Iran

IRIB-Kurzwellen im Sommerhalbjahr 2020

Fast in letzter Minute war im vergangenen Dezember die terrestrische Ausstrahlung der deutschsprachigen Sendungen des iranischen Rundfunks IRIB der Abschaltung entgangen. Sie ist nun auch in den Frequenzplanungen für das Sommerhalbjahr 2020 wieder berücksichtigt worden.

Mahschahr
Ölraffinerie in Mahschahr | © Maeffjus, CC

Weiterhin vorgesehen ist auch die Nutzung der Kurzwellensender in Mahschahr, einer Hafen- und Industriestadt am Nordufer des Persischen Golfs, die am 31. Juli 2015 meteorologische Schlagzeilen machte: Eine Temperatur von 46 °C ging einher mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 49 Prozent, entsprechend einem Taupunkt von 32 °C.

Bei dieser sehr extremen, lange Zeit von Meteorologen für unmöglich gehaltenen Schwüle lag die Grenze, bis zu der eine Abkühlung durch Verdunstung möglich ist, bei 34,6 °C. Das war nur noch knapp unter dem Punkt, ab dem bei längerem Aufenthalt im Freien unmittelbare Lebensgefahr besteht.

Erst nach 1990 war die Mittelwellenstation in Mahschahr mit zwei Sendern, drei Vorhangantennen der Abstrahlrichtung Afghanistan und Zentralasien sowie einer Rundstrahlantenne auch für den Kurzwellenrundfunk ausgestattet worden. In den Blick rückte diese Technik 2014 mit einem besonderen Sendeprojekt.

Dabei ging es um Lualua TV, einem aus London sendenden Programm für Bahrain, das sich zu seinem Start im Jahre 2011 sogleich mit einer Störung seines Satellitensignals konfrontiert sah. 2014 wurde aus Mahschahr für kurze Zeit der Ton von Lualua TV auf 7130 kHz abgestrahlt.

Dem folgte 2017 mit Neda Al-Bahrain ein eigenes Projekt von IRIB. Aus Mahschahr wird es zwischen 19.00 und 22.00 Uhr MESZ auf 1080 kHz ausgestrahlt. Sonst läuft hier das reguläre arabische Auslandsprogramm, wobei der Sender tagsüber auf 576 kHz umgeschaltet wird.

Auf die Kurzwellensender in Mahschahr hatte IRIB ab März 2018 bereits verzichtet, sie im März 2019 dann aber doch wieder in Betrieb genommen. Ab dem 29. März 2020 sind hier die folgenden Ausstrahlungen geplant (Zeitangaben in MESZ):

14.20-15.20 Uhr: 9510 kHz; Paschtunisch
16.20-17.20 Uhr: 9465 kHz; Bengalisch
17.50-19.20 Uhr: 9870 kHz; Türkisch

Die Kurzwellenantennen in Mahschahr:

Wenige Jahre vor dem Mahschahr-Projekt hatte die Firma Asea Brown Boveri (Schweiz) im Iran bereits zwei weitere Kurzwellenstandorte neu eingerichtet. Noch heute vorhanden und aktiv ist davon die Sendestation in Zahedan, unweit des Dreiländerecks mit Afghanistan und Pakistan.

Aufgebaut wurden hier wiederum zwei Sender, dazu zwei Rundstrahler sowie speziell für das fast rund um die Uhr laufende arabische Programm eine nach Westen strahlende Vorhangantenne. Für diese Technik sind ab dem 29. März 2020 folgende Ausstrahlungen geplant:

04.30-07.30 Uhr: 9900 kHz; Arabisch
07.30-09.30 Uhr: 13590 oder 13730 kHz; Arab.
10.30-16.30 Uhr: 13590 kHz; Arabisch
16.30-19.30 Uhr: 6080 kHz; Arabisch
18.20-19.20 Uhr: 6065 kHz; Paschtunisch
19.30-04.30 Uhr: 6060 kHz; Arabisch

Die kleine Kurzwellenstation in Zahedan:

Die Einrichtung der kleinen Nebenstandorte war eine Ergänzung zu einem großen Auftrag: Die umfassende Modernisierung der Sendestation Kamalabad in Karadsch, 40 km außerhalb von Teheran. Sie war ursprünglich 1963 mit Ausrüstungen deutscher Firmen in Betrieb gegangen.

Seit März 2016 werden die Sender dieser Station nicht mehr eingesetzt. Seinerzeit hatte IRIB die klassischen Hörfunksendungen auf Kurzwelle eingeschränkt und im Gegenzug das Portal Pars Today gestartet.

