästina-Prog.
05.20-06.20 Uhr: 9550, 12180 kHz; Russisch
06.20-06.50 Uhr: 13695, 13740 kHz; Hebräisch
06.20-07.50 Uhr: 13785 kHz; Türkisch
06.50-07.50 Uhr: 13635, 13665 kHz; Suaheli
07.50-08.50 Uhr: 13795, 15435, 15730 kHz; Haussa
07.50-10.20 Uhr: 13625, 13680 kHz; Dari
08.00-10.30 Uhr: 13640 kHz; Arabisch
08.50-09.20 Uhr: 15445 kHz; Hebräisch
09.20-10.20 Uhr: 15130, 17780, 17815 kHz; Spanisch
11.20-14.20 Uhr: 9445, 9495, 9495 kHz; Dari
11.30-13.30 Uhr: 13640 kHz; Arabisch
13.20-13.50 Uhr: 17660 kHz; Haussa
13.30-16.30 Uhr: 13765 kHz; Arabisch
13.50-14.20 Uhr: 13690 kHz; Hebräisch
13.50-14.50 Uhr: 13740 kHz; Dari
14.20-15.20 Uhr: 7355 kHz; Paschtunisch
14.50-16.20 Uhr: 13745 kHz; Urdu
15.20-16.20 Uhr: 7345, 9560 kHz; Kurdisch
15.20-16.20 Uhr: 13735 kHz; Russisch
16.20-17.20 Uhr: 6155, 11920 kHz; Bengalisch
16.20-17.20 Uhr: 9810, 12050, 15235 kHz; Hindi
16.30-19.30 Uhr: 7415 kHz; Arabisch
17.20-18.20 Uhr: 7300 kHz; Urdu
17.20-18.20 Uhr: 9800, 15235 kHz; Englisch
17.50-19.20 Uhr: 9775 kHz; Türkisch
18.20-18.50 Uhr: 7305, 11665 kHz; Bengalisch
18.20-19.20 Uhr: 7230 kHz; Armenisch
19.20-20.20 Uhr: 7300, 7330, 9880 kHz; Deutsch
19.20-20.20 Uhr: 7370 kHz; Bosnisch
20.20-21.20 Uhr: 5920, 7235 kHz; Albanisch
20.20-21.20 Uhr: 7330 kHz; Französisch
20.20-21.20 Uhr: 9860 kHz; Haussa
21.20-21.50 Uhr: 5925, 7370 kHz; Italienisch
21.20-22.20 Uhr: 9750, 9855 kHz; Englisch
22.20-23.20 Uhr: 9620, 11870 kHz; Spanisch
22.50-23.50 Uhr: 7355 kHz; Japanisch

Kurzwellenkomplex Sirdschan mit „Antennenstern“ und Drehstandantenne der Telefunken-Bauart, wie auch in Moosbrunn bei Wien vorhanden:

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 21.03.2019