7140 und 7180 kHz

Eritrea wieder auf zwei Kurzwellen

Für eine Neujahrsüberraschung sorgte der Rundfunk von Eritrea: Er strahlt, was mittlerweile auch in Afrika außergewöhnlich ist, auf Kurzwelle wieder zwei Hörfunkprogramme aus.

Eritrea
Quelle: Sammlung University of Texas

Nach einer Unterbrechung von einem Jahr wieder in Betrieb genommen wurde die Frequenz 7180 kHz. Sie ergänzt mit einem weiteren Programm erneut die Frequenz 7140 kHz, die von Oktober bis Anfang Dezember ebenfalls verschwunden war.

Für eine Sendeleistung von 100 kW sind die Signale allerdings recht schwach. Am Morgen des 3. Januar kam die Ausstrahlung von Sudan Radio auf 7205 kHz ganze 30 dB stärker an.

Nach nicht verifizierbaren Berichten über ein Eingreifen in Tigray ist Eritrea wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Dafür rückte gerade der benachbarte Sudan in den Blick: Nach 13 Jahren wird die UN-Blauhelmmission in Darfur beendet.

Wie in anderen Fällen gab auch diese Mission den Anstoß für Hörfunkprojekte. Während der Auslandsrundfunk der USA seine Darfur-Sendungen 2018 wieder eingestellt hat, ist das niederländische Radio Dabanga weiterhin aktiv, jetzt allerdings mit inhaltlicher Ausrichtung auf den gesamten Sudan.

Mit Informationen von Wolfgang Büschel; Stand vom 03.01.2021



Am 14. November 2020 waren mehrere Raketen aus Tigray nach Asmara abgefeuert worden. Zu den Zielen gehörte neben dem Flughafen auch die Zentrale des Informationsministeriums.

Dieses Ministerium ist das einzige verbliebene Medienhaus in Eritrea. Entsprechend rangiert das Land in der „Rangliste der Pressefreiheit“ von Reporter ohne Grenzen ganz unten; in der aktuellen Ausgabe auf dem drittletzten Platz vor Turkmenistan und Nordkorea.

Nur zwei Jahre nach der Beendigung des Kriegszustands und dem Zurückdrängen der Tigray aus dem äthiopischen Zentralstaat avancierte Eritrea inzwischen zum neuen Verbündeten von Addis Abeba. Der totalitäre Charakter des eritreischen Staates scheint Premierminister Abiy Ahmed dabei nicht weiter zu stören.

Auch deutsche Behörden verlangen von Flüchtlingen aus Eritrea, sich bei Bedarf zur Ausstellung von Unterlagen an die hiesige Botschaft des Landes zu wenden. Spätestens seit 2019 ist klar, wie problematisch solche Kontakte sind.

Die AM-Sendestation von Asmara steht zehn Kilometer außerhalb der Stadt an der nach Äthiopien führenden Straße. Sie wurde wenige Jahre nach der 1993 vollzogenen Loslösung Eritreas von Äthiopien gebaut.

Hier installierte die damalige Firma Thomcast vier Sender mit jeweils 100 kW Leistung: Für die Mittelwellen 837 und 945 kHz sowie für zwei Kurzwellenfrequenzen, die zwar gelegentlich geändert wurden, dabei jedoch stets zwischen 7100 und 7200 kHz verblieben.

Das änderte sich auch nicht, nachdem dieser Frequenzbereich 2009 neu dem Amateurfunk zugeordnet wurde. Sofern es hier neben den Anprangerungen von Amateurfunkverbänden auch Beschwerden durch offizielle Stellen gab, wurden sie in Asmara offensichtlich ignoriert.

Ausschnitte aus dem Hörfunkprogramm werden auf Youtube hochgeladen. Aus einem Livestream des Hauptprogramms versucht Dimtsi Hafash, die „Stimme der breiten Massen von Eritrea“, ein Geschäftsmodell zu machen.

Auch die Internetpräsenz des Fernsehens ist völlig werbeverseucht. Immerhin kann man hier letztlich zu einem Livestream durchdringen. Daneben gibt es wiederum einen umfangreich bespielten Youtube-Kanal.

Satellitenempfang ist über den Badr 4 (26° Ost) möglich, und zwar an ausgesprochen ironischer Stelle: Der eritreische Propagandaapparat teilt sich den aus Jordanien gesendeten Multiplex auf 11,938 GHz v mit dem Auslandsrundfunk der USA.

Radio Bana, 5100 kHz
2009: Ein letzter Gruß ins Ausland | © Sammlung Mauro Giroletti

Bis 2009 war – ebenfalls auch auf Kurzwelle – noch ein weiterer Rundfunkveranstalter in Eritrea aktiv: Das Bildungsministerium mit seinem Radio Bana. Es verschwand in einer der Razzien, deren Beginn im Jahre 2001 den Absturz in die völlige Diktatur markierte.

In dieser Razzia wurde die gesamte Belegschaft von Radio Bana verhaftet. Ein Redaktionsmitglied befand sich nach damaligen Angaben von „Reporter ohne Grenzen“ auch ein Jahr später noch in Einzelhaft. Die Freilassungen zogen sich mindestens bis 2015 hin.

 

Autor: Kai Ludwig