Auf der Station Kamalabad: Eine Antenne der Bauart, wie sie bis 2011 auch die Deutsche Welle in Portugal nutzte.

Zentrum des jetzt noch verbliebenen Kurzwellenbetriebs von IRIB ist damit die 1990 fertiggestellte Sendestation bei Sirdschan, etwa 150 km südwestlich von Kerman.

Errichtet wurde diese Station nicht von ABB, sondern von der 2017 untergegangenen Berliner Firma Telefunken Sendertechnik. Das ist schon daran zu erkennen, wie die Vorhangantennen in drei, vom Technikgebäude ausgehenden Armen aufgebaut sind. Diese Anordnung ist aus Deutschland gut bekannt (einst in Zeesen, Jülich und Buchloe/Wertachtal realisiert).

Sender Sirdschan
Dieses von Telefunken ohne weitere Beschreibung veröffentlichte Foto zeigt wahrscheinlich die Sendeanlage Sirdschan.

Das hier abgebildete Prospektfoto wiederum dürfte aus dem Sendersaal in Sirdschan stammen. Sowohl die dorthin von Telefunken als auch die von ABB zu den anderen Standorten gelieferten Kurzwellensender haben durchweg eine Leistung von jeweils 500 kW.

Ab dem 29. März 2020 sollen aus Sirdschan die folgenden Sendungen kommen:

00.20-01.20 Uhr: 7275 kHz; Haussa
01.20-02.20 Uhr: 7230 kHz; Französisch
01.50-03.20 Uhr: 7325 kHz; Spanisch
01.50-04.50 Uhr: 9620 kHz; Spanisch
02.50-04.20 Uhr: 6000 kHz; Tadschikisch
03.30-08.00 Uhr: 7285 kHz; Arabisch
04.20-05.20 Uhr: 5925 kHz; Paschtunisch
05.20-06.20 Uhr: 11810 kHz; Russisch
05.20-06.20 Uhr: 11905 kHz; Arabisch
06.20-06.50 Uhr: 13740 kHz; Hebräisch
06.20-07.50 Uhr: 15430 kHz; Türkisch
06.50-07.50 Uhr: 13685 kHz; Suaheli
07.50-10.20 Uhr: 13630 kHz; Dari
08.00-10.30 Uhr: 11945 kHz; Arabisch
08.50-09.20 Uhr: 15445 kHz; Hebräisch
09.20-10.20 Uhr: 15440 und 17815 kHz; Spanisch
11.20-14.50 Uhr: 13680 kHz; Dari
11.30-13.30 Uhr: 11945 kHz; Arabisch
13.30-16.30 Uhr: 13765 kHz; Arabisch
13.50-14.20 Uhr: 13690 kHz; Hebräisch
14.20-14.50 Uhr: 17660 kHz; Haussa
14.50-16.20 Uhr: 9710 kHz; Urdu
15.20-16.20 Uhr: 9570 kHz; Kurdisch
16.20-17.20 Uhr: 9325 kHz; Hindi
16.20-17.20 Uhr: 9810 kHz; Bengalisch
16.30-19.30 Uhr: 7525 oder 9800 kHz; Arabisch
17.20-18.20 Uhr: 6175 kHz; Urdu
17.20-18.20 Uhr: 7410 kHz; Englisch
17.50-19.20 Uhr: 9640 kHz; Türkisch
18.20-18.50 Uhr: 7305 kHz; Bengalisch
18.20-19.20 Uhr: 7255 oder 7345 kHz; Armenisch
18.50-19.50 Uhr: 7290 kHz; Russisch
19.20-20.20 Uhr: 7300 oder 7350 kHz; Deutsch
19.20-20.20 Uhr: 7370 kHz; Bosnisch
19.50-20.20 Uhr: 5925 kHz; Italienisch
20.20-21.20 Uhr: 7325 oder 7375 kHz; Albanisch
21.20-22.20 Uhr: 7235 kHz; Französisch
21.20-22.20 Uhr: 9835 und 9855 kHz; Englisch
22.20-23.20 Uhr: 7375 und 9665 kHz; Spanisch

Für die deutsche Sendung, dann um 19.20 Uhr MESZ, scheint die Frequenz 7350 kHz die jüngere Variante zu sein. Auf 7300 kHz würde es nach jetzigem Stand weiter zu einer Störung durch das Kurzwellenprogramm von Stephen Bannon kommen, das auch ab dem 29. März von 19.00 bis 20.00 Uhr auf 7295 kHz laufen soll.

Kurzwellenkomplex Sirdschan mit „Antennenstern“ und Drehstandantenne der Telefunken-Bauart, wie auch in Moosbrunn bei Wien vorhanden:

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 21.03.2020