Radio Kairo

Kurzwellentechnik in Ägypten kaum noch betriebsfähig

Über Jahrzehnte waren die Kurzwellensendungen aus Ägypten für extreme, oft bis zur völligen Unverständlichkeit gehende Verzerrungen berüchtigt. Seit 2016 hat sich hier nun etwas geändert: Vielfach kommt es jetzt zum Totalausfall, entweder des gesamten HF-Signals oder zumindest der Modulation.

Funkhaus Kairo
In den 80er Jahren vom ägyptischen Rundfunk ERTU verschicktes Foto des Funkhauses in Kairo.

Wenn doch einmal Sendesignale erscheinen, dann geschieht das im Sommerhalbjahr 2019 nach diesem Schema (Zeitangaben in MESZ):

17.00-18.00 Uhr: 9705 kHz; Albanisch
18.00-19.00 Uhr: 15450 kHz; Afar
19.00-21.00 Uhr: 9800 kHz; Türkisch
19.00-21.00 Uhr: 15285 kHz; Somalisch, Amharisch
20.00-21.00 Uhr: 9490 kHz; Italienisch
21.00-22.00 Uhr: 9570 kHz; Deutsch
21.00-22.00 Uhr: 9665 kHz; Russisch
21.00-22.30 Uhr: 15290 kHz; Englisch
22.00-23.15 Uhr: 9895 kHz; Französisch
23.15-00.45 Uhr: 9900 kHz; Englisch
00.15-01.30 Uhr: 9720 kHz; Portugiesisch
01.30-02.45 Uhr: 9660 kHz; Arabisch
02.45-04.00 Uhr: 9665 kHz; Spanisch

Von vielen anderen Sendungen wurde schon länger nichts mehr gehört. Das betrifft auch jene in der ostafrikanischen Sprache Suaheli, international bekannt als Swahili, die auf egradio.eg nach wie vor als Schaltfläche erscheint. Dahinter verbirgt sich einer der Streams im obsoleten, inzwischen von Endgeräten und Webbrowsern kaum noch unterstützten Flash-Format.

Zumindest vor einiger Zeit lief über diesen Stream auch die deutsche Sendung um 21.00 Uhr. Das war die letzte noch verbliebene Empfangsmöglichkeit, nachdem die Hotbird-Übertragung der fremdsprachigen Auslandssendungen vor Jahren entfallen ist. Auf Kurzwelle ging schon seit Jahrzehnten nur so etwas über den Sender:

Sendungen in deutscher Sprache wurden aus Kairo erstmals im Zweiten Weltkrieg unter britischer Kontrolle ausgestrahlt. In ihrer heutigen Ausprägung begannen sie 1958 im Zuge eines massiven Ausbaus des Auslandshörfunks. Den Anstoß dazu gab die führende Rolle, die Gamal Abdel Nasser für Ägypten in Anspruch nahm.

2011 bekamen die Sendungen, die seinerzeit noch über Hotbird liefen, eine sehr positive Einschätzung von Unterstützern deutschsprachiger Medien (hier nachzulesen unter „Sligo“, 05.02.2011, 21.33 Uhr):

„Trotz der chaotischen Zustände in den Straßen der ägyptischen Hauptstadt sendet der staatliche Auslandsrundfunksender Radio Kairo ungestört weiter – und zwar erstaunlich neutral. [...] Die Sendungen hören sich teils etwas amateurhaft und chaotisch an. Dadurch spiegeln sie aber gut die Lage im Land wider und wirken sehr authentisch.“

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 01.05.2019