USA

EWTN als „Fox News der Religionssender“

Zu dieser Charakterisierung des von einer Ordensfrau im US-Bundesstaat Alabama gegründeten Eternal Word Television Network gelangt der „National Catholic Reporter“ in einer Beitragsserie über „die Auswirkungen des in das nichtkommerzielle System fließenden Gelds auf katholische Narrative, sowohl in der Kirche als auch darüber hinaus“.

WEWN
EWTN: Eine der Kurzwellenantennen und die am Ostersonntag 2016 verstorbene Gründerin des Senders

Die Artikelserie beginnt mit der Schilderung von Interviews mit Mike Pence und Sarah Sanders, die sich auf das Geben von Stichworten beschränkten. Das sei ein Beispiel dafür,

„... wie sich ein Fernsehsender, der ursprünglich katholischer Frömmigkeit und konservativem Katechismus gewidmet war, inzwischen zu einem Medienimperium entwickelt hat, das mit republikanischen Politikern und Trumps Weißem Haus gut vernetzt ist.“

EWTN sei mittlerweile

„... der Medienstar eines Beziehungsgeflechts aus wohlhabenden katholischen Spendern und einigen der bekanntesten Anti-Franziskus-Kräfte der katholischen Welt.“

Die Zeitung beschreibt, wie eine prominente Moderatorin sowohl für EWTN als auch für Fox News tätig ist, und merkt an:

„Für Fox News gibt es säkulare Alternativen, nicht jedoch für EWTN in der katholischen Welt. Nach der Übernahme eines Versuchs der Bischöfe, ihren eigenen Sender zu schaffen, entwickelte sich EWTN schnell zur einzigen katholischen Stimme in der Fernsehlandschaft der USA – und diese Stimme hat sich in die ganze Welt ausgebreitet.“

Teil 2 der Serie beschäftigt sich unter anderem damit, wie EWTN in den letzten Monaten seinen Teil zur Verbreitung zweier kontroverser Texte beigetragen hat. Hier geht es zum einen um das Glaubensmanifest des Kardinals Gerhard Müller.

Vom früheren Papst Benedikt XVI. stammt der andere Text. Kommentatoren nannten dessen Veröffentlichung bedauerlich, charakterisierten ihn als populistisch und bemerkten, der Aufsatz erweise niemandem einen Dienst.

Teil 3 wirft einen Blick auf die Geldgeber von EWTN, eingeschlossen die Aktivitäten in Deutschland. Der abschließende Teil 4 beschäftigt sich mit der 2016 verstorbenen Gründerin von EWTN und den Beteuerungen, ihr Rückzug aus dem operativen Geschäft im Jahre 2000 sei keine „Neutralisierung“ gewesen.

Als Auslaufbetrieb erscheinen mittlerweile die Ausstrahlungen von EWTN auf Kurzwelle. Die Sendeanlagen werden zwar jährlich gesegnet, offenbar aber nur noch auf Verschleiß gefahren. Die Sendungen für Nordamerika und Europa sind 2018 bereits entfallen.

Rund um die Uhr ausgestrahlt wird jetzt noch ein spanisches Programm für Lateinamerika, und zwar von 16.00 bis 2.00 Uhr MESZ auf 12050 kHz, in den anderen 14 Stunden des Tages auf 5970 kHz.

Das englische Programm wird noch von 21.00 bis 2.00 Uhr auf 15610 kHz und daran anschließend die Nacht hindurch bis 11.00 Uhr auf 11610 kHz nach Westafrika gesendet. Dem folgt bis 15.00 Uhr auf 9470 kHz eine Besonderheit: Eine fast genau nach Norden gerichtete Ausstrahlung, die über den Nordpol hinweg das fast 15.000 Kilometer entfernte Südasien erreichen soll.

Zum 27. Oktober 2019 ist bei den Sendezeiten und Frequenzen mit Änderungen zu rechnen.

Stand vom 10.08.2019


 

Zur Geschichte der internationalen Hörfunksendungen des EWTN ein Bericht von Dr. Hansjörg Biener:

