Rad'n'Roll

E-Tretroller im Selbsttest

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Ende letzter Woche ist der Startschuss für E-Scooter in Berlin gefallen. Seitdem haben erste Anbieter, wie TIER, VOI, CIRC und Lime, hunderte von E-Tretrollern vor allem in Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg verteilt.

E-Tretroller stehen auf einem Gehweg herum © radioeins/Chris Melzer
Tausende der neuen E-Scooter bevölkern seit dem Wochenende die Innenstadt von Berlin sowie Potsdam | © radioeins/Chris Melzer

Seit dem Wochenende sind Tausende der neuen E-Tretroller in der Stadt unterwegs. Mehrere Vermieter hatten Ende der Woche die Betriebserlaubnisse für ihre E-Scooter erhalten und dann ihre Fahrzeuge in verschiedenen Kiezen aufgestellt. Besonders in den touristischen Gebieten stehen viele Roller. Mit acht Verleihern hat der Berliner Senat schon vorab gesprochen, aber es können laut Verkehrsverwaltung noch weit mehr Anbieter hinzukommen, da gibt es keine Deckelung.

Größere Unfälle gab es bisher nicht, allerdings verhängte die Polizei schon erste Bußgeldbescheide, weil mit auf Gehwegen gefahren wurde oder die E-Scooter kein Versicherungskennzeichen hatten.

Die E-Scooter dürfen bis Tempo 20 km/h fahren. Mit ihnen soll die Mobilität in den Städten klimafreundlicher und abgasärmer werden.

Über ihre Zulassung wurde lange diskutiert. Unter anderem war umstritten, ob sie auch auf Gehwegen fahren dürfen; das ist verboten. Der Bundesrat hatte Mitte Mai entschieden, dass sie nur auf Radwegen oder Straßen fahren dürfen.

radioeins-Fahrrad-Reporter Henrik Barth ist vom Drahtesel auf einen E-Tretroller für den Praxistest umgestiegen und berichtet darüber.

E-Tretroller stehen auf einem Gehweg herum © radioeins/Chris Melzer
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Die E-Tretroller fahren maximal 20 km/h, Gehwege sind tabu, gefahren werden darf nur auf Radwegen und Straßen. Wie fahren sich die Teile?


Ganz einfach. Du gibst ein bisschen Schwung und dann kannst du per Daumenschalter den Elektroantrieb zuschalten. Macht schon Spaß aufrecht stehend durch die Stadt zu cruisen. Und dadurch, dass die Teile so um die 15 Kilogramm wiegen, kann man trotz der recht kleinen Reifen auch locker ein paar Bodenwellen mitnehmen. Bei Kopfsteinpflaster wird man allerdings ganz schön durchgerüttelt. Ansonsten perfekt für eine Sightseeing-Tour.

Wie werden die E-Tretroller den von anderen Verkehrsteilnehmer wahrgenommen?


Noch mit Neugier, sind halt neu im Straßenbild. Auf Radwegen und Straßen hatte ich jetzt auch nicht das Gefühl ein Hindernis zu sein. Entweder wurde ich überholt oder war in gleichem Tempo wie die Radfahrer unterwegs. Jetzt läuft es noch, meinte auch ein Fahrradkurier.

Wie funktioniert das Ausleihen?


Ganz einfach. Wie bei Leihrädern auch, lade ich mir eine App herunter. In meinem Fall von dem skandinavischen Anbieter VOI. Leider war bei meinem auserwählten Roller der Akku leer. Okay, kein Problem. Ein Blick auf die App zeigt, wo der Nächste steht und diesmal, das zeigt die App an, sollte der Akku proppenvoll sein. Tja doch da, wo der Roller hätte stehen sollen, stand keiner bzw. plötzlich tauchten zwei Youngster mit dem Teil auf, vielleicht haben die den mit aufs Klo genommen, und fuhren verbotenerweise zu zweit auf dem E-Tretroller weg. Das war übrigens das einzige Mal an der Vormittag, dass ich ein Duo auf einem Roller gesehen habe.

Für mich kam mit E-Tretroller Nr. 5 - ich wollte schon genervt den Anbieter wechseln - dann die "Erlösung".

Gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern?


Meine kleine Schnitzeljagd scheint eine Ausnahme gewesen zu sein, zumindest laut der Menschen mit denen ich sprach. Was die Qualität angeht, sind die für den deutschen Markt zugelassenen E-Tretroller schon ganz schön stabil.

Bei der übrigen Ausstattung gibts Unterschiede. Eine 5-köpfige Schüler-Truppe aus Köln hat sämtliche zur Verfügung stehenden Tretroller ausprobiert und war von dem Berliner Start-Up CIRC am meisten überzeugt. Denn die haben standardgemäß eine Halterung fürs Handy, einen Getränkehalter und einen kleinen Gepäckträger, für den man allerdings noch einen Riemen zum Festzurren braucht. Im Berliner Verkehr kamen die Youngster gut klar, Probleme gab es nur am Alex.

Erstaunlich so eine Sicht von Außen. Zumindest haben die Schüler auf mein Anraten mal eine Vollbremsung probiert. Kann ich jedem nur raten, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie die Teile reagieren. Denn bei einigen E-Tretrollern dient das Hinterrad-Schutzblech als Hinterradbremse, muss man also drauf treten.

Viele Menschen rechnen bei Tausenden von Tretrollern mit einem Parkchaos. In Potsdam - erzählte ein Kollege - nervt es jetzt schon. Es stehen zwar nur wie vorgeschrieben 4 Roller auf einem Fleck, aber eben an jeder Ecke. Wie sieht das in Berlin aus?


Bisher wurde erstmal defensiv geflutet, so mein Eindruck. Der Senat will so lange am sogenannten Free-Floating, sprich am freien Verteilen in Vierergruppen festhalten, bis die Entwicklung aus dem Ruder läuft.

Einen ordnenden Effekt erhofft sich der Sprecher vom Berliner Verkehrssenat Jan Thomsen zum Einen vom Aufladen, denn dafür müssen die Roller ja alle 24 Stunden eingesammelt werden und von der Investition, immerhin kosten die Roller mit der Zulassung für den deutschen Markt pro Stück zwischen 500-1000 Euro.

Wie sieht es mit den Kosten und möglichen Bußgeldern aus?


Der Spaß ist mit 5 bis 6 Euro pro halbe Stunde nicht gerade billig. Wer auf dem Gehweg fährt, riskiert zwischen 15 und 30 Euro Strafe.

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