Sendeanlage Wertachtal wird abgerissen

Saal mit Sendern der ersten Generation im Wertachtal, Zustand 2002 (Foto: Andreas Volk)

[Nachtrag: Der jetzt von der Media Broadcast publik gemachte Rückbau der Sendeanlage Wertachtal soll, vermutlich zunächst bezogen auf die Innenanlagen, bereits seit Mai laufen.

Der neueste, 2003 installierte Sender wird zur Sendestation Nauen umgesetzt. Er soll dort künftig an der dreh- und schwenkbaren Antenne aus dem Jahre 1964 betrieben werden.

Wieder entfernt und verschrottet wurde in Nauen dafür ein 100 kW starker Sender, der 2008 aus Zeewolde (Niederlande) nach Nauen geholt, aber nie in Betrieb genommen wurde. Bis jetzt beschränkte sich die Weiternutzung der dreh- und schwenkbaren Antenne auf einen Sender identischer Bauart, der 2006 aus Jülich umgesetzt worden war.

Für die übrigen Ausrüstungen, die nicht bereits die Österreichische Rundfunksender GmbH übernommen hat, werden noch Käufer gesucht. Sollten sich keine Interessenten finden, ist ihre Verschrottung unausweichlich.

Widersprüchliche Angaben gibt es dazu, ob die, wie nachfolgend zitiert, in einem Pressebericht erwähnte Fernsteuerung der Sendeanlage überhaupt möglich war. Unklar ist auch, an welchem Tag – frühestens handelte es sich aber um den 31. März 2013 – tatsächlich die letzten Ausstrahlungen aus dem Wertachtal liefen.]

 

Die Großsendeanlage Wertachtal bei Buchloe soll bis zum Jahresende abgerissen werden. Sie war im April 2013 aus dem Sendebetrieb zurückgezogen worden. Die Sender waren jedoch bis jetzt noch betriebsbereit und hätten jederzeit aufgeschaltet werden können.

In Betrieb gegangen war die Sendestation Wertachtal zu den Olympischen Spielen in München 1972 mit zunächst fünf Sendern. Bis 1982 folgten weitere fünf Exemplare dieser noch in klassischer Technik aufgebauten Sender. Anschließend wurde die Anlage bis 1988 um weitere fünf oder sechs Sender erweitert, jetzt eine neue Generation mit der Technik der Pulsdauermodulation.

Ein weiterer neuer Sender ist 2003 eingebaut worden. Lieferant war wie bei allen zuvor installierten Sendern die Berliner Firma Telefunken Sendertechnik (heute Transradio), der eigentliche Hersteller hingegen die kroatische Firma Radioindustry Zagreb. Mit diesem Sender war ein Digitalbetrieb mit 200 kW möglich. Dies bewarb die Deutsche Welle seinerzeit als technischen Meilenstein, konterkarierte damit allerdings auch das für digitale Sendungen auf Kurzwelle angeführte Argument niedrigerer Sendeleistungen.

Dieser Sender war eigentlich ein Pilot, der eine umfassende Modernisierung der gesamten Sendetechnik im Wertachtal einleiten sollte. Zu dieser Modernisierung kam es jedoch nicht mehr. Vielmehr ließ die Deutsche Welle den Ausstrahlungsvertrag für die Sendeanlage Wertachtal zum Jahresende 2006 auslaufen und stieg gegen eine Abstandszahlung von 14 Millionen Euro auch vorzeitig aus dem Standort Nauen aus, an dem erst 1997 neue Sendetechnik in Betrieb gegangen war.

Damit blieben dem Kurzwellenbetrieb der Media Broadcast fast nur noch ausländische Kunden. Nicht mehr aufrechterhalten werden konnte unter diesen Umständen die inzwischen abgerissene Sendestation Jülich, aus der sich die Deutsche Welle bereits 1996, gleichlaufend mit der Großinvestition in Nauen, zurückgezogen hatte.

Stattdessen wurden zwei der jeweils 100 kW starken Sender aus Jülich zur Sendestation Wertachtal umgesetzt. Sie ersetzten dort zwei der Sender alter Bauart, nachdem die von der Deutschen Welle geforderte Sendeleistung von 500 kW sich in fast allen Fällen als überzogen erwiesen hatte.

Weitere zwei alte Sender wurden durch Technik aus der 2007 stillgelegten Kurzwellenstation bei Zeewolde (Niederlande) ersetzt. Damit verfügte der Standort Wertachtal über insgesamt zehn oder elf Sender modernerer Bauart. Von den Sendern der ersten Generation waren zuletzt noch fünf oder sechs an die Antennenschaltmatrix angeschlossen, wurden aber nur noch in geringem Umfang benötigt.

Noch vor wenigen Jahren war dem Sendezentrum Wertachtal eine zentrale Rolle im Kurzwellenbetrieb von Télédiffusion de France, dem heutigen Eigentümer der Media Broadcast, zugedacht. Die damaligen Vorstellungen gingen so weit, selbst die Kurzwellenanlage in Issoudun (Frankreich) aus dem Wertachtal fernsteuern zu wollen.

Diese Pläne wurden jedoch vom immer weiteren Rückgang der Nachfrage nach Ausstrahlungen auf Kurzwelle überholt. Daher kam es zu der Umorientierung, sich auf eine Auslastung der insgesamt moderneren Sendeanlagen Nauen und Issoudun zu konzentrieren.

Aus Issoudun ausgestrahlt werden seit April 2013 damit jetzt auch Programme des Auslandsrundfunks der USA, dem einzigen verbliebenen Kunden, der für säkulare Programme noch bei der Media Broadcast ein über einzelne Sendeplätze hinausgehendes Volumen an Kurzwellen-Sendezeit bucht. Auch hier kam es erst zum 1. Juli 2014 zum Wegbruch weiterer 7,5 Frequenzstunden pro Tag.


(Autor: Kai Ludwig; zuletzt aktualisiert am 16.07.2014)