Neue Entwicklungen

Block E des Funkhauses Nalepastraße

Neue Entwicklungen gibt es beim Block E des früheren Rundfunkgeländes in der Berliner Nalepastraße. Diese Bauten waren 1994, nach dem Auszug der Rundfunkanstalten ORB und MDR, vollständig geräumt und von den Verwaltern der – zu diesem Zeitpunkt noch im Besitz der ostdeutschen Bundesländer befindlichen – Liegenschaft sich selbst überlassen worden.

Nalepastraße, Block E
Block E im Oktober 2015 (Foto: Kai Ludwig)

Nach dem schrittweisen Auszug von Radio Brandenburg und Fritz (ORB), MDR Sputnik und Berliner Rundfunk wurden die studiotechnischen Einrichtungen demontiert. Ein Schaltraummeister sprach von einem regelrechten Rollkommando, das ihn habe unter Tränen ausrufen lassen: „Die Technik kann doch nun wirklich nichts dafür!“

Zumindest Teile der Ausrüstungen scheinen regelrecht verschleudert worden zu sein. So tauchte ein völlig intaktes, hochwertiges Kondensatormikrofon (Gefell UM 70) bei einem Trödelhändler zum Preis von lediglich 50 DM auf und fand seinen neuen Besitzer dort zunächst als reines Souvenir („DT64-Mikro“).

Die sonstigen haustechnischen Einrichtungen wurden abgestellt, ohne auch nur die Heizung zu entwässern. Folge waren massive Frostschäden bis hin zu Deckendurchbrüchen.

Der in solchen aufgegebenen Gebäuden unweigerlich einsetzende Vandalismus führte schließlich zur völligen Zerstörung der Räume. Halbwegs intakt blieben noch Teile der Studios. Hier fanden bis 2013 französische Bohemians Unterschlupf.

2014 wurden die Gebäude bis zurück zu den Rohbauten entkernt. Nachdem der Block E bereits beim Verkauf des Funkhausgeländes abgetrennt worden war, kam es hier zu einer nochmaligen Dreiteilung. Die Verbindungsgänge zwischen Redaktionsgebäude und Techniktrakt, auch bekannt unter den Bezeichnungen E-R und E-T, wurden entfernt.
 

Das Redaktionsgebäude wird nun zum erneuten Ausbau für gewerbliche Nutzungen angeboten. Dieses Gebäude, an der Vorderseite zur Rummelsburger Landstraße, zeichnete sich einst durch Leuchtreklamen für den Rundfunk der DDR und seine Programme aus.

Sofort am 3. Oktober 1990 wurden hier das Logo des bisherigen Radio DDR sowie die beiden letzten Worte der Schrift „Rundfunk der DDR“ entfernt, die Träger dieser Elemente jedoch belassen. Die letzten Reste dieser Leuchtreklamen verschwanden erst um das Jahr 2005.
 

In anderer Trägerschaft liegt jetzt der nicht mehr mit dem Redaktionsgebäude verbundene Techniktrakt, in dem sich die Sendekomplexe 5 bis 12 und eine Anzahl weiterer Produktionskapazitäten befanden. Hier sollen unter dem Projekttitel „Nalepaland“ vier neue Bürogeschosse auf den verbliebenen Rohbau aufgesetzt werden.
 

Wieder für seinen ursprünglichen Zweck genutzt wird schließlich ein Bauwerk, das mit dem Ausbau von DT64 zum Vollprogramm entstand. Wegen seines weißen Anstrichs war dieser Ergänzungsbau (im Foto zwischen Redaktionsgebäude und Techniktrakt) unter dem Spitznamen „Casablanca“ bekannt.

Hier sollten eigentlich die Sendestudios von DT64 ihren Platz finden. Davon wurde jedoch wieder abgerückt und stattdessen der vorhandene Sendekomplex 6 genutzt. Er stand ohnehin leer, seit das für Westberlin bestimmte Programm „Berliner Welle“ 1971 eingestellt wurde.

Somit zwar nicht für die Sendeabwicklung, jedoch für Produktionen entstanden im Ergänzungsbau unter den Bezeichnungen P13 und P14 Studiokapazitäten. Die Räume wurden nun wieder eingerichtet. Die heutigen Betreiber bieten ihre Leistungen als „Planet Earth Studios“ an.
 

Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen sonst die ursprünglichen Blöcke A und B, die erst 1965 durch den Block E ergänzt wurden. Auch hier gibt es nach einem Eigentümerwechsel erhebliche Veränderungen.

Im Block B, mit den einstigen Produktionskapazitäten für Musik und Hörspiel, sind die dauerhaften Belegungen weitgehend entfallen. Das betrifft insbesondere die Hörspielkomplexe, von denen H2 mit regelmäßigen Rundfunkproduktionen den letzten Rest der ursprünglichen Nutzung des Geländes darstellte.

Zu den Entwicklungen im einstigen Fabrikgebäude, mit dem der Aufbau des Funkhauses begann, die knappen, aber charakteristischen Worte eines früheren Mitarbeiters:

„Ich war gerade mal wieder in der Nalepastraße. Große Schutthaufen entlang Block A. Denn das erste Obergeschoss ist fast vollständig entkernt worden.
Die Pendeltür zum langen Gang, von dem aus es mal zu den K-Räumen und A-, C- und P-Räumen ging, ist noch vorhanden. Dahinter sieht es aber völlig neu aus. Kleine Studios sind in diese Fläche hineingebaut worden. Überall wuseln Leute mit Laptops herum. Gesprochen wird fast nur Englisch.
Und, oh Wunder, K3 und K4 sind noch weitestgehend erhalten. Ich darf daran erinnern: K4 war zeit seines Lebens Deutschlandsender, Stimme der DDR, schließlich wieder Deutschlandsender. K3 war der Ausweichraum für Messtage und beherbergte 1968/1969 Radio Vltava.
Die ehemaligen Sprecherräume und die dazugehörigen Regieräume werden als Ministudios mit unterschiedlichem losen Equipment genutzt. An den Wandverkleidungen und sonstigem baulichen Zustand wurde weitestgehend nichts verändert. Zustand von 1955 (!).“


Einige Fotos von früheren Begehungen des Blocks E:

Nalepastraße, Block E
2002: Teilweise demontierte Leuchtreklamen auf dem Redaktionsgebäude E-R (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E
2007: Bis 1987 von DT64 genutztes Studio K8; alle stählernen Türen sind bereits „verschwunden“ (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E
2007: Sprecherraum des ab 1987 von DT64 genutzten Studios K6 (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E
2007: Nachrichten-Sprecherraum des ab 1987 von DT64 genutzten Studios K6 (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E
2007: Kontrollraum (Regie) des ab 1987 von DT64 genutzten Studios K6 (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E
2007: Für DT64 errichteter Erweiterungsbau „Casablanca“, genutzt für Produktionsstudios (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E
2007: Die Kellerkantine „Sockelklause“ (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E
2014: Abbruch des Innenausbaus der P-Räume im Block E (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E, Entkernung 2014 (Foto: Kai Ludwig)
2014: Entkernung des Blocks E, hier an den Studios K11/K12 (Foto: Kai Ludwig)
Nalepastraße, Block E
2014: Abgänge der Modulationsleitungen des Funkhauses Nalepastraße (Foto: Kai Ludwig)

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 31.12.2017