Rad'n'Roll - Fahrradstraßen klingen gut, werden aber immer noch ignoriert

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Fahrradstraße © radioeins/Chris Melzer
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Vor mehr als 20 Jahren wurde die erste Fahrradstraße in Berlin ausgewiesen, aber immer noch werden die Regeln von Autofahrer*innen ignoriert. Woran liegt das und was kann helfen?

Fahrradstraßen können so schön sein - Radfahrer*innen haben Vorrang, das heißt nebeneinander fahren ist ausdrücklich erlaubt. Autofahrer*innen dürfen nicht drängeln, Höchstgewindigkeit ist 30 Kilometer pro Stunde. Gibt es das Zusatzschild "Anlieger frei", dürfen nur Menschen mit dem PKW unterwegs sein, die dort wohnen oder sonstwas in der Straße zu tun haben.

Die Stargarder Straße in Berlin-Prenzlauer Berg ist so eine Fahrradstraße, aber leider halten sich viele Autofahrer*innen nicht an die Regeln.

radioeins-Reporter Henrik Barth berichtet darüber.

Was ist denn das Problem in der Stargarder Straße?


Das Hauptproblem ist der Durchgangsverkehr. Das heißt, viele Autofahrer*innen sind keine Anlieger, sondern wollen nur passieren. Als Radfahrer habe ich zu keiner Zeit das Gefühl, dass ich mit dem Rad Vorrang genieße. Da helfen auch keine rot eingefärbten Kreuzungen und Fahrrad-Piktogramme mit Doppelpfeil, die sagen, hier darf ich nebeneinander fahren, okay die sind schon wieder ziemlich verblasst, aber die meisten Pkw sind schneller als mit 30 unterwegs und überholen auch noch schnell mal, um an Radfahrern vorbeizukommen. Anwohnerinnen sind gefrustet.

Warum werden die Regeln in der Fahrradstraße denn derart ignoriert?


Zum einen wird natürlich kaum kontrolliert. Die Schilder - ein weißes Fahrrad in einem blauen Kreis und dem Schriftzug Fahrradstraße - am Anfang und Ende und an jeder Kreuzung sind eigentlich kaum zu übersehen. (Zugegeben - in der richtigen Größe hängen sie erst seit Anfang April - vorher waren vom Bezirksamt zu kleine Schilder montiert worden, weswegen die Berliner Polizei die Schilder als „nicht geeignet, dem erforderlichen Sichtbarkeitsgrundsatz zu entsprechen“ kritisierte.) Aber auch in der amtlichen Größe reichen nur Schilder laut Polizei und der Unfallforschung der Versicherer nicht. Das habe eine Befragung von Autofahrer*innen ergeben, die trotz Warnschildern eine Fahrradstraße befahren haben, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer.

Will heißen nur ein Schild "Fahrradstraße" aufzustellen, sei laut Brockmann "Alibi-Politik". Helfen könnten da meiner Ansicht eher die vom Bezirksamt im Januar angekündigten zwölf großen Fahrradstraßen-Symbole in der Größe von drei mal fünf Metern, aber die gibt es noch nicht.

Vor 22 Jahren wurde die erste Fahrradstraße in Berlin, in der Linienstraße in Mitte eingerichtet, anscheinend hat sich aber immer noch nicht herumgesprochen, dass eine Fahrradstraße eigentlich für den Durchgangsverkehr gesperrt ist, was könnte denn helfen?


Sogenannte Modalfilter - sprich ein Poller oder eine ähnliche Durchfahrsperren. Solche baulichen Maßnahmen werden übrigens auch im Leitfaden für Fahrradstraