Rad'n'Roll

Cowboy eBike im Test

die Fahrradexperten auf radioeins

In loser Folge testen wir in unserer Fahrradrubrik eBikes, im Herbst hatten wir zum Beispiel ein estnisches eBike von Ampler hier bei radioeins. Heute soll es um ein belgisches Bike mit dem vielversprechenden Namen Cowboy gehen, das man seit Ende April online kaufen kann. 

Cowboy Bike
Cowboy Bike | © radioeins

Unser eBike-Experte Volker Düspohl hat das Fahrrad zehn Tage lang getestet...

Cowboy ist ein belgisches Startup aus Brüssel, 2016 gegründet. Adrian Roose, einer der Gründer, betrieb vorher einen Lieferplattform für Restaurants, wofür auch Fahrräder genutzt wurden.  Dass er dann in die Fahrradfertigung einstieg, hängt mit dem aktuellen Markt für eBikes zusammen. Der wird dominiert von Bosch, Yamaha, Shimano und vielleicht noch Brose. Das sind alles Hersteller von Motor- und Akkusystemen, die dann von klassischen Fahrradherstellern in ihre Rahmen eingebaut werden. Diese eBikes machen an die 90 Prozent des Marktes aus, man bekommt bewährte Technik für sein Geld.

Aber Diese Räder sind schwer. Die meisten eBikes mit dem Bosch-Motor am Tretlager wiegen um die 25 kg. Wer so ein Rad mal ein paar Treppen hinauftragen musste, wünscht sich schnell ein leichteres. Zum anderen sehen viele dieser Bikes sehr klobig und uncool aus, mit dem am Rahmen verschraubten dicken Akku.

Das Design.

Adrian Roose von Cowboy sagt dazu, dass seine Kunden vor allem auf den Look abfahren:

Das erste, was unsere Kunden mögen, ist das Design. Es ist sehr minimalistisch, das Rad sieht aus der Entfernung gar nicht wie ein eBike aus. Sie finden es schön. Das zweite ist, wie intuitiv es funktioniert. Es macht Spaß. Es gibt keine Schalter, keine Gänge, du schaltest es ein und fährst los. Du musst über nichts nachdenken, die reine Fahrfreude .

Das Gewicht.

Das ist ein echter Kaufgrund: es wiegt gerade mal 16 kg, damit ist es so schwer wie mein altes (nicht elektrifiziertes) Mountainbike. Im Vergleich zum Stout von Ampler, das wir hier unlängst getestet haben und das ein ähnlich konzipiertes Bike ist, ist der Akku beim Cowboy aber entnehmbar, das heißt, man muss das Fahrrad nicht bis an die Steckdose tragen. Außerdem hat das Cowboy einen Riemenantrieb statt einer Kette, der ist pflegeleicht, robust und sauber, weil fett- und ölfrei. Des Weiteren verfügt es über gute Komponenten: Hydraulische Scheibenbremsen, solide Griffe von Brooks, das Licht ist im Rahmen integriert, das Rücklicht fungiert sogar als Bremslicht.  Das Vorderlicht ist allerdings nur eine gute Positionslampe im Stadtverkehr, zur Ausleuchtung dunkler Waldwege reicht es nicht. Apropos Waldwege: das Rad ist ungefedert, man kann es aber problemlos mit etwas niedrigerem Luftdruck fahren. Dann wird es bequemer, ohne dass man an Schwung verliert. Die Reifen sehen auf den ersten Blick profillos aus, sind aber für Straße und Schotterwege optimiert und haben ausreichend Grip und guten Abrollkomfort.

