Podcast | Greenhouse

Ob dieses Künstlerhaus fortbesteht, wird sich zeigen

Aus einem Jahr Recherche hat radioeins-Kollegin Sophia Wetzke eine wirklich spannend erzählte Podcastserie gemacht. Greenhouse ist eine Geschichte über die dunklen Auswüchse dieses vermeintlichen Freiheitsversprechens der Stadt Berlin.

Greenhouse Berlin © radioeins/Sophia Wetzke
Greenhouse Berlin | © radioeins/Sophia Wetzke

Das Greenhouse im Süden Berlins ist auf den ersten Blick ein Ort, an dem Künstler sich Arbeitsräume mieten können: Hier entstehen Kunst, Musik, Performances. Doch hinter den Kulissen des hippen Kunstorts sieht es anders aus.

Auf radioeins gibt es eine neue investigative Podcast-Serie: Greenhouse. Darin geht es um ein Gebäude in Berlin-Tempelhof, das Studios und Ateliers für Künstler anbietet; in den vergangenen Jahren ist dort allerdings einiges aus dem Ruder gelaufen. Plötzlich war nicht mehr die Kunst wichtig, es ging allmählich immer mehr um Drogen, in den Ateliers wurde gewohnt, es gab mehrere Tote.

Volker Wieprecht sprach darüber mit Sophia Wetzke.

Greenhouse Berlin © radioeins/Sophia Wetzke
radioeins/Sophia Wetzke
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Wie fühlst du dich nach den letzten Tagen?

Ziemlich baff - die Serie ist direkt sehr erfolgreich angelaufen, wir haben uns auf Anhieb in diversen Podcast-Charts weit vorne positioniert, es kommt viel durchdachtes Feedback von Hörerinnen und Hörern - Leute hören aufmerksam hin, empfehlen es weiter und das ist natürlich eine tolle Belohnung für fast ein Jahr Recherche, viel Arbeit, viel Zweifel und ein paar schlaflose Nächte, die da drin stecken.

Der Podcast startet mit einer Mail von einem David, der das Greenhouse als angebliche Sekte und gefährlichen Ort beschreibt. Du warst selber während der Recherche ein paar Mal dort. Wie hast du diesen Ort erlebt?

Erstmal fand ich die Geschichte total irre - ich hatte noch nie von diesem Ort gehört - ich meine kennst du das? Ich bin dann vor ungefähr einem Jahr das erste Mal dorthin mit Freunden, war eine öffentliche Ausstellung und DJs legten auf. Und das wirkte erstmal ganz spannend: undergroundig, internationales Publikum, ziemlich alternativ aber an sich recht friedlich und unverfänglich - meine Freunde waren fast ein bisschen enttäuscht, dass das nicht so düster war, wie in den Beschreibungen von David. Ich dachte dann: das ist doch Quatsch, der Typ denkt sich was aus.

Meine Recherche und die Gespräche mit vielen Leuten aus dem Umfeld des Hauses zeigten dann aber, dass so gut wie alles stimmte was er in die Mail geschrieben hatte: es waren sogar fünf Todesfälle - einer passierte während meiner Recherche -, illegales Wohnen, Drogenprobleme, um so die wichtigsten Aspekte seiner Vorwürfe noch mal wiederzugeben. Das passierte dort über Jahre komplett unter dem Radar.

Nun endet - zumindest im Podcast - deine Recherche im Oktober letzten Jahres - hat sich was getan seitdem?

Es macht jedenfalls den Eindruck. Auf einmal gab es im November eine neue Ausstellung im Haus, nachdem fast ein Jahr lang gar nichts in die Richtung passiert war. Von einer etablierten Künstlerin, auch mit deutlich älterem Publikum, alles viel erwachsener als vorher, viel schicker.

Es werden jetzt nur noch auf zwei Etagen Künstlerstudios vermietet anstatt wie anfangs auf sieben, in die restlichen Räume zieht jetzt mehr und mehr Gewerbe ein. Die Bar im Dachgeschoss ist geschlossen, die Küchen werden entfernt. So gut wie alle alten Mieterinnen und Mieter sind wohl rausgeschmissen worden oder gegangen, weil seit Monaten im Haus die Mieten steigen.

Verwaltet wird das Gebäude von dem israelischen Künstler Noam Braslavsky, der im Herbst nur noch schriftlich reagieren wollte. Vor anderthalb Wochen hat er uns dann doch noch mal ein Interview gegeben und hier auch noch mal eigene Fehler eingeräumt.

Und was glaubst du - stimmt es, dass jetzt alles besser wird?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube schon, dass das Management des Hauses und die Hausbesitzer, da steckt ja eine große Immobilienfirma dahinter, jetzt darum bemüht sind, so schnell wie möglich dort aufzuräumen, spätestens jetzt, wo das Haus im Fokus steht. Man will nun wohl nur noch die etablierten Kunstprofis im Haus haben und das auch stärker überprüfen.

Ich habe vergangene Woche den jungen Künstler José Canepa aus Großbritannien im Greenhouse getroffen, der es einerseits schade findet, dass Berlin immer weniger anarchische Kunstorte hat, aber andererseits auch ganz froh ist.

Ob dieses Künstlerhaus fortbesteht, wird sich jetzt in den kommenden Monaten zeigen. Ich wünsche es dem Projekt, der Senat strebt dort jetzt auch eine Kooperation an. Ich bleibe an der Entwicklung auch weiter dran.