Rad'n'Roll

Erster Ruhetag bei der Tour de France

die Fahrradexperten auf radioeins

Radsportfans aus aller Welt schauen gerade nach Frankreich, denn dort rollt die 106. Tour de France durchs Land.

Das Fahrerfeld um den Franzosen Julian Alaphilippe im Gelben Trikot des Gesamtführenden © AP Photo/Christophe Ena
Nach zehn intensiven Tour-Tagen ist der Ruhetag heute eine willkommene Abwechslung | © AP Photo/Christophe Ena

21 Etappen, die längste ist 230 Kilometer lang - insgesamt müssen die Radprofis auf der diesjährigen Tour de France knapp dreieinhalbtausend Kilometer fahren. Die ersten zehn Etappen sind geschafft, heute ist der erste Ruhetag. Aber nicht für unseren Fahrradexperten Simon Brauer.

Das Fahrerfeld um den Franzosen Julian Alaphilippe im Gelben Trikot des Gesamtführenden © AP Photo/Christophe Ena
AP Photo/Christophe Ena
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Was machen denn die Profis an so einem Ruhetag?


Radfahren natürlich! Sie sind gestern im Städtchen Albi angekommen und da geht es morgen auch weiter, heute also keine Reise im Teambus in eine andere Stadt. Die Profis dürfen morgens ein bisschen länger liegen bleiben, aber irgendwann im Lauf des Tages geht es trotzdem aufs Rad.

Der Körper denkt sonst sofort: Ah, Tour vorbei, ich schalte um auf Erholung. Und am nächsten Tag kann der Fahrer nicht mehr die volle Leistung abrufen. Deshalb wird trainiert, 90 Minuten, zwei Stunden, locker, aber nicht langsam. Damit Beine und Herz wissen, dass die Tour noch nicht vorbei ist. Danach: ausgiebige Massage, weil mehr Zeit ist als nach den Etappen.

Manche bekommen Familienbesuch, die Gestürzten pflegen ihre Wunden, alle werden sich ausführlich um ihre Social-Media-Accounts kümmern. Bisher immer nur Fotos aus den einzelnen Etappen, nichts Privates, das wird sich heute ändern: Unser Zeitfahr-König aus Cottbus, Tony Martin, hat vor zwei Jahren zum Beispiel auf Instagram ein Foto von sich am Ruhetag gepostet - mit einem riesigen Burger mit Pommes.

Bei der Tour sind auch immer Tausende Fans an der Strecke. Was machen die, wenn es heute nix zu sehen gibt?


Viele werden vermutlich auch Radfahren. Das ist ja das Schöne an der Tour, dass man jeden Kilometer, den die Profis fahren, selber vorher abfahren kann. Die Tour nähert sich den Pyrenäen und den Alpen, und für mich ist es beim Zuschauen nochmal aufregender, wenn ich am Samstag sagen kann: Bergankunft auf dem Col du Tourmalet, dem höchsten französischen Pyrenäenpass - bin ich auch schon hochgefahren!

Oder nächste Woche der Col du Galibier in 2645 Meter Höhe - bin ich auch schon hochgefahren! Oft sind die Straßen schon bemalt mit Motivationssprüchen und für einen Moment kommen da Profigefühle auf.

Und was machen die Fans, die nicht auf oder an der Strecke sind?


Die beneiden die, die in Frankreich auf oder an der Strecke sind.

Ich kann den Ruhetag hier aber auch nutzen, um wenigstens ein bisschen mehr so auszusehen wie ein Profi auf dem Rennrad. Das fängt beim Trikot an: Die haben sich ganz schön verändert, müssen natürlich hauteng sein, die Ärmel gehen mittlerweile fast bis zum Ellenbogen, denn Material ist schneller als Haut. Meine Trikots enden in der Mitte des Oberarms; da brauche ich also etwas Neues.

Die Profis tragen mittlerweile auch AeroSocken! Im Windkanal entwickelt, machen mich auch schneller. Auch hier ist die Länge entscheidend. Mehr Socke, mehr Speed. Der Radsportverband UCI hat sogar eine Sockenregel für Profis eingeführt, damit die nicht irgendwann HighSpeed-Socken bis übers Knie ziehen. Bis zur Mitte der Wade ist erlaubt - das muss man ausreizen, auch als Amateur. Socken mussten immer weiß sein, das ist nicht mehr so - bunt geht auch. Die Radschuhe der Profis sind allerdings fast alle weiß!

Auch gut am Ruhetag für den Profilook: Beine nachrasieren. Hier, fühlt mal, wie das stoppelt. Ich hatte in den letzten Tagen keine Zeit, musste ja Tour de France schauen.

Fragen, Vorschläge, Radschläge bitte an rad@radioeins.de...