Diebstahlsicherheit.

eBikes werden gerne geklaut, aber da die Firma Cowboy aus der digitalen Ecke kommt, hat man bei der App, die zur Steuerung des Rades dient, einen Diebstahlschutz eingebaut. Dazu sagt Adrian Roose:

Sie als Besitzer sind der Einzige, der mit der App das Fahrrad entsperren kann. Wenn jemand es stiehlt, kann er das Fahrrad nicht entsperren, es hat keinen Wert für ihn. Zweitens ist das Fahrrad mit Bluetooth, aber auch mit GPS und einer SIM-Karte ausgestattet. So können Sie jederzeit sehen, wo sich Ihr Fahrrad befindet. Wir hatten mehrere Kunden in Belgien, denen ihre Fahrräder gestohlen wurden. Aber die meisten von ihnen haben sie mit Hilfe der örtlichen Polizei zurückbekommen, da das Fahrrad über GPS und letztlich Bluetooth verfolgt werden kann.

Das Fahrgefühl.

Es fährt sich überraschenderweise gut. Ich hätte erwartet, dass man ohne Gangschaltung bei steileren Anstiegen Probleme bekommt, aber der Motor im Hinterrad arbeitet nicht nur unhörbar, sondern auch nachdrücklich und trotzdem smooth. Man wird also nicht überrascht, wenn der Motor einsetzt und kommt auch aus dem Stand eine steile Rampe hoch. Das haben auch die Kollegen Henrik Barth (andere Geschwindigkeitsklasse als ich) und Holger Klein (andere Gewichtsklasse als ich) bestätigt, die das Rad auch ausprobiert haben.

In den Alpen wäre so ein Rad überfordert, hier in Berlin und Brandenburg kommt man überall bestens klar. Man sitzt dabei in einer gemäßigt sportlichen Haltung, mir persönlich gefällt das.

Mithilfe der App kann man übrigens die elektrische Unterstützung auf 30 km/h hochtunen. Das ist selbstverständlich auf öffentlichen Straßen und Gelände nicht gestattet, darauf wird man bei Aktivierung dieses sogenannten Off-Road-Modus eindrücklich hingewiesen.

Der Service im Pannenfall.

Zum einen ist die verbaute Technik solide und relativ simpel reparierbar. Ansonsten ist Cowboy dabei, sich in Deutschland Partnerwerkstätten zu suchen, das hat in Belgien gut geklappt. Es wird aber auch erwogen, einen Abhol- und Bringservice zu installieren. Erste Hilfe ist aber immer über die App per Chat mit einem Servicemitarbeiter möglich.

Das Fazit.

Das Cowboy ist ein gutes eBike, aber kein Rad für jedermann. Andererseits: es gibt gar kein Rad für jedermann. Es gilt, den besten Kompromiss für sich selbst zu finden. Oder eben mehrere Fahrräder zu kaufen.

Auf der positiven Seite liegen das geringe Gewicht, die gelungene Motorabstimmung, der saubere Riemenantrieb, der entnehmbare Akku, die Reichweite von 70 km.

Auf der negativen: es gibt nur eine Rahmengröße. Die passt für Fahrerinnen und Fahrer zwischen ca. 1,70 und 1,95 m, wobei es am unteren und oberen Ende dieses Bereich schon sehr knapp wird. Ich bin 1,78 m groß, für mich passt der Rahmen perfekt. Ein dezidiertes Damenmodell mit abgesenktem Oberrohr gibt es nicht.

Die Konkurrenz.

Da gibt es zum Beispiel Ampler und Vanmoof, die bieten vergleichbares, aber zu anderen Preisen. Das Vanmoof Electrified S2  ist dabei schwerer, hat schlechtere Bremsen, eine Kette, einen im Rahmen festverbauten Akku und kostet aktuell 2598 € (Sonderpreis statt regulärer 3398 €). Das Ampler Curt ist leichter, hat einen Riemenantrieb, eine Carbongabel, einen fest verbauten Akku und kostet inklusive Schutzblechen 2890 Euro.

Der Preis.

Das Cowboy gibt es für 1.990 € auf cowboy.com

ACHTUNG: die Fotos zeigen den von uns getesteten seriennahen Prototyp, das Serienmodell selbst wird eleganter verlegte Kabel und Bremsschläuche haben.

Fragen, Vorschläge, Radschläge bitte an rad@radioeins.de...