24. Dezember 2020

Für den NDR geplante Kurzwellen

Auch 2020 hat die Media Broadcast wieder eine Kurzwellenübertragung der Sendung für Seeleute eingeplant, die der Norddeutsche Rundfunk am Heiligabend ausstrahlt. An diesem einen Abend im Jahr ersetzt der NDR das deutsche Hörfunkprogramm der Deutschen Welle, das 2011 eingestellt wurde.

Frohes Fest
Studio im RBB-Radiohaus Babelsberg, 2002 | © Kai Ludwig

Den Auftakt gab 2012 zunächst eine klassische Nachnutzung der früheren DW-Sender in Deutschland. Nachdem die Großstation Wertachtal bei Buchloe nicht mehr zu halten war, bindet die Media Broadcast bei der jährlichen NDR-Sendung auch TDF und ORS mit ihren Kurzwellensendern in Frankreich und Österreich mit ein.

2015 legte der NDR seine eigenen Mittelwellensender still. Damit kamen als weitere Seegebiete, die am Heiligabend auf Kurzwelle zu versorgen sind, die Ostsee und Nordsee hinzu. Dafür einbezogen wird seit 2016 als dritter Partner die armenische Radio GmbH.

Hintergrund dieser Ausstrahlung aus Armenien zurück in die Seegebiete bei Mittel- und Westeuropa ist ein besonderes Phänomen der Kurzwellenausbreitung: Oberhalb einer bestimmten Frequenz werden nur noch flach in die obere Atmosphäre einfallende Signale zurück zur Erde reflektiert.

Getreu dem Lehrsatz „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ ist ein guter Empfang dadurch erst ab einer bestimmten Mindestentfernung möglich. Die näheren Bereiche um den Sender, in denen er nur schlecht oder sogar überhaupt nicht zu empfangen ist, werden als „tote Zone“ bezeichnet.

Deren Ausdehnung hängt außer von der Frequenz auch von der Jahres- und Tageszeit ab. Im 49-Meterband (5900 bis 6200 kHz) ist tagsüber und in Sommernächten keine tote Zone vorhanden, weshalb dieser Frequenzbereich gern für Sendungen in die Nachbarländer verwendet wurde und als „Europaband“ bekannt war.

In Winternächten bildet sich jedoch auch im 49-Meterband eine tote Zone, die mehr als 1000 Kilometer weit sein kann. Deshalb ist auch in Europa zusätzlich das niedrigere 75-Meterband vorgesehen. Von dessen traditionellen Belegungen ist heute noch die BBC-Frequenz 3955 kHz mit einem digitalen Pilotprojekt sowie Sendungen des Korean Broadcasting System aktiv.

Die Heiligabend-Sendung des NDR war in den letzten Jahren ein Zusammenschnitt aus zwei öffentlichen Veranstaltungen in Leer und Hamburg. 2020 wird es sich aus dem hinlänglich bekannten Grund um eine Studioproduktion handeln.

Die Kurzwellenausstrahlung von NDR Info läuft insgesamt von 20.00 bis 24.00 Uhr. Sie enthält auch eine Gottesdienstübertragung sowie die üblichen Nachrichten.

Zur Vereinfachung der Frequenzplanung wird die Übertragung in zwei Teilen realisiert. Mit einer Ausnahme erfolgt um 22.00 Uhr jeweils eine Umschaltung auf eine andere, hier jeweils als zweite genannte Frequenz. 2020 soll das so aussehen:

Nauen (Brandenburg), 125 kW Richtung nördlicher Atlantik:
6080 kHz / 6145 kHz
Nauen (Brandenburg), 125 kW Richtung westlicher Indischer Ozean:
9740 kHz / 9740 kHz
Moosbrunn (Österreich), 100 kW Richtung östlicher Indischer Ozean:
9570 kHz / 9675 kHz
Issoudun (Frankreich), 250 kW Richtung südwestl. Indischer Ozean:
9800 kHz / 9590 kHz
Issoudun (Frankreich), 250 kW Richtung südlicher Atlantik:
11650 kHz / 9830 kHz
Gawar (Armenien), 100 kW Richtung Ostsee und Nordsee:
6030 kHz / 6155 kHz

Die unterschiedlichen Sendeleistungen deuten auf die unterschiedliche Ausgestaltung der Anlagen. In Moosbrunn und Gawar handelt es sich um klassische Sendestationen mit einem zentralen Technikgebäude, in dem auch „kleine“ Sender mit 100 kW vorhanden sind.

Dabei verfügt die kleine Station Moosbrunn auch nur über einen eingeschränkten Antennenpark. Für Sendungen in größere Entfernungen steht neben der im Laufe des Abends bereits belegten drehbaren Antenne noch eine feste Vorhangantenne für west-/östliche Abstrahlrichtungen zur Verfügung.

In Nauen und Issoudun wiederum sind feste Kombinationen aus einer drehbaren Antenne und einem jeweils 500 kW starken Sender vorhanden. In Nauen handelt es sich um Sender der letzten Telefunken-Bauart, die auch eine Schaltstufe „25 Prozent“ aufweisen.

Die Thomson-Sender in Issoudun können hingegen ohne besondere Eingriffe nur auf halbe Leistung zurückgeschaltet werden. Zweckmäßigerweise wird diese höhere Sendeleistung für die weit entfernten Zielgebiete der südlichen Umfahrung von Afrika und des südlichen Atlantiks genutzt.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 20.10.2020