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Gitarrist Coco Schumann tot - Swing-Legende und KZ-Überlebender

Der Jazz-Gitarrist Coco Schumann ist tot. Wie seine Plattenfirma mitteilte, starb er gestern im Alter von 93 Jahren in Berlin. Schumann hat als junger Mann das KZ Auschwitz überlebt. Nach dem Krieg kehrte er nach Berlin zurück und setzte seine Karriere als Swing-Musiker fort. Noch in den 1990er Jahren gründete er das "Coco Schumann Quartett". 1997 erschien seine Biografie "Der Ghetto-Swinger", die später als Musical auf die Bühne kam.

Gitarrist Coco Schumann während eines Konzerts in Berlin (Archivbild vom 06.03.2005) © imago/Scherf
Gitarrist Coco Schumann während eines Konzerts in Berlin (Archivbild vom 06.03.2005) | © imago/Scherf

Hörbar Rust vom 08.05.2005

Archiv: Coco Schumann in der Hörbar Rust


Mit 13 Jahren entdeckte der Berliner Coco Schumann den Jazz für sich – kurz darauf kam der Swing, ausgerechnet als der krieg schon in vollem Gange und Swingtanzen verboten war. Als Jude spielte er nachts heimlich in den Clubs mit Bully Buhlan und Helmut Zacharias um die Wette. 1943 kam er in Gefangenschaft. Deportation nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz und nach Dachau. Coco Schumann musizierte selbst in den Lagern und rettete sich so das Leben.

1945 kehrte er nach Berlin zurück, heiratete und bespielte mit seiner Jazzgitarre und neuer Band sämtliche Tanzschuppen rund um den Kurfürstendamm. Trotzdem wanderte er für vier Jahre nach Australien aus. Endgültig zurück im Wirtschaftswunder Berlin, jammte er mit Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie und Louis Armstrong – kurz: er wurde der deutsche Grandmaster of Swing.

40 Jahre hat Coco Schumann über seine Erlebnisse während des Nationalsozialismus geschwiegen – inzwischen gibt es seine Memoiren in der sechsten Auflage. Heute wird im Berlin des Kriegsendes und des Endes der Naziherrschaft vor 60 Jahren gedacht. Zu diesem Anlass haben wir ihn eingeladen – den Mann, dessen Biografie und Musik die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts widerspiegeln: Coco Schumann an der Hörbar Rust.