Noch auf einer Kurzwelle

Eritrea auf 7140 kHz

Der Rundfunk von Eritrea sendet sein Hörfunk-Leitprogramm zwischen etwa 5.00 und 22.00 Uhr MESZ (im Winterhalbjahr: 4.00-21.00 Uhr MEZ) auch auf der Kurzwelle 7140 kHz. Auf den Betrieb einer zweiten Frequenz (zuletzt 7180 kHz) für ein weiteres Programm wird seit dem Beginn des Jahres 2020 verzichtet.

Eritrea
Quelle: Sammlung University of Texas

Nimmt man eine leistungsschwache, möglicherweise auch nicht mehr lange hier laufende Übertragung aus Somalia aus, dann ist Eritrea mittlerweile das einzige Land, das noch Rundfunksendungen in dem Frequenzbereich zwischen 7100 und 7200 kHz ausstrahlt, der 2009 neu dem Amateurfunk zugeordnet wurde.

Seitdem bemühen sich Amateurfunkverbände wie der DARC, auf ein Ende solcher Ausstrahlungen hinzuwirken. Sollte es auf dieser Grundlage offizielle Beschwerden der Bundesnetzagentur an den Staat Eritrea gegeben haben, dann werden sie offensichtlich ignoriert.

Die „Kollegen“ in Asmara vertreten dabei eines der weltweit repressivsten Regimes. Das zeigt anschaulich die „Rangliste der Pressefreiheit“. In deren aktueller Ausgabe 2020 folgen nach Eritrea nur noch Turkmenistan und Nordkorea.

Trotzdem verlangen deutsche Behörden noch immer von Flüchtlingen aus Eritrea, sich bei Bedarf zur Ausstellung von Unterlagen an die hiesige Botschaft des Staates zu wenden. Spätestens seit 2019 sollte bekannt sein, wie problematisch das ist.

In den Fokus rückte hier unterdessen ein weiteres Thema: Die auch in Eritrea verbreitete Praxis der Genitalverstümmelung von Frauen.

Die jetzt noch auf 7140 kHz aktive Sendestation steht zehn Kilometer außerhalb von Asmara, an der nach Äthiopien führenden Straße. Sie wurde Mitte der 90er Jahre von der damaligen Firma Thomcast gebaut.

Installiert sind vier jeweils 100 kW starke Sender, für die Mittelwellen 945 und 837 kHz (erstes bzw. zweites Programm) und für zwei Kurzwellenfrequenzen, die zwar gelegentlich geändert wurden, jedoch stets im Bereich zwischen 7100 und 7200 kHz blieben.

Besonders interessant sind oder waren hier die Ausstrahlungen von Drittprogrammen, bestimmt für Publika in Äthiopien, mit dem Eritrea nach jahrzehntelangem Kriegszustand heute eine Friedhofsruhe verbindet.

Bekannt sind einerseits Sendungen der „Ginbot 7“. Diese politische Gruppierung soll insgesamt ein eritreisches Produkt sein.

Zum anderen kamen aus Eritrea auch die in Berlin produzierten, ansonsten über die Kurzwellensender der Media Broadcast ausgestrahlten Sendungen der Oromo-Befreiungsfront OLF. Die letzte gemeldete Empfangsbeobachtung, seinerzeit morgens um 6.30 Uhr, stammt von 2016.

In Europa sind Hörfunk- und Fernsehprogramme aus Eritrea in erster Linie über Satellit zu empfangen. Im Internet betreibt das Informationsministerium in Asmara bis heute nur eine Textplattform.

Recht ironisch ist, wo die Übertragungen auf dem Badr 4 (26° Ost) läuft: In einem aus Jordanien gesendeten Multiplex zusammen mit Programmen des Auslandsrundfunks der USA, der sich zumindest bislang als Vorkämpfer der Medienfreiheit verstand.

Radio Bana, 5100 kHz
2009: Ein letzter Gruß ins Ausland | © Sammlung Mauro Giroletti

Bis 2009 war – ebenfalls auch auf Kurzwelle – noch ein weiterer Rundfunkveranstalter in Eritrea aktiv: Das Bildungsministerium mit seinem Radio Bana. Es verschwand in einer der Razzien, deren Beginn im Jahre 2001 den Absturz in die völlige Diktatur markierte.

In dieser Razzia wurde die gesamte Belegschaft von Radio Bana verhaftet. Ein Redaktionsmitglied befand sich nach damaligen Angaben von „Reporter ohne Grenzen“ auch ein Jahr später noch in Einzelhaft. Die Freilassungen zogen sich mindestens bis 2015 hin.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 05.07.2020