Vilseck 1107 kHz

Letzter deutscher Mittelwellensender stillgelegt

Seit dem späten Nachmittag des 31. Oktober 2016 ist das Sendesignal des American Forces Network auf 1107 kHz verschwunden. Diesmal handelt es sich nicht um einen der häufigen Sendeausfälle, die den Mittelwellensender in Vilseck auszeichneten, denn die endgültige Abschaltung war bereits für den vorangegangenen Freitag, den 28. Oktober, ca. 10.00 Uhr, angekündigt.

„AFN Bavaria Discontinues AM Channle“ (sic)
http://www.bavaria.army.mil/calendar/facilities.html

Der Sender in Vilseck war der letzte Mittelwellen-Rundfunksender in Deutschland. Als vorletzter Sender war zuvor der Kleinsender des AFN in Mönchengladbach, der bis dahin auf 1143 kHz gearbeitet hatte, am 27. Januar 2016 abgeschaltet worden. Eine breite Öffentlichkeit hatte diese beiden Sender bereits nicht mehr wahrgenommen.

Weite Verbreitung fand somit das unrichtige Narrativ „die Mittelwelle wurde in Deutschland am 31. Dezember 2015 abgeschaltet“. Es rührte aus der Einstellung der Mittelwellenverbreitung des Deutschlandfunks; ein Thema, das selbst für das Empfinden des Autors dieses Berichts kampagnenartig breitgetreten worden war.

Der Mittelwellensender Vilseck war zugleich einer der jüngsten in Deutschland. Er entstand erst 2008 als Ersatz für eine bis dahin genutzte Sendeanlage in Grafenwöhr. Diese stand im dortigen Wohngebiet der US-Streitkräfte, nur 100 Meter entfernt von den Gebäuden.

Bei Bauarbeiten war das Erdnetz der Mittelwellenantenne in Grafenwöhr beschädigt worden. Sie arbeitete dadurch nicht mehr korrekt und erzeugte im unmittelbaren Nahbereich ein überstarkes Signal. Dies wiederum störte insbesondere den Betrieb von DSL-Leitungen massiv.

Für 100.000 US-Dollar ließen die US-Streitkräfte eine Studie erarbeiten, die eine Lösung für dieses Problem aufzeigte. Sie sah vor, für 1,4 Millionen Dollar (nach damaligem Kurs ca. 1 Million Euro) den Sender in Grafenwöhr zu demontieren und durch eine neue Sendeanlage in Vilseck zu ersetzen.

Diese fand ihren Platz in einer abgelegenen Ecke des Geländes der Rose-Kaserne, in der auch das dortige Lokalstudio des AFN („AFN Bavaria“) untergebracht ist. Aufgebaut wurden ein 65 Meter hoher Antennenmast und Sendetechnik mit 10 kW Leistung.

Sender Vilseck
Mittelwellensender Vilseck (Foto anonym via Wikipedia)

Nur fünf Jahre später begann das AFN seinen Rückzug aus dem Verbreitungsweg Mittelwelle. Am 31. Mai 2013 wurde die Großmittelwelle Oberursel-Weißkirchen 873 kHz abgeschaltet. Auch hier hatte es erst 2008 und nochmals 2011/2012 größere Investitionen in die Sendeanlage gegeben.

Sender Weißkirchen
Mittelwellensender Oberursel-Weißkirchen, inzwischen abgerissen (Foto: Kai Ludwig)

Die nächste Abschaltung einer AFN-Mittelwelle, die nicht Folge einer Garnisonsschließung war, folgte am 7. März 2014 mit dem Sender Hirschlanden bei Stuttgart (1143 kHz). Diese Anlage hatte die damalige Bundespost 1963 in Betrieb genommen. Sie war vom AFN eigentlich schon zum 1. Februar 2014 bei der Media Broadcast abgekündigt worden.

Sender Hirschlanden
Mittelwellensender Ditzingen-Hirschlanden, inzwischen abgerissen (Foto: Dr. Hansjörg Biener)

Am 31. August 2014 folgte die Abschaltung des Senders in Otterbach-Sambach bei Kaiserslautern (1107 kHz). Hier unterzog sich das AFN der Mühe, in den letzten zwei Tagen noch eine gut zweiminütige Schleife zu übertragen, die den Schritt als Teil eines Maßnahmepakets zur kurzfristigen Einsparung von 60 Millionen Dollar rechtfertigte.

Sender Otterbach-Sambach
Mittelwellensender Otterbach-Sambach (Foto unter Pseudonym „Hunnfried“ via Wikipedia)

Im Frühjahr 2015 endeten die Ausstrahlungen des AFN über einen Kleinsender (1 kW) in Spangdahlem auf 1143 kHz. Diese Sendeanlage brachte es damit sogar nur auf eine Betriebszeit von zwei Jahren; sie hatte erst 2013 den Mittelwellensender am Flugplatz Bitburg abgelöst.

Drittletzter Schließungsschritt war dann Ende August 2015 die Abschaltung der drei Kleinsender auf 1485 kHz (jeweils 0,3 kW) in Ansbach-Katterbach, Hohenfels und Garmisch-Partenkirchen. Letzterer war wiederum erst 2009 aufgebaut worden, um die AFN-Mittelwelle in Garmisch-Partenkirchen nach anderthalb Jahrzehnten zu reaktivieren.

Sender Ansbach-Katterbach
Mittelwellensender Ansbach-Katterbach (Foto: Erich Bergmann)

Die anderen Mittelwellensender des AFN in Deutschland (deren Zahl erreichte zeitweise nahezu dreißig) waren mit dem Abzug der US-Streitkräfte von den jeweiligen Standorten entfallen. In den letzten Jahren betraf dies die Frequenz 1143 kHz in Würzburg (2008), Bamberg (2013) und Heidelberg-Wieblingen (2014).

Sender Heidelberg-Wieblingen
Mittelwellen- und UKW-Sender Heidelberg-Wieblingen (Foto anonym via Wikipedia)

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 01.11.2016