Rad'n'Roll

Fahrrad-Flatrate: Ein Rad per Abo mieten

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Mehrere niederländische Start-ups verfolgen im hart umkämpften Leihradmarkt eine neue Strategie: Sie bieten langfristige Abo-Modelle inklusive Reparaturservice an.

Der Schatten eines Fahrradfahrers © imago/Rolf Zöllner
Der Schatten eines Fahrradfahrers | © imago/Rolf Zöllner

Normalerweise mietet man Leihräder pro Minute bzw. für einige Stunden. Jetzt bieten zwei holländische Start-ups Fahrräder im Abo an. Für einen monatlichen Festbetrag - zwischen 15 und 25 Euro - können Berliner*innen die Räder nutzen, als wären es ihre eigenen. Geht was kaputt, wird umsonst repariert.

Wie die langfristigen Abo-Modelle ankommen, besprechen Julia Menger und Kerstin Hermes mit dem radioeins-Fahrrad-Experten Henrik Barth.

Der Schatten eines Fahrradfahrers © imago/Rolf Zöllner
imago/Rolf Zöllner
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Wie funktionieren die Abo-Modelle?


Im Falle von "Swapfiets" zahle ich 17,50 Euro bzw. als Student 15 Euro im Monat. Dafür bekomme ich ein Fahrrad der holländischen Qualitätsmarke Gazelle mit sieben Gängen, Front-Gespäckträger, Schutzblechen, Licht und zwei Schlössern.

Der andere Anbieter aus Holland "VanMoof" verlangt rund 300 Euro im Jahr, sprich eine Monatsgebühr von 25 Euro. Die Bikes sind vom Design her eine andere Hausnummer, obendrauf kommen aber auch knapp 100 Euro für eine Schlüsselgebühr. Dennoch hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in Berlin schon rund 400 Abonnenten.

Es wird ein Abo versprochen, mit dem ich mir nie wieder Sorgen über ein kaputtes Fahrrad machen muss. Überzeugt das?


Bei "Swapfiets" rückt ein Team aus und repariert das Rad vor Ort innerhalb von zwölf Stunden. Bei "VanMoof" muss man für kostenlose Reparaturen den bisher einzigen Laden in Prenzlauer Berg ansteuern. Auch in dem Fall war ich erstaunt, wie schnell die Menschen ihre Reparaturkosten zwischen 20 und 50 Euro im Jahr überschlagen haben. Das Argument zieht nicht so wirklich, da komme ich in Eigenregie billiger weg, war der Tenor.

Diebstahl ist ein großes Problem in Berlin. Wie gehen die beiden Anbieter damit um?


Am hochpreisigen "VanMoof"-Rad ist ein Rahmenschloss, ein zweites zum Anschließen muss man selbst beisteuern. Bei "Swapfiets" sind beide Schlösser inclusive und - praktisch - ich brauche nur einen Schlüssel. Wird das Fahrrad gestohlen bin ich mit 60 Euro Selbstbeteiligung dabei. Bei VanMoof muss ich knapp 100 Euro auf den Tisch legen, dann macht sich ein Team extra auf die Suche nach den mit GPS-Trackern gesicherten Fahrrädern. Können die es nicht finden, gibt es Ersatz.

Für wen lohnt sich deiner Ansicht nach so ein Fahrrad-Abo?


Beide Abos sind monatlich kündbar. Das heißt, ich kann mir für den Sommer ein Fahrrad leihen und habe es im Winter nicht an der Backe. Oder eine Frau hat mir erzählt, in ihrem Betrieb sind doch einige, die kein eigenes Fahrrad haben wollen, sich aber regelmäßig eins leihen, um zum Job zu kommen.

Nach Einschätzung von Korinna Stephan werden die meisten Berliner*innen angesichts der Kosten weiter auf das eigene Rad setzen. Sinnvoll fände die Berliner Mobilitätsforscherin, wenn als Zubehör Kindersitze und auch Lastenräder bzw. E-Bikes im Abo angeboten werden. Gerade bei den E-Bikes stockt die Entwicklung in Berlin.

Beide Anbieter wollen übrigens ab Sommer E-Bikes anbieten. Hier dürfte aber die Leihgebühr deutlich höher liegen.

Fragen, Vorschläge, Radschläge bitte an rad@radioeins.de...