„Jahrzehntelang hatten Protestanten die Szene der US-Kurzwellensender beherrscht. Seltene Ausnahmen waren zum Beispiel die lateinischen Messen katholischer Traditionalisten, die bei WINB Red Lion oder WWCR Nashville ausgestrahlt wurden.
Ende 1992 bekamen die protestantischen Radiomissionen eine technisch sehr gut ausgestattete Konkurrenz: WEWN Birmingham, das sich an eine potentielle Hörerschaft von 600 Millionen Menschen richten wollte.
Eine Spende von 20 Millionen Dollar des niederländischen Milliardärs Piet Derksen ermöglichte den Kauf und Bau von vier 500-kW-Sendern und acht Vorhangantennen, und man hoffte, dass er sich auch an den Betriebskosten von 1 Million Dollar jährlich beteiligen würde.
Zweieinhalb Sender sollten Nord- und Südamerika mit Programmen in Englisch, Spanisch und Portugiesisch bedienen. Die weitere Senderzeit war für den Rest der Welt vorgesehen, vor allem für Europa, das morgens von zwei Sendern mit Programmen in verschiedenen Sprachen bedient werden sollte.
Ursprünglich sollte der neue katholische Kurzwellensender im Oktober 1992 die ersten Testsendungen ausstrahlen. Im Dezember 1992 wollte man die ersten beiden Sender im Vollbetrieb haben und spätestens im März 1993 alle vier. Doch ganz so wie geplant kam es nicht.
Der erste Sender traf erst im September 1992 ein und strahlte Anfang November die ersten Testsendungen im 21-MHz-Bereich aus. Am 28. Dezember 1992 nahm er dann offiziell den Betrieb auf, doch wurde die Station schon am 4. Januar 1993 wieder von der US-Fernmeldebehörde FCC geschlossen. Der Sender hatte durch Nebenausstrahlungen andere Rundfunksender der Region gestört, auch Dienste von Polizei und Militär.
Am 31. Januar 1993 wurde WEWN Birmingham wieder im Teilbetrieb aktiv. Entgegen den ersten Ankündigungen arbeiteten nur drei Sender gleichzeitig, während man den vierten in Reserve hielt. Nur für Zielgebiete wie Rußland und China wurden die Sender auch mit voller Leistung eingesetzt, während man sonst 350 kW für ausreichend hielt.
Schon im ersten Sendeplan nutzte man die Frequenz 18930 kHz. Damit war WEWN Birmingham die erste US-Station im neuen 18-MHz-Band.
Die europäischen Sprachen sorgten dafür, dass WEWN mit bis zu 26 Sprachen das umfangreichste Sprachangebot der privaten US-Kurzwellensender hatte. Mit Ausnahme der spanischen Sendungen sind die Fremdsprachen längst wieder Geschichte, da Eternal Word Television Gelder für den Sendestart über Satellit umschichtete.“

In den 90er Jahren sendete EWTN auf Kurzwelle täglich eine Stunde in deutscher Sprache. Mit teils extremen Sendeplätzen (so 1993 erst um Mitternacht) und bestenfalls mäßiger Empfangsqualität war das allerdings ein aussichtsloses Unterfangen.

Die mit der Kennung WEWN versehene Kurzwellenanlage fand ihren Platz bei der Ortschaft Vandiver, knapp 20 km entfernt von der EWTN-Zentrale. Diese befindet sich ihrerseits in Irondale, einem östlichen Vorort von Birmingham, der größten Stadt des US-Bundesstaats Alabama.
 

Zum Aufbau des EWTN-Fernsehens berichtet Dr. Hansjörg Biener:

