7180 kHz

Eritrea auf Kurzwelle

Der Rundfunk von Eritrea sendet auf Kurzwelle weiterhin im Frequenzbereich zwischen 7100 und 7200 kHz, der seit 2009 eigentlich dem Amateurfunk vorbehalten ist. Sollte es hier offizielle Beschwerden etwa der Bundesnetzagentur gegeben haben, dann werden sie in Asmara offensichtlich „nicht mal ignoriert“.

Eritrea
Quelle: Sammlung University of Texas

Von der Ausstrahlung des ersten Programms, die zuletzt auf 7140 kHz lief, war zwar seit einiger Zeit nichts mehr zu hören. Weitgehend regelmäßig auf 7180 kHz gesendet wird jedoch das zweite Programm, das umfangreichere Sendestrecken in Amharisch und Arabisch enthält.

Morgens und insbesondere abends kommt das Signal bis nach Europa durch. Die notorische Störung der Sendungen aus Äthiopien scheint mit den jüngsten dortigen Entwicklungen ihr Ende gefunden zu haben.

Eine systematischere Beobachtung der Ausstrahlungen wäre auch aus einem weiteren Grund von Interesse: In den letzten Jahren gab es auch für Äthiopien bestimmte Sendungen ausländischer Dritter, die, wenn es gegen den Feind in Addis Abeba ging, bei der Wahl ihrer Partner nicht sonderlich wählerisch waren.

Das ist zum einen die „Oromo-Befreiungsfront“ mit ihren als „Sagalee Bilisumma Oromoo“ präsentierten Sendungen. Sie werden in Berlin produziert und auch über die Sender der Media Broadcast bei Nauen ausgestrahlt; derzeit mittwochs 19.00-20.00 Uhr sowie freitags und sonntags 19.00-19.30 Uhr jeweils auf 15420 kHz.

Zuletzt gemeldet wurde eine Übertragung dieser Sendungen aus Eritrea im September 2016, seinerzeit um 6.30 Uhr. Danach blieb der Kurzwellensender zu oft ausgeschaltet, um die weiteren Entwicklungen von Europa aus zu verfolgen.

Aktuellere Beobachtungen gibt es hingegen für „Ginbot Sabat Dimtse“ aus London, dessen terrestrische Verbreitung sich jetzt ganz auf den Partner Eritrea stützt. Gehört wurden Übertragungen zwischen 5.00 und 6.00 sowie zwischen 17.00 und 18.00 Uhr.

Von den Unterbrechungen des Kurzwellenbetriebs unberührt geblieben sein dürfte die Mittelwelle 837 kHz. Sie kommt wie die Kurzwellen aus der Sendestation 10 km außerhalb von Asmara, an der nach Äthiopien führenden Straße, die Mitte der 90er Jahre errichtet und von der damaligen Firma Thomcast mit jeweils 100 kW starken Sendern (2 x MW, 2 x KW) ausgestattet wurde.

Inzwischen scheint es auch die Möglichkeit zu geben, die vier Hörfunkprogramme des Informationsministeriums von Eritrea über Satellit abzuhören: Nach automatisch erzeugten Angaben sind sie auf Badr 4 (26° Ost) aufgeschaltet.

Der betreffende Multiplex enthält auch die arabischen Auslandsprogramme aus den USA, Al Hurra und Radio Sawa. Sie wurden damit zu Bettgefährten jenes Landes, das sich in den Ranglisten der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ konstant auf dem vorletzten oder sogar letzten (noch hinter Nordkorea) Platz findet.

Das Informationsministerium ist der einzige verbliebene Rundfunkveranstalter in Eritrea. Der Sender des Bildungsministeriums, Radio Bana, verschwand 2009 in einer der Razzien, deren Beginn im Jahre 2001 den Absturz in die völlige Diktatur markierte.

In dieser Razzia wurde die gesamte Belegschaft von Radio Bana verhaftet. Ein Redaktionsmitglied befand sich nach damaligen Angaben von „Reporter ohne Grenzen“ auch ein Jahr später noch in Einzelhaft.

In den letzten Jahren gab es verschiedene Hörfunkprojekte, die aus Europa nach Eritrea sendeten. Davon verblieben ist nur noch das in Paris produzierte Radio Erena, und auch hier war 2017 bereits von einem wegen Geldmangel drohenden „Aus“ die Rede. Trotzdem sendet Radio Erena auch jetzt noch aus Bulgarien; derzeit täglich 19.00-20.00 Uhr (MESZ) auf 9720 kHz.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 07.07.2018