Radio Kairo

Situation des (Kurzwellen-) Rundfunks in Ägypten

Der staatliche Rundfunk in Ägypten betreibt seit vielen Jahren auch Auslandshörfunk auf Kurzwelle. Ausstrahlungen in brauchbarer Qualität beschränken sich dabei inzwischen aber weitgehend auf ganz spezielle Zulieferungen: Sendungen des Geheimdienstes zur Führung seiner Agenten im Ausland.

Egypt's media is following the regime script so closely & literally re Morsi's death that one TV news anchor, reading from a teleprompter, ended their report with "Sent from a Samsung device"
Zu dieser Anekdote siehe ganz unten. | © Twitter

In den letzten Wochen wurden diese Sendungen immer wieder zwischen etwa 9.30 und 11.30 Uhr MESZ auf 9400 oder 9550 kHz gemeldet. Hier findet sich unter dem Stichwort „E25b“ ein Mitschnitt, der auch die typische ägyptische Musik enthält, die außerhalb der Sprachnachrichten in diesen Sendungen läuft.

Ein Bericht von 2016 illustriert das Kapitel über diese Sendungen gleich mit Satellitenbildern der Kurzwellen-Sendeanlagen von Radio Kairo. An die dort übliche Übertragungsqualität erinnern auch die Mitschnitte zweier früherer Varianten der Geheimdienstsendungen in Arabisch und Englisch.

Die Besonderheit liegt dabei im Einsatz von Rundfunksendern für diesen Zweck. Der Regelfall sind (waren) eigene Sendeanlagen der Geheimdienste. Das galt auch für das Ministerium für Staatssicherheit, das in Zeesen eine Kurzwellenstation mit 32 Sendern betrieb, davon vier mit einer Leistung von jeweils 25 kW.

Bis 1945 wurden aus Zeesen Rundfunksendungen ausgestrahlt, ab 1936 auch mit acht Sendern auf Kurzwelle. Diese Technik wurde noch 1945 demontiert und in die Sowjetunion verbracht. Zwei der Sender gelangten nach Litauen, wo eines dieser Geräte, inzwischen stark modifiziert, bis nach der Jahrtausendwende im Einsatz blieb.

Die Belegung des Geländes in Zeesen durch das MfS verhinderte dessen erneute Nutzung durch die Post. Beim Aufbau des Sendernetzes für Radio Berlin International wich sie deshalb nach Nauen aus und nahm dort 1958 den ersten Rundfunksender mit 50 kW in Betrieb. Bis dahin waren in Nauen ausschließlich andere Funkdienste angesiedelt.

An die Sendungen der Hauptverwaltung Aufklärung erinnern die erhaltenen Exemplare des zuletzt für die Funksprüche verwendeten Gerät 32620. Es wurde offenbar auch nach Polen, in die Sowjetunion und nach Kuba geliefert.
 

Die eigentlichen Rundfunksendungen von Radio Kairo gehen inzwischen kaum noch in brauchbarer Form über die Antenne. Vielfach kommt es zum Totalausfall, oder es erscheint nur ein stummes Trägersignal.

Geplant sind im Sommerhalbjahr 2019 schon nur noch Sendungen für elf Stunden am Tag nach diesem Schema (Zeiten in MESZ):

17.00-18.00 Uhr: 9705 kHz; Albanisch
18.00-19.00 Uhr: 15450 kHz; Afar
19.00-21.00 Uhr: 9800 kHz; Türkisch
19.00-21.00 Uhr: 15285 kHz; Somalisch, Amharisch
20.00-21.00 Uhr: 9490 kHz; Italienisch
21.00-22.00 Uhr: 9570 kHz; Deutsch
21.00-22.00 Uhr: 9665 kHz; Russisch
21.00-22.30 Uhr: 15290 kHz; Englisch
22.00-23.15 Uhr: 9895 kHz; Französisch
23.15-00.45 Uhr: 9900 kHz; Englisch
00.15-01.30 Uhr: 9720 kHz; Portugiesisch
01.30-02.45 Uhr: 9660 kHz; Arabisch
02.45-04.00 Uhr: 9665 kHz; Spanisch

Von vielen anderen Sendungen wurde schon länger nichts mehr gehört. Das betrifft auch jene in der ostafrikanischen Sprache Suaheli, international bekannt als Swahili, die auf egradio.eg nach wie vor als Schaltfläche erscheint. Dahinter verbirgt sich einer der Streams im obsoleten, inzwischen von Endgeräten und Webbrowsern kaum noch unterstützten Flash-Format.

Zumindest vor einiger Zeit lief über diesen Stream auch die deutsche Sendung um 21.00 Uhr. Das war die letzte noch verbliebene Empfangsmöglichkeit, nachdem die Hotbird-Übertragung der fremdsprachigen Auslandssendungen vor Jahren entfallen ist. Auf Kurzwelle ging schon seit Jahrzehnten nur so etwas über den Sender:

Sendungen in deutscher Sprache wurden aus Kairo erstmals im Zweiten Weltkrieg unter britischer Kontrolle ausgestrahlt. In ihrer heutigen Ausprägung begannen sie 1958 im Zuge eines massiven Ausbaus des Auslandshörfunks. Den Anstoß dazu gab die führende Rolle, die Gamal Abdel Nasser für Ägypten in Anspruch nahm.

2011 bekamen die Sendungen, die seinerzeit noch über Hotbird liefen, eine sehr positive Einschätzung von Unterstützern deutschsprachiger Medien (hier nachzulesen unter „Sligo“, 05.02.2011, 21.33 Uhr):

„Trotz der chaotischen Zustände in den Straßen der ägyptischen Hauptstadt sendet der staatliche Auslandsrundfunksender Radio Kairo ungestört weiter – und zwar erstaunlich neutral. [...] Die Sendungen hören sich teils etwas amateurhaft und chaotisch an. Dadurch spiegeln sie aber gut die Lage im Land wider und wirken sehr authentisch.“


Wie es heute um die Medien in Ägypten bestellt ist, zeigt gerade deren Umgang mit dem Tod von Mohammad Mursi. Ein Fernsehsender soll, womöglich nicht einmal versehentlich, die ihm zugeschickte Argumentation komplett mit der Werbezeile verlesen haben, die das Endgerät der Regierungsstelle beim Absenden zugesetzt hatte.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 19.06.2019