„1961 wurde Mother Angelica von ihrem Konvent in Ohio ausgesandt, um in Irondale das Kloster Our Lady of the Angels Monastery zu gründen. Im Juli 1971 begann sie mit Bibelstunden ihre später umfangreiche öffentliche Tätigkeit.
Im März 1978 besuchte Mutter Angelica eine Fernsehstation in Chicago, und das weckte in ihr die Idee einer Fernseharbeit. Die ersten Gehversuche waren schwierig, trotzdem brachte ein Freund die im Sommer 1978 produzierte Serie Our Hermitage beim Christian Broadcasting Network unter.
Tatsächlich gab es keine Berührungsängste zur damals weltweit beachteten US-amerikanischen electronic church. So war Mother Angelica im Januar 1979 auch Gast bei PTL. Die Nonne, die sich aufmachte, ein Fernsehprogramm aufzuziehen, war durchaus auch Stoff für die säkularen Medien.
Nach Auseinandersetzungen mit dem Studio, wo man eine zweite Serie produziert hatte, entschloss sich Mother Angelica im November 1978 zum Aufbau einer eigenen Produktionsstätte. Bald wurde auch klar, dass man für eine regelmäßige Medienpräsenz auch einen eigenen Verbreitungsweg aufbauen musste.
Im September 1980 beantragte sie eine Lizenz für Satellitensendungen und bemühte sich um die Unterstützung der katholischen Hierarchie. Im Januar 1981 hatte sie ihre Lizenz. Nach einer mündlichen Zusage im Mai kam am 26. Juni 1981 auch die schriftliche Erlaubnis aus Rom.
Am 15. August 1981 begann Eternal Word Television Network mit vier Stunden täglich. Die späte katholische Antwort auf die protestantische electronic church erreichte gerade einmal 60.000 Haushalte.
Beim Beginn von Sendungen rund um die Uhr wurden im September 1987 10 Millionen Haushalte erreicht. Der erweiterte Sendetag wurde nicht nur mit Wiederholungen und zusätzlichen Serien gefüllt, sondern auch mit Live-Übertragungen zum Beispiel von Papstreisen, Bischofsernennungen, Selig- und Heiligsprechungen und Festgottesdiensten aus Rom zu den hohen Feiertagen.
Im Februar 1991 begann die Ausstrahlung einer täglichen Messe. Was ursprünglich nur für die Passionszeit gedacht war, wurde aufgrund der Publikumsresonanz auf Dauer fortgeführt. Um die Messe nicht zu stören, kaufte man ferngesteuerte Kameras.
Im Unterschied zu den Shows, die als electronic church bekannt wurden, will EWTN weniger unterhalten und mehr bilden, auch weniger an EWTN binden, sondern vor allem an die römisch-katholische Kirche heranführen.
Das Network versteht sich als katholisch, steht aber in Spannung zu bestimmten liberalen katholischen Bischöfen in den USA, da Mother Angelica romtreu sein wollte, aber auch ihren eigenen Kopf im Umgang mit der örtlichen Hierarchie hatte.
1996 wurde ein wichtiges Jahr. Zum einen wurden die Radio- und Fernsehsendungen durch neue Medien und Quellen ergänzt, zum anderen begann der weltweite Satellitendienst.
Am 25. Januar kaufte EWTN den Internetdienst Catholic Resource Network. Am 12. Februar schloss man einen Vertrag mit Catholic World News über die exklusive Zulieferung von Nachrichten für Fernsehen, Radio und Internet.
Am 1. März 1996 begann der Satellitenhörfunk. In Europa ist der Radiodienst seit dem 24. November 1998 zu empfangen. Am 15. August 2001 begann die Ausstrahlung auf dem neuen Astra-Platz 28,2° Ost. EWTN European Radio sendet hier digital im Sky-Bouquet.
Nach Vorgesprächen mit lateinamerikanischen Bischöfen 1995 begann am 14. Juni 1996 ein 24-stündiges Spanischnetwork für Lateinamerika, das noch im selben Jahr für Spanien und ab 1999 für Nordamerika verbreitet wurde. Seit dem 7. Oktober 1996 ist das englische Fernsehprogramm in Europa zu sehen, seit dem 8. Dezember 1996 im Pazifikraum.
Seit dem 29. Oktober 2000 sendet das EWTN-Fernsehen auch auf Deutsch. Den Anfang machten zwei halbstündige Sendereihen samstags und sonntags, ab 1. April 2001 kamen fünf neue Serien hinzu.
Am 29. Juni 2005, zum Hochfest Peter und Paul, begann EWTN mit regelmäßigen Mittwochssendungen aus Rom. Die erste Sendung übertrug das Pontifikalamt mit Papst Benedikt XVI. ab 9.30 Uhr, live aus dem Petersdom mit dem deutschen Kommentar von Radio Vatikan. Seit Juli 2005 überträgt EWTN live die Mittwochsaudienzen des Papstes.
Die ‚National Cable & Telecommunications Association’ (NCTA) hat 2003 bei ihrer Jahresversammlung in Chicago Mutter Angelica in die Reihe der ‚Pioniere des Kabelfernsehens‘ aufgenommen. Der Verband vertritt mehr als 90 Prozent der Kabelnetzbetreiber und rund 200 Kabel-Fernsehsender in den USA.
Die Auszeichnung ehrt Persönlichkeiten, die für die Geschichte des Kabelfernsehens einen bedeutenden Beitrag geleistet haben. Die Franziskanerklarissin steht mit dieser Ernennung neben Persönlichkeiten wie CNN-Gründer Ted Turner, Brian Lamb von C-SPAN und dem Medienunternehmer John Malone.
Die katholische Ordensfrau erhielt die Auszeichnung für ihre Vision und ihren Pioniergeist bei der Gründung von EWTN im Jahr 1981 sowie für ihre langjährige Sendereihe ‚Mother Angelica Live‘. Es war das erste religiöse Live-Programm, das Zuschauern und Zuschauerinnen die Möglichkeit gab, sich über Telefon direkt in die Sendung einzuschalten.“

 

Autor: Kai Ludwig