Rad'n'Roll

Rahmennummer gegen Diebstahl

Fahrradkennzeichnungen per Gravur oder Codieraufkleber der Polizei

12.000 waren es in Brandenburg und knapp 28.000 Fahrräder wurden im vergangenen Jahr in Berlin gestohlen. Tatsächlich dürften es wesentlich mehr sein, aber aufgrund der geringen Aufklärungsquoten werden Diebstähle oft gar nicht angezeigt.

Ein von der Polizei codiertes Fahrrad © radioeins/Chris Melzer
Ein von der Polizei codiertes Fahrrad | © radioeins/Chris Melzer

Um Diebe abzuschrecken oder zumindest die Chancen zu erhöhen, sein Fahrrad nach einem Diebstahl wieder zu bekommen, bietet die Polizei regelmäßig eine individuelle Kennzeichnung an - gestern quasi direkt vor dem radioeins-Studio auf dem rbb-Gelände in Potsdam-Babelsberg.

Mit dabei war auch radioeins-Fahrrad-Reporter Henrik Barth.

Ein von der Polizei codiertes Fahrrad © radioeins/Chris Melzer
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Wie läuft die Kennzeichnung ab?


Mitbringen muss ich einen Personalausweis und einen Nachweis, bestenfalls eine Rechnung dass das Fahrrad mir gehört. Dann wird eine gut sichtbare Stelle am Rahmen ausgesucht und mit einer handlichen Graviermaschine ein Code in den Rahmen eingraviert. Der setzt sich zusammen aus dem Gemeindecode des Ortes, in dem der Eigentümer wohnt, einer fünfstelligen Zahl für die Straße, drei Ziffern für die Hausnummer, sowie den Eigentümer-Initialen.

Interessanterweise ermitteln die Polizeibeamten die Codes auf der Homepage vom ADFC, die haben nämlich den Codegenerator mit den entsprechenden Gemeinde- und Straßendaten gefüttert.

Das Gravieren gestern dauerte wenige Minuten, abschließend wird der Code noch mit einem Aufkleber mit der Aufschrift "Finger weg!! - Mein Rad ist codiert!" hervorgehoben.

Ein Polizeibeamter kennzeichnet ein Fahrrad per Gravur © radioeins/Chris Melzer
Ein Polizeibeamter kennzeichnet ein Fahrrad per Gravur | © radioeins/Chris Melzer

Wie groß ist der Glaube an die abschreckende Wirkung unter den Radbesitzern?


Sämtliche rbb-Mitarbeiterinnen, die ich getroffen habe, setzen zwar vor allem auf ein gutes Schloss, glauben aber auch, dass die Kennzeichnung einen abschreckenden Effekt hat.

Belegt wird die Abschreckung laut Hauptkommissarin Anja Mischur aus Potsdam durch die Fahrradanzeigen in Brandenburg:

"Das hat einen abschreckenden Effekt. Es werden weniger Fahrräder gestohlen, die codiert sind. Das sehen wir an den Anzeigen bei der Polizei. Die Leute, die eine Anzeige erstatten, weil ihr Fahrrad gestohlen wurde, da sind weniger Fahrräder dabei, die eine Codiernummer haben oder nur ein ganz geringer Teil. Und dann ist im Prinzip der Rückschluss daraus, dass tatsächlich weniger Fahrräder gestohlen werden, die codiert sind."

Registriert werden die codierten Fahrräder in Brandenburg nicht. Aber auch ohne Rückgriff auf Datenbanken können Polizei oder Fundbüro anhand des Codes, der ja die Adresse beinhaltet, sofort den Eigentümer des Fahrrads ermitteln.

radioeins-Reporter Henrik Barth im Gespräch mit Hauptkommissarin Anja Mischur © radioeins/Chris Melzer
radioeins-Reporter Henrik Barth im Gespräch mit Hauptkommissarin Anja Mischur | © radioeins/Chris Melzer

In Berlin gibt es bei der Polizei nur noch eine Kennzeichnung per Aufkleber, warum?


Das wird vor allem mit dem größeren Aufwand begründet und das man nicht mehr hinterherkommt. Seither gibt es in Berlin nur noch Aufkleber, aber von dieser Kennzeichnung rät Philipp Poll vom ADFC ab:

"Das ist im eigentliche Sinne keine Codierung, weil ja eine fortlaufende Nummer vergeben wird, und weil diese auch nicht in den Rahmen eingefräst wird. Das heißt, mit ein bisschen Aufwand kriegt man so einen Aufkleber auch wieder runter von dem Rahmen. Deswegen empfehlen wir immer eine ordentliche Fräsung."

Eine Alternative wäre zum ADFC zu gehen. Die bieten allerdings nur einmal wöchentlich in Berlin-Kreuzberg eine Codierung an - kostet allerdings 9 Euro - ermäßigt 6 Euro.

Dein Fazit: Kennzeichnen lassen oder nicht?


Wenn, dann eine richtige Gravur! Einen Aufkleber kann man sich meiner Meinung nach schenken. Aber die Gravur macht schon Sinn. Die kann zwar auch weggefeilt werden, weil da quasi nur in den Lack gefräst wird, aber dann hat das Rad zumindest eine Beschädigung. Aus diesem Grund werden auch Carbonräder nicht codiert, weil die Oberfläche nicht beschädigt werden darf, da gehen nur Aufkleber.

Überprüft werden darf die Codierung übrigens laut Berliner Polizei nur bei einem Anfangsverdacht und nicht etwa im Zuge von allgemeinen Verkehrskontrollen. Das heißt, Sinn macht die Gravur vor allem, wenn man bedenkt, dass 90 Prozent aller aufgefundenen Räder - trotz Rahmennummer - nicht mehr zu ihrem Eigentümer zurückkommen, weil dieser sein Rad nicht eindeutig beschreiben kann.

Auch wird der Weiterverkauf von gestohlenen Rädern auf Flohmärkten zumindest erschwert.

Fragen, Vorschläge, Radschläge bitte an rad@radioeins.de...