8. September 2019

Rundfunkobjekte beim „Tag des offenen Denkmals“

Der jährliche „Tag des offenen Denkmals“ öffnet auch am 8. September 2019 wieder Schauplätze der Rundfunkgeschichte zur Besichtigung. In Wilsdruff, wo das einstweilen nicht möglich ist, wird es stattdessen als Sonderaktion nach sechs Jahren wieder etwas auf der Mittelwelle 1044 kHz zu hören geben.

Sender Wiederau
Mittelwellensender aus dem Jahre 1939 in Wiederau, 2010 noch mit Senderöhren (Foto: Kai Ludwig)

Von 10.00 bis 15.00 Uhr besichtigt weren kann am 8. September 2019 die alte Mittelwellenanlage Wiederau.

Sie ist ein Beispiel dafür, wie schwierig die Erhaltung solcher Zeitzeugen ist: Von 2001 bis 2013 waren die alten Röhrensenderanlagen weitgehend sich selbst überlassen geblieben. In dieser Zeit kam es zu einem Einbruch von offensichtlichen „Liebhabern“, die es auf die Senderöhren abgesehen hatten.

Senderöhre in Wiederau
Eine der gestohlenen Senderöhren in Wiederau (Foto: Kai Ludwig; 2010)
Sender Wiederau
Beim Diebstahl der Röhren beschädigter Sender in Wiederau (Foto: Kai Ludwig; 2015)
Sender Wiederau
Dieser 1963 eingebaute Sender wurde ebenfalls geplündert. (Foto: Kai Ludwig; 2015)


Laut Vermerk auf funkstadt-nauen.de kann von 10.00 bis 16.00 Uhr auch wieder die Sendestation Nauen besichtigt werden. Was es dort zu sehen gibt, zeigt ein Besuchsbericht von 2005.

Das gilt natürlich nicht für den Informationsstand der Deutschen Welle, der hier letztmalig 2010 aufgebaut wurde. Die 1997 für die DW eingebaute Sendetechnik allerdings ist für andere Kunden bis heute in Betrieb.

Sender Nauen
Sendestation Nauen (Foto: Christian Schubert)


Nicht mehr in Betrieb ist das Sendergebäude Felsberg bei Saarlouis, das auch schon für die alte Sendetechnik völlig überdimensioniert war. Seit 2015 kommt das Sendesignal von Europe 1 auf 183 kHz aus einem unscheinbaren Kleinbau direkt bei der heutigen Hauptantenne, der früheren abgesetzten Reserveantenne.

Die damit funktionslos gewordene Senderhalle ist seit 2016 im Eigentum der Gemeinde Überherrn, die hierzu das Schlagwort „Kathedrale der Wellen“ formulierte. Am 8. September 2019 werden zwischen 14.00 und 17.00 Uhr Rundgänge angeboten.

Sender Felsberg
Sendersaal Felsberg, Zustand 2016 (Quelle: SR)


Weiterhin keine Beteiligung am „Tag des offenen Denkmals“ mehr vorgesehen ist beim Funkhaus Nalepastraße in Berlin-Oberschöneweide. Hier hatte die Veranstaltung des Jahres 2007 eine Reihe früherer Mitarbeiter und Anhänger dazu gebracht, sich erstmals nach 1993 wieder einmal hier einzufinden.

Besichtigungen des Objekts, in dem heute vor allem Englisch zu hören ist, werden über ddr-funkhaustour.de angeboten. Selbstverständlich ist die Erhaltung der hochwertigen Aufnahmesäle tatsächlich nicht, wie sich gerade in Moskau auf dramatische Weise zeigt.

Nalepastraße, Saal 1
2007: Sichtlich beeindruckte Besucher im Saal 1 des Funkhauses Nalepastraße | © Kai Ludwig


Erst recht keine Selbstverständlichkeit ist die Erhaltung des Mittelwellensenders Wilsdruff und seines Hauptmastes (die kleineren Antennen wurden bereits illegal abgerissen), der ein Lehrbuchbeispiel dafür bietet, was man unter einer „Landmarke“ versteht. Nach der Aufgabe der alten Röhrensender wurde die Station verkauft und ist seitdem unzugänglich.

Trotzdem soll der „Tag des offenen Denkmals“ dafür genutzt worden, die Bemühungen zur Erhaltung der Sendestation weiter voranzubringen. Dafür wird es mit offizieller Lizenz am 8. September ab 10.00 Uhr erstmals nach sechs Jahren wieder eine Ausstrahlung auf 1044 kHz geben.

Auch für diese Aktion ist allerdings die Antenne vorerst nicht zugänglich (die Sendetechnik selbst war kurz nach der Einstellung des Betriebs ausgebaut worden). Möglich ist nur der Einsatz eines Kleinstsenders außerhalb des Stationsgeländes, der nur in einem geringen Umkreis brauchbar zu empfangen sein wird.

Einige aktuelle Berichte über die Aktivitäten des Fördervereins in Wilsdruff finden sich hier.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 24.08.2019