Wieder hörbar

Auslandssendungen aus Angola

Wieder international zu hören sind die seit 1979 bestehenden Auslandssendungen von Radio Nacional de Angola. Klassische Rundfunktechniken sind dabei nicht mehr im Spiel. Auf Kurzwelle kommt aus Angola nur noch ein Inlandsprogramm im 60-Meterband.

Radio Nacional de Angola
Ein Sendestudio von Radio Nacional de Angola

Der Canal Internacional ist jetzt mit einer Onlineverbreitung ausgestattet. Das ermöglichte auch, sein aktuelles Programmschema zu ermitteln: 21.00-22.00 Uhr Englisch, 22.00-23.00 Uhr Lingala, 23.00-24.00 Uhr Französisch, 0.00-1.00 Uhr Portugiesisch.

Sonntags kommen die Sendungen jeweils eine Stunde später. Zusätzlich ergeben sich aus mitteleuropäischer Sicht während der Sommerzeit insgesamt eine Stunde spätere Sendezeiten.

Im Programm werden noch immer die Frequenzen 7215 und 7245 kHz angesagt. Sie sind jedoch schon seit etlichen Jahren abgeschaltet.

Eine terrestrische Ausstrahlung der Auslandssendungen gibt es, wenn überhaupt, nur noch mit geringer Leistung auf der Mittelwelle 945 kHz. Wenn die Frequenz in Betrieb ist, überträgt sie außerhalb der genannten Sendezeiten das in nativen Sprachen des Landes gestaltete Ngola Yetu.

Tatsächlich noch auf Kurzwelle verbreitet wird das portugiesischsprachige Leitprogramm Canal A. Die Frequenz 4950 kHz (in der Praxis eher 4949,8 kHz) läuft offensichtlich aber auch nur noch mit geringer Leistung. In Europa ist das Signal am Abend bestenfalls zu erahnen.

Warum nur noch dieser Restbetrieb möglich ist, verrät das Satellitenbild: Die mitten in Luanda liegende Sendestation wird bereits weitgehend überbaut und kann nur noch kleine Teile ihres einstigen Antennenparks nutzen.

River of Light, Frederic Edwin Church
Romantischer Blick auf die Tropen im 19. Jahrhundert: „The River of Light“ | © Frederic Edwin Church

Die Ausstrahlung auf 4950 kHz ist ein charakteristisches Beispiel für den „Rundfunk in Tropengebieten“, einem schon vor 1950 definierten Anwendungsfall. Er gilt für die Weltgegenden innerhalb der Wendekreise, nach gesonderter Vereinbarung der einzelnen Länder auch darüber hinaus bis zum 33. Breitengrad.

Hintergrund sind die starken atmosphärischen Störungen, die in den Tropen auf der Mittelwelle auftreten. Sender kleinerer Leistung können sich dort nur über geringe Entfernungen gegen den enormen Prasselteppich durchsetzen. Das zwang dazu, in den unteren Kurzwellenbereich auszuweichen.

„Rundfunk in Tropengebieten“ läuft in den Frequenzbereichen 2300-2495 kHz, 3200-3400 kHz sowie 4750-4995 und 5005-5060 kHz. Sie sind landläufig, in den letzten beiden Fällen zusammenfassend, als 120-, 90- bzw. 60-Meterband bekannt.

Vielfach wird auch das 75-Meterband von 3950 bis 4000 kHz zu den „Tropenbändern“ gezählt. Das ist allerdings nicht richtig: Dieser Frequenzbereich ist auch in Europa exklusiv dem Rundfunk zugeteilt. Er bietet vor allem für Winternächte eine Alternative zum 49-Meterband, das dann für geringe Entfernungen (bis zu 1000 km) unbrauchbar ist.

Die eigentlichen Tropenbänder waren in der Vergangenheit in Europa, aber auch in den Tropen selbst intensiv von anderen Funkanwendungen belegt. Zur offiziellen Mitnutzung durch den Rundfunk wurden ausschließlich Inlandsversorgungen vorgesehen, verbunden mit der Empfehlung, die Sendeleistung auf 10 bis höchstens 50 kW zu beschränken.

Schon nicht mehr um den eigentlichen „Rundfunk in Tropengebieten“ handelt es sich somit bei den Ausstrahlungen von Voice of America, Trans World Radio und Voice of Hope, die in den einschlägigen Frequenzbereichen aus São Tomé (4960 kHz), Botswana (4930 kHz), Swasiland (3200, 3240, 4775 kHz) und Sambia (4965 kHz) kommen.

Darüber hinaus behielten sich China und die Sowjetunion bereits ab 1956 vor, diese Frequenzbereiche ebenfalls für Rundfunksendungen zu nutzen. Neben Inlandsprogrammen (darunter bis in die 90er Jahre eines aus Kiew auf 4940 kHz) wurden dabei auch hier Auslandsprogramme übertragen.

So kamen bis in die 90er Jahre auch die deutschsprachigen Sendungen aus Moskau und Kiew im 60-Meterband, meist über eine Sendestation bei Charkow. In Armenien endeten die Auslandssendungen auf 4810 kHz sogar erst 2018.

Viele Kurzwellenfans empfanden diese Ausstrahlungen als unerwünscht. Seinen Höhepunkt erreichte der Unmut, als in den 90er Jahren auch noch dem umtriebigen Radio Nederland Wereldomroep die Idee kam, die Auffindbarkeit seines englischen Programms in Afrika mit einer Frequenz im 60-Meterband zu verbessern.

In den Niederlanden selbst war das weder genehmigungsfähig noch überhaupt technisch möglich. Mit der Ausstrahlung auf 4920 kHz beauftragt wurde deshalb die südrussische Sendestation Tbilisskaja.

Danish Shortwave Club International
Publikationen des DSWCI | © Jonathan Marks

Einstiger Treffpunkt des harten Kerns der Tropenbandfans war der Danish Shortwave Club International. Er hatte sich wegen Überalterung und dem sich abzeichnenden Ende dieses Hobbys 2016 aufgelöst.

Bekannt waren die statistischen Erhebungen des Clubs. Diese führten 2003 bereits zu 2014 als dem Jahr, in dem der „Rundfunk in Tropengebieten“ voraussichtlich verschwinden werde.

Das war, wie man nun weiß, doch etwas voreilig. Auch auf DSWCI.org erscheinen gelegentlich noch neue Beiträge zum Thema Tropenband.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 14.03.2021