Rad'n'Roll

E-Bike im Praxistest

die Fahrradexperten auf radioeins

Auto-Ersatz, Sportgerät, Statussymbol: Das Fahrrad ist das Fortbewegungsmittel der Zukunft. Schon jetzt bewegen sich tausende Menschen mit dem Rad durch Berlin und Brandenburg, darunter auch die radioeins-Fahrradexperten auf ihrer täglichen Tour in die Redaktion nach Potsdam.

Ampler E-Bike
Ampler E-Bike | © radioeins

Heute testen wir ein E-Bike, ein ganz spezielles. Es stammt von der Firma Ampler und heißt Stout.

E-Bike-Experte Volker Düspohl hat hat den Praxistest gemacht.

   

Warum hast du dir genau dieses Modell ausgesucht?


Ich hatte eine längere Zeit ein absolutes Mainstream-E-Bike mit einem Antrieb von Bosch, das ist der Marktführer. Bosch-E-Bikes haben einen Mittelmotor an der Tretkurbel, einen dicken Akku und meistens ein insgesamt hohes Gewicht (~25 kg). Das Rad wurde mir gestohlen und ich wollte etwas anderes, vor allem etwas leichteres, was auch nicht so offensichtlich nach E-Bike aussieht. Da hab ich im bezahlbaren Bereich drei Firmen entdeckt: Coboc, Geero und Ampler, alles Online-Versender. Ampler haben einen Showroom in der Kollwitzstraße in Berlin-Prenzlauer Berg, da bin ich hin und hab mir von Olli die Firmengeschichte erzählen lassen.

"Die Firma wurde von drei Schulfreunden vor vier Jahren in Tallinn (Estland) gegründet, als klassische Garagenwerkstatt. Über eine Crowdfunding-Kampagne wurde Kapital für die erste Produktion von E-Bikes eingesammelt, ein Großteil des Geldes kam aus Deutschland. Mittlerweile hat die Firma 18 Angestellte und seit Juni einen Showroom mit angeschlossener Werkstatt in Berlin. Die Räder verkaufen sich gut, die Firma wächst."

Und, was ist jetzt das Spezielle an Ampler E-Bikes?


Tatsächlich wirken sie nicht wie ein E-Bike. Normale E-Bikes haben meist diesen typischen, dicken Akku, der da am Rahmen klemmt oder unterm Gepäckträger. Bei Ampler verschwindet der Akku im Rahmen, im Unterrohr. So bleibt das Rad schlank und clean. Der Motor sitzt im Hinterrad und ist kaum größer als eine Nabenschaltung. Ansonsten verrät nur ein Schalter mit grüner LED die elektrische Unterstützung.

Allerdings hat so ein Rad natürlich einen klaren Nachteil: der Akku ist nur für Reparaturzwecke entnehmbar, zum Laden nicht, da muss man das E-Bike bis zur Steckdose mitnehmen. Ich sag mal: Schönheit hat ihren Preis.

Und, wie klappt das mit der Unterstützung, ich meine, darum geht es doch, oder?


Stimmt, das Ampler Bike sieht zwar nicht so aus, es geht aber ab wie ein klassisches E-Bike. Man kann über eine App zwei verschiedene Stufen einstellen, das reicht völlig aus. Das Rad unterstützt nachdrücklich, sehr fein abgestimmt und dabei völlig lautlos, da kenne ich auch anderes. Die Firma baut die Rahmen und die Steuerung selbst und verwendet ansonsten gängige Technik von Shimano, Scheibenbremsen und Schaltung zum Beispiel, das ist alles robustes Zeug, das jeder im Falle des Falles reparieren kann.

Das heißt, man muss keine Angst haben, dass die Räder nicht ausgereift sind? Ampler ist ja noch eine junge Firma.


Nein, die Räder machen einen sehr guten Eindruck, aktuell sind die Räder in der zweiten Generation, wenn man die Prototypen mitzählt, schon in der fünften.

Das Bike lässt sich über die Ampler App (Android und IOS) konfigurieren, Geschwindigkeit und Power sind frei wählbar. Die App gibt Auskunft über Ladestand, abgerufene Kraft und Reichweite im Verhältnis zur eingestellten Unterstützungsstufe. Sie kann navigieren und Touren aufzeichnen und analysieren.

Wie lautet dein Fazit?


Ich habe das Ampler Stout getestet, ein klassisches Herrenrad mit Schutzblech und Seitenständer. Ich kann damit problemlos von Berlin-Moabit, wo ich wohne, hierher nach Potsdam-Babelsberg fahren, das sind über 50 Kilometer. Selbst mit höchster Unterstützung habe ich dann noch Saft im Akku.

Das Rad ist solide, es wiegt gut 16 Kilogramm und fährt sich auch ohne elektrische Unterstützung sehr gut, einfach wie ein normales Fahrrad. Mein altes Bosch-E-Bike wog über 24 Kilogramm und fuhr sich ohne Strom wie ein Öltanker.

Die Firma hat auch noch andere Modelle im Angebot, aber für mich ist das Ampler Stout das das perfekte Pendlerbike, die aufgerufenen 2300 Euro finde ich preiswert. Da nehmen andere Hersteller gerne einen Tausender mehr.

Kritikpunkt an dem Bike: es fehlt ein USB-Ladeanschluss für's Smartphone. Außerdem wäre ein zusätzlicher Diebstahlschutz über die App eine feine Sache.

Fragen, Vorschläge, Radschläge bitte an rad@radioeins.de...