Rad'n'Roll

Jugendverkehrsschulen und was sie bringen

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Viele Eltern haben Angst davor, ihre Kinder mit dem Rad im Berliner Verkehr fahren zu lassen. Um sie darauf vorzubereiten ist die Radfahrausbildung an Grundschulen verpflichtend.

Blick auf eine Jugendverkehrsschule © imago images/Hans Blossey
Blick auf eine Jugendverkehrsschule | © imago images/Hans Blossey

Warum es sich lohnt mit seinen Kindern auch mal außer der Reihe bei den Jugendverkehrsschulen im jeweiligen Berliner Kiez vorbei zu schauen, darüber berichtet unser Fahrradexperte Henrik Barth.

Blick auf eine Jugendverkehrsschule © imago images/Hans Blossey
imago images/Hans Blossey
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Oft werden Verkehrsübungsplätze nicht richtig ernst genommen, nach dem Motto, das bringt doch eh nichts ohne Autos?


Im Gegenteil! Nach kürzester Zeit auf dem Verkehrsübungsplatz, Schulklassen werden in zwei Gruppen eingeteilt, damit auf dem Platz Gegenverkehr herrscht, brennt sich ein Wort sofort in die Hirnrinde: Schulterblick.

Nicht von ungefähr heißt der Schulterblick unter Kolleg*innen auch "Lebensversicherungsblick" hat mir die Verkehrssicherheitsberaterin bei der Berliner Polizei, Michele Borchert, erzählt. Ein Fehler kann tödlich sein.

Was mich dann allerdings wunderte war, als ich das Arbeitsheft meiner Tochter, "Die Radfahrausbildung" für die dritte und vierte Klasse, mal durchgeblättert habe, warum Schulterblick als Begriff überhaupt nicht auftaucht. An einigen Stellen ist von Umschauen die Rede, aber das ist nach meiner Ansicht längst nicht so prägnant, wie Schulterblick.

Ich habe mal bei Josef Wolf vom Medien-Service der Verkehrswacht, die sind zuständig für die schulische Verkehrserziehung, nachgefragt. Herr Wolf war zwar überrascht von meiner Frage, sieht in dem Schulterblick aber auch das A und O und will meine Anregung mal einfließen lassen, da die Hefte überarbeitet werden sollen.

Sind die Kinder eigentlich nicht komplett überfordert, wenn sie vom geschützten Verkehrsübungsplatz dann im echten Verkehr landen?


Zumindest haben sie dann schon den Schulterblick auf dem Schirm. Ich bin mit meiner Tochter Anneke und ihrer Freundin Tomma, beide gehen in die vierten Klasse, zum Übungsplatz mit dem Rad gefahren.

"In dem richtigen Verkehr ist es schon etwas schwieriger, weil da noch viel mehr andere Verkehrsteilnehmer sind", meint Tomma.

Aber die besondere Herausforderung auf dem Verkehrsübungsplatz liegt für Anneke darin, dass wegen des kleinen Maßstabs Manöver wie Schulterblick, Handzeichen und das Erkennen von Schildern schnell hintereinander kommen.

"Ich hätte jetzt an manchen Stellen nicht gedacht, dass man da so viel machen muss. Es ist natürlich auch ein bisschen schwieriger, weil wenn du auf einer Straße fährst, die echt ist, hast du ja immer ein bisschen weitere Strecken dazwischen. Da musst du dann relativ viel hintereinander machen, aber man lernt wirklich viel", erklärt Anneke.

Wie überhaupt erstmal das Rad zu beherrschen ist, damit haben einige Schüler*innen erstmal genug zu tun, sagt Polizistin Michele Borchert:

"Wir müssen ja erstmal die ganzen Handlungsabläufe hier üben. Wir müssen doch erstmal sicher mit dem Fahrrad unterwegs sein. Wir müssen das Fahrzeug beherrschen. Wir müssen bremsen können. Wir müssen auch im Geradeausfahren einmal Handzeichen geben und den Schulterblick machen können. Und da können wir nicht anfangen zu wackeln oder so. Das kann man jetzt hier üben", so Borchert.

Und dafür gibt es in allen Berliner Bezirken kostenlos Jugendverkehrsschulen. Einfach telefonisch anmelden, die Kinder haben Spaß und es sind auch immer Mitarbeiter*innen vor Ort, die einweisen.

Wichtig ist noch, auf dem Übungsplatz fahre ich nicht mit dem eigenen Rad, sondern wegen des Versicherungsschutzes werden Räder zur Verfügung gestellt. Meist gibt es auch noch Go-Karts, mit denen die Kids dann zur Belohnung noch eine Runde drehen können.

Mal grundsätzlich: Kinder müssen bis zum vollendeten achten Lebensjahr beim Radfahren den Gehweg benutzen. Warum eigentlich


Bei jüngeren Kindern ist das Seh- und Hörvermögen meist noch nicht vollständig entwickelt. Das heißt, sie können Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen und lassen sich auch leicht ablenken. Von daher sind Jugendverkehrsschulen eine tolle Möglichkeit, Kinder mit dem Rad langsam an den Verkehr heranzuführen.

Hinweis:

Kinder müssen bis zum vollendeten achten Lebensjahr* mit dem Rad auf dem Gehweg fahren. Bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen sie den Gehweg noch benutzen. Aber: Ist ein Radweg vorhanden, der baulich von der Fahrbahn getrennt ist, dürfen ihn auch Kinder unter acht Jahren benutzen.

*Das 8. Lebensjahr ist mit dem Vortag des 8. Geburtstages vollendet.

Fragen, Vorschläge, Radschläge bitte an rad@radioeins.de...