Aus Pridnestrowje und Frankreich

Dengê Welat weiter auf Sendung

Zur Landschaft kurdischer Medien gehört neben Fernsehkanälen weiterhin ein Hörfunkprogramm. Dessen terrestrische Ausstrahlung ist (wenn auch nicht gezielt geplant, sondern nur als Nebeneffekt) auch in Mitteleuropa gut zu hören.

Dengê Welat, 0032 53 ...
Infographik aus der Internetpräsenz | © denge-welat.org

Abgesehen von einer Episode um den Jahreswechsel 2017/2018, während der man es mit einem Angebot aus Armenien versuchte, nutzt dieses Hörfunkprogramm seit mittlerweile einem Jahrzehnt ein Arrangement auf Sendeanlagen der russischen und französischen Betreiber RTRS und TDF.

TDF betreibt bei Issoudun im zentralen Frankreich umfangreiche, ursprünglich für Radio France Internationale errichtete Kurzwellenanlagen. Bei RTRS geht es um die Sendestation Grigoriopol in Pridnestrowje/Transnistrien. Sie ist der einzige Standort, an dem das staatliche russische Unternehmen noch internationale Sendungen auf Kurzwelle abstrahlt.

Konkret sieht der tägliche Betriebsablauf momentan so aus:

04.30-07.00 Uhr: 9525 kHz; Issoudun
07.00-16.00 Uhr: 11530 kHz; Grigoriopol
16.00-17.00 Uhr: 11530 kHz; Issoudun
17.00-21.00 Uhr: 9525 kHz; Issoudun
21.00-23.00 Uhr: 9525 kHz; Grigoriopol

Die tagsüber laufende Ausstrahlung aus Grigoriopol ist, über den von der Antenne nach hinten abgegebenen Teil der Sendeenergie, auch in Mitteleuropa mit starkem Signal zu empfangen.

Zum 31. März 2019 ist hier mit Anpassungen an die Bedingungen der hellen Jahreszeit zu rechnen. So könnte dann die Frequenz 11530 kHz auch wieder den Abend hindurch genutzt werden.
 

Der vorübergehende Wechsel des technischen Dienstleisters war eingebettet in umfangreichere Änderungen. Nach außen waren sie unmittelbar an einer Änderung des Namens zu erkennen: Bis Oktober 2017 lief das Programm als „Dengê Kurdistanê“.

Dieser Name wiederum entstand 2012, als Roj TV durch den Satellitenbetreiber Eutelsat abgeschaltet wurde. Danach wurde das Hörfunkprogramm dem mit einer schwedischen Lizenz sendenden Newroz TV zugeordnet, was auch das Impressum zeigte:

Radyoya Dengê Kurdistanê
Bildschirmfoto vom September 2017 | © http://www.denge-kurdistane.com/index.php?sys=tekili

Bis 2012 firmierte der Hörfunkkanal als „Dengê Mezopotamya“. Für sich sprach dabei bereits der gemeinsame Standort mit Roj TV: Die Zentrale einer Produktionsfirma in Denderleeuw bei Brüssel.

Einen wirklichen Umzug an einen anderen Standort gab es wohl zu keinem Zeitpunkt. Ein besonders deutliches Indiz dafür war die völlig unberührt gebliebene Satellitenübertragung durch den langjährigen Partner, Belgium Satellite Services.

Zu einer Änderung führte erst die Liquidierung dieser Firma im Jahre 2016. Seitdem wird das Programm von einem italienischen Dienstleister auf der Hotbird-Plattform gesendet (auf 11,296 GHz h).

Die Anbindung an Newroz TV erübrigte sich, als Eutelsat im Oktober 2016 auch dieses Programm abschalten ließ. Begründet wurde das mit einem „Hinweis“ des türkischen Rundfunkregulierers RTÜK und dessen Status als, so angegeben von Eutelsat-Geschäftsführer Radolphe Belmer, „assoziiertem Mitglied der europäischen audiovisuellen Aufsichtsbehörden“.

Danach sendete Newroz TV über exotische, weißrussische und turkmenische Satelliten (51,5/52° Ost). Zugleich verklagte der Veranstalter Eutelsat und konnte sich vor dem Pariser Handelsgericht durchsetzen.

Die somit Ende Januar 2017 wieder aufgenommene Verbreitung von Newroz TV über Eutelsat-Kapazitäten endete indes nach kurzer Zeit schon wieder. Diesmal wurde das Programm offenbar ganz aufgegeben: Auf der dazugehörigen Internetseite newroz.tv gibt es keine Inhalte mehr.

Für das Hörfunkprogramm wurde mit der erneuten Umbenennung der neue Internetauftritt denge-welat.org eingerichtet. Dort finden sich nun auch ganz offen wieder Telefonnummern mit der Vorwahl von Denderleeuw.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 28.12.2018