Tropenbänder

Luanda auf 4950 kHz

Angola gehört mit Madagaskar und Äquatorial-Guinea zu den afrikanischen Ländern, deren staatliche Rundfunkanstalten bis heute Sender der Kategorie „Rundfunk in Tropengebieten“ betreiben. In der Vergangenheit war der Empfang solcher Sender die Königsdisziplin des Kurzwellenhobbys.

Radio Nacional de Angola
Ein Sendestudio von Radio Nacional de Angola

In Angola weiterhin auf 4950 kHz übertragen wird die Leitwelle von Radio Nacional. Entgegen der früheren Praxis verbleibt der Sender jetzt rund um die Uhr auf dieser Frequenz. Eine Umschaltung auf höhere Tagfrequenzen findet nicht mehr statt.

Dabei liegt die Trägerfrequenz stets 200 bis 250 Hertz unter dem Sollwert. Der Sender arbeitet offensichtlich auch nur noch mit stark reduzierter Leistung oder/und schlechtem Wirkungsgrad der Antenne; in Europa ist das Signal am Abend inzwischen bestenfalls zu erahnen.

Den Grund zeigen Satellitenbilder auf den ersten Blick: Die inmitten des Stadtgebiets von Luanda liegende Sendestation steht massiv unter Druck. Größere Teile des einstigen Antennengeländes werden bereits überbaut.

Neben der Kurzwelle 4950 kHz sind hier inzwischen nur noch zwei Mittelwellen mit ähnlich geringer Leistung in Betrieb. Außer dem „A“-Kanal läuft dort Radio N’gola yetu, ein der traditionellen afrikanischen Kultur gewidmetes Programm.

Abends sollen auf Radio N’gola yetu noch immer die 1979 gestarteten Auslandssendungen kommen. Nach dem Verlust der einst hierfür genutzten Kurzwellenfrequenzen bewirken sie auf der mit bestenfalls 25 kW betriebenen Mittelwelle natürlich nichts mehr.

Das gilt insbesondere, da der 2016 aus unbekannten Gründen zunächst abgeschaltete und bis heute nur in sehr langsamem Wiederaufbau begriffene Internetauftritt zwar inzwischen wieder einige Livestreams bietet. Radio N’gola yetu wurde dabei aber noch nicht aufgeschaltet.

Über die Programme aus dem Funkhaus Luanda hinaus ist auf rna.ao auch schon eine ggf. später folgende Übertragung des Programms aus Benguela vorgemerkt. Die dortige Rundfunkstation war bis in die 90er Jahre ebenfalls öfters bis nach Europa zu erahnen; seinerzeit auf 5041 kHz.

Zwei Programme von Radio Nacional de Angola werden von Eutelsat für Europa auf 7° West umgesetzt. Sie laufen dort auf 11,221 GHz h zusammen mit einem Auslandsprogramm der Schwesteranstalt Televisão Pública de Angola.

River of Light, Frederic Edwin Church
Romantischer Blick auf die Tropen im 19. Jahrhundert: „The River of Light“ | © Frederic Edwin Church

Die Ausstrahlung auf 4950 kHz ist ein charakteristisches Beispiel für den „Rundfunk in Tropengebieten“, einem schon vor 1950 definierten Anwendungsfall. Er gilt für die Weltgegenden innerhalb der Wendekreise, nach gesonderter Vereinbarung der einzelnen Länder auch darüber hinaus bis zum 33. Breitengrad.

Hintergrund sind die starken atmosphärischen Störungen, die in den Tropen auf der Mittelwelle auftreten. Sender kleinerer Leistung können sich dort nur über geringe Entfernungen gegen den enormen Prasselteppich durchsetzen. Das zwang dazu, in den unteren Kurzwellenbereich auszuweichen.

„Rundfunk in Tropengebieten“ läuft in den Frequenzbereichen 2300-2495 kHz, 3200-3400 kHz sowie 4750-4995 und 5005-5060 kHz. Sie sind landläufig, in den letzten beiden Fällen zusammenfassend, als 120-, 90- bzw. 60-Meterband bekannt.

Vielfach wird auch das 75-Meterband von 3950 bis 4000 kHz zu den „Tropenbändern“ gezählt. Das ist allerdings nicht richtig: Dieser Frequenzbereich ist auch in Europa exklusiv dem Rundfunk zugeteilt. Er bietet vor allem für Winternächte eine Alternative zum 49-Meterband, das dann für geringe Entfernungen (bis zu 1000 km) unbrauchbar ist.

Die eigentlichen Tropenbänder waren in der Vergangenheit in Europa, aber auch in den Tropen selbst intensiv von anderen Funkanwendungen belegt. Zur offiziellen Mitnutzung durch den Rundfunk wurden ausschließlich Inlandsversorgungen vorgesehen, verbunden mit der Empfehlung, die Sendeleistung auf 10 bis höchstens 50 kW zu beschränken.

Schon nicht mehr um den eigentlichen „Rundfunk in Tropengebieten“ handelt es sich somit bei den Ausstrahlungen von Voice of America, Trans World Radio und Voice of Hope, die in den einschlägigen Frequenzbereichen aus São Tomé (4960 kHz), Botswana (4930 kHz), Swasiland (3200, 3240, 4775 kHz) und Sambia (4965 kHz) kommen.

Darüber hinaus behielten sich China und die Sowjetunion bereits ab 1956 vor, diese Frequenzbereiche ebenfalls für Rundfunksendungen zu nutzen. Neben Inlandsprogrammen (darunter bis in die 90er Jahre eines aus Kiew auf 4940 kHz) wurden dabei auch hier Auslandsprogramme übertragen.

So kamen bis in die 90er Jahre auch die deutschsprachigen Sendungen aus Moskau und Kiew im 60-Meterband, meist über eine Sendestation bei Charkow. In Armenien endeten die Auslandssendungen auf 4810 kHz sogar erst 2018.

Viele Kurzwellenfans empfanden diese Ausstrahlungen als unerwünscht. Seinen Höhepunkt erreichte der Unmut, als in den 90er Jahren auch noch dem umtriebigen Radio Nederland Wereldomroep die Idee kam, die Auffindbarkeit seines englischen Programms in Afrika mit einer Frequenz im 60-Meterband zu verbessern.

In den Niederlanden selbst war das weder genehmigungsfähig noch überhaupt technisch möglich. Mit der Ausstrahlung auf 4920 kHz beauftragt wurde deshalb die südrussische Sendestation Tbilisskaja.

Danish Shortwave Club International
Publikationen des DSWCI | © Jonathan Marks

Einstiger Treffpunkt des harten Kerns der Tropenbandfans war der Danish Shortwave Club International. Er hatte sich wegen Überalterung und dem sich abzeichnenden Ende dieses Hobbys 2016 aufgelöst.

Bekannt waren die statistischen Erhebungen des Clubs. Diese führten 2003 bereits zu 2014 als dem Jahr, in dem der „Rundfunk in Tropengebieten“ voraussichtlich verschwinden werde.

Das war, wie sich inzwischen zeigte, doch etwas voreilig. Auch auf dswci.org erscheinen gelegentlich noch neue Beiträge, so gerade die Trends in tropical bands broadcasting 2018.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 28.07.2019