Deutschlandradio-Langwellen abgeschaltet

Sender Eiðar
Jetzt auf 207 kHz auch in Deutschland hörbar: Langwellensender Eiðar / Island (Foto anonym via Wikipedia)

Die Langwellen des Deutschlandradios sind wie angekündigt mit Beginn des 1. Januar 2015 nicht mehr in Betrieb. Wie auch nicht anders zu erwarten war, hatte es (abgesehen von einer knappen Meldung in der Mediensendung des Deutschlandfunks) keine Abschiedssendung oder dergleichen gegeben.

Offiziell vorgesehener Abschaltzeitpunkt war offensichtlich 23.55 Uhr. Um 23.54 Uhr wurden noch einmal die Hinweise eingespielt, die den Dezember hindurch jeweils unmittelbar vor der vollen Stunde laufen sollten (hierbei kam es öfters zu technischen Schwierigkeiten, durch die dann nur Stille ausgestrahlt wurde).

Auf 177 kHz schaltete Deutschlandradio Kultur dann nochmals für wenige Sekunden in das laufende Programm zurück, bevor der Sender um 23.55 Uhr außer Betrieb ging. Durch den unerwarteten Zeitpunkt liegen hiervon bislang nur qualitativ eingeschränkte Mitschnitte vor.

Der Deutschlandfunk stellte um 23.55 Uhr die Zuführung von Modulation zu seinen Langwellensendern ein. Die weiteren Vorgänge erinnern an die Einstellung der Mittelwellensendungen des MDR im Jahre 2013, deren Ablauf unter Beobachtern bereits für große Erheiterung gesorgt hatte.

Auf 207 kHz blieb ab 23.55 Uhr zunächst der stumme Träger zurück. Wenige Sekunden vor dessen Abschaltung um 24.00 Uhr tauchte noch einmal das laufende Programm des Deutschlandfunks auf, vermutlich ausgelöst durch eine automatische Havarieschaltung, die auf die Stille ansprach und auf eine andere Signalquelle (in Betracht kommt Astra 1N) umschaltete.

Zu einer solchen Havarieschaltung kam es nach knapp zwei Minuten auch auf der Frequenz 153 kHz. Anschließend versagte auch die (vermutlich vorab programmierte) Abschaltung des Senders in Donebach, der deshalb bis 0.27 Uhr in Betrieb blieb.

Durch die programmierte Umschaltung auf Tagbetrieb setzte die Anlagensteuerung den Sender um 5.00 Uhr dann nochmals in Betrieb. Er blieb anschließend, weiterhin mit dem laufenden Programm des Deutschlandfunks, bis 7.02 Uhr eingeschaltet.

Diese Langwellensender waren von der Media Broadcast teils erst vor wenigen Jahren mit größerem Aufwand modernisiert worden. Dies diente der Ertüchtigung für einen digitalen Sendebetrieb. Das entsprechende, als Digital Radio Mondiale bezeichnete System fand jedoch keinen Zugang zu Rundfunkmärkten. Für weitere Hintergründe siehe die gesonderten Seiten, jetzt auch ergänzt um Fotos des Senders Donebach.

Auf 153 kHz verbleibt der Sender Bod (Brenndorf) bei Braşov (Kronstadt), der das speziell für Hörer im ländlichen Raum konzipierte Mittelwellenprogramm Antena Satelor überträgt. Der Sender Bod hatte die Reichweite des Senders Donebach bei Dunkelheit massiv eingeschränkt. Jetzt ist er auch in Deutschland ganztags zu hören.

Im Zuge eines umfangreichen Programms zur Modernisierung der rumänischen AM-Sender war die zumindest nominell 1200 kW starke Röhrensenderanlage (Thomson) in Bod durch einen Transistorsender (Harris, USA) mit „nur“ noch 200 kW Leistung ersetzt worden. Dies führte jedoch zu keinem nennenswerten Abfall der Signalstärke.

Besonders interessant zeigt sich die Frequenz 207 kHz. Bei Dunkelheit bis nach Mitteleuropa empfangen werden kann hier jetzt Ríkisútvarpið, der öffentlich-rechtliche Rundfunk von Island. Voraussetzung ist allerdings ein leistungsfähigerer Empfänger in ungestörter Umgebung.

Auf 207 kHz betreibt Ríkisútvarpið einen 100 kW starken Sender in Eiðar, bei Egilsstaðir im Osten von Island. Er ergänzt den 300 kW starken, auf 189 kHz arbeitenden Sender Gufuskálar im Westen der Insel. Diese beiden Sendeanlagen ersetzten 1999 bzw. 1997 zwei weniger leistungsfähige Sender. Gleichzeitig entfielen alle Mittelwellen von Ríkisútvarpið, da die neuen Langwellensender eine umfassende Abdeckung von Island und den umgebenden Seegebieten absichern.

Von den AM-Sendern des Deutschlandradios sind jetzt noch die vom Deutschlandfunk genutzten Mittelwellen 549, 756, 1269 und 1422 kHz in Betrieb. Sie sollen nach, wie es das Deutschlandradio formuliert, „derzeitiger Planung“ zum Jahresende 2015 abgeschaltet werden.

 

(Autor: Kai Ludwig; Stand vom 01.01.2015)