Brazzaville

Radio Congo auf 6115 kHz

Seit 2016 wieder weitgehend stabil läuft die Ausstrahlung von Radio Congo aus Brazzaville auf 6115 kHz und kann abends auch in Europa gehört werden. Die tägliche Abschaltung des Senders erfolgt jeweils zu einem willkürlichen Zeitpunkt, irgendwann zwischen etwa 21.00 und 22.30 Uhr MESZ (im Winterhalbjahr entsprechend 20.00 bzw. 21.30 Uhr MEZ).

Kongo/Brazzaville
Quelle: University of Texas

Die hier eingesetzte Sendetechnik wurde in Berlin angefertigt und 1989 als bundesdeutsche Entwicklungshilfe geliefert. Das ist ein Treppenwitz der Geschichte, denn das heutige Radio Congo geht auf Charles de Gaulle zurück, der Brazzaville im zweiten Weltkrieg zur Hauptstadt des „Freien Frankreich“ ausgerufen hatte.

Als „Stimme des Freien Frankreichs“ ging Radio Brazzaville 1940 auf Sendung. 1943 wurde die Station mit einem aus den USA beschafften Sender auf 50 kW verstärkt.

Die deutsche Besatzungsmacht in Frankreich reagierte auf die Sendungen mit einem Gegenprogramm, das die Forces françaises libres in Afrika in die Irre führen sollte. Dieses „falsche Radio Brazzaville“ wurde von 1942 bis 1944 über die Sendeanlage Allouis auf die Brazzaville-Frequenzen gelegt.

Mit der Unabhängigkeit der Republik Kongo im Jahre 1960 wurde ein Vertrag geschlossen, der Radio Brazzaville für weitere 20 Jahre in französischem Eigentum beließ. Die Sendeanlage erhielt drei weitere Sender (25-50 kW) der französischen Firma Thomson-Houston.

1964 führte eine Budgetkürzung zu Einschnitten beim Programm von Radio Brazzaville, verbunden mit der Entlassung von zwei Dritteln der Belegschaft. 1966 endeten die Eigenprogramme von Radio Brazzaville schließlich ganz. Die Kurzwellensender übertrugen fortan ausschließlich das Auslandsprogramm des damaligen französischen Rundfunks ORTF.

Nach einem Militärputsch im Jahre 1968 erwies sich der abgeschlossene Vertrag als wertlos. Die neu an die Macht gekommene Regierung in Brazzaville entzog Frankreich 1972 den Zugriff auf die Sender.

Ersatz gab es erst ab 1981 mit einer neuen Sendeanlage im benachbarten Gabun, die das kommerzielle Africa No. 1 wie auch Programme von Radio France Internationale verbreitete. Bis dahin standen dem französischen Auslandsrundfunk nur die Sender in Frankreich selbst zur Verfügung.

Kurzwellensender Telefunken
Kurzwellensender S 4001, hier in Berlin-Britz (Foto: Kai Ludwig)

Nach 1980 kam der Betrieb der Kurzwellensender in Brazzaville zum Erliegen. Im Frühjahr 1990 tauchte Radio Congo dann überraschend wieder auf verschiedenen, vom 90- bis 19-Meterband verstreuten Frequenzen auf.

Seinerzeit waren zwei neue Kurzwellensender mit jeweils 100 kW Leistung eingebaut worden. Zum Einsatz kam der Typ S 4001 der Berliner Firma Telefunken Sendertechnik.

In den 90er Jahren konnte Radio Congo auch in Europa praktisch allabendlich auf 4765 und, soweit nicht anderweitig belegt, auch 5985 kHz gehört werden. Später wurde die Frequenz 4765 kHz durch die jetzige, bereits 1990 als Alternative getestete 6115 kHz ersetzt.

Nach der Jahrtausendwende wurde der Kurzwellenbetrieb in Brazzaville immer unregelmäßiger und auf einen Sender beschränkt, der wohl stets auf 6115 kHz verbleibt. Beobachtungen über Umschaltungen auf eine höhere Tagfrequenz wie 9610 kHz gibt es nicht mehr.

Für Europa senden Radio Congo und Télé Congo über den Hotbird 13E (11,623 GHz v). Im Internet finden sich bislang zwar keine Vollpräsenzen, aber ein Youtube-Kanal.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 28.07.2018