Rückblick

31. Dezember 1991

Zu deren 25. Jahrestag sei hier erneut an eine rundfunkgeschichtliche Zäsur erinnert, die weltweit einmalig ist und als dauerhafte Schwächung des öffentlich finanzierten Rundfunks in Deutschland zu bewerten sein dürfte.

Fernsehzentrum Adlershof
Der frühere, inzwischen verbaute Blick von der Rudower Chaussee auf den „Uhrenturm“ des DFF (Foto: Kai Ludwig, 2011) | © Kai Ludwig

Die Rede ist von der vollständigen Liquidierung der in der DDR begründeten Rundfunkstrukturen.

Nebenstehend verlinkt ist ein Artikel zu diesem Thema, der auf entsprechenden Wunsch vor fünf Jahren kurzfristig entstand. Dabei war es nicht möglich, jedes Detail in der wünschenswerten Präzision zu erfassen, was an den grundsätzlichen Zusammenhängen allerdings nichts ändert.

Gleichwohl ergaben sich in der Zwischenzeit neue Nuancen der Betrachtung. So fokussiert sich der Blick nicht mehr allein auf Rudolf Mühlfenzl († 2000), seit sich ein Mitarbeiter seines damaligen Stabs publizistisch exponiert. Gemeint ist Roland Tichy.

Nicht konkret genannt, sondern nur angedeutet werden kann eine weitere neue Nuance: Erstaunen darüber, aus wessen Mund die private Meinung „der MDR hätte nie gegründet werden dürfen“ zu hören war.

Das bezog sich zunächst einmal auf Strukturfragen, hat aber auch eine größere Dimension. Zu denken ist etwa an das Drama der Kunst- und Kulturstadt Dresden. Dort wären Stimmen von Berliner Redaktionen dringend nötig gewesen, wie umgekehrt auch eine Dresdner Präsenz in Berliner Medien.

Änderungen gab es in den letzten Jahren aber auch an den einstigen Standorten von Hörfunk und Fernsehen in Berlin-Schöneweide bzw. Berlin-Adlershof.

Beim Funkhauskomplex in der Nalepastraße wechselten die Blöcke A und B erneut den Besitzer, was seit 2015 seinen Niederschlag in Umbauten findet. Der Block E seinerseits, über zwei Jahrzehnte ein Anziehungspunkt für Vandalismus und „urban exploration“, wurde bis zurück zum Rohbau „entkernt“ – wozu, bleibt einstweilen unklar.

In Adlershof wiederum begann eine Überbauung des Wiesengeländes, das den Standort der abgebrochenen, für den eigentlichen Sendebetrieb des Fernsehens der DDR bzw. Deutschen Fernsehfunks genutzten Gebäude (in Abgrenzung zu den großen Produktionsstudios) anzeigt.

Überdies entstand entlang der Rudower Chaussee ein Neubauriegel. Er entzieht die dahinter liegenden Fernsehgebäude jetzt weitgehend dem Blick von dieser Straße, unter der das Gelände bekannt war, obwohl es später entlang der damaligen Agastraße (heute „Am Studio“) weiterwuchs.

Für einen tieferen Einblick empfiehlt sich „Ost-Fernsehen“, eine zweiteilige Dokumentation in eigener Sache. Neben den „belastenden Aufnahmen“ (so Pittiplatsch) enthält sie auch Ausschnitte aus Interviews, unter anderem mit Erich Selbmann († 2006), dessen Einsichten in den letzten Jahren erheblich an Aktualität gewonnen haben.

Durch das Internet geistern Kopien eines VHS-Mitschnitts der ursprünglichen Ausstrahlung in den allerletzten Tagen des DFF. Hier darf man nur nicht den verbreiteten Fehler begehen, ausschließlich das führende Videoportal zu befragen.

Wer sich nicht damit begnügen möchte, findet die Produktion inzwischen auch auf DVD im Icestorm-Programm. Dies gilt leider bis heute nicht für den mit zur Sprache kommenden Film „Geschlossene Gesellschaft“, der für das Adlershofer Fernsehen schicksalhaft war und (leider) nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Für den Hörfunk empfiehlt sich ein Blick auf das hier ebenfalls verlinkte Internetangebot. Dort findet sich auch der Verweis auf ein Video, das Gerhard Gundermann († 1998) und Barbara Thalheim bei einem Besuch im bereits toten, wenn auch noch nicht verwüsteten Block E zeigt:

- „Ist das alles furchtbar!“
- „Eigentlich kann man das nicht sehen. Man muss es sehen, aber ich will's eigentlich nicht sehen.“
- „Und das war ein Neubau ...“

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 31.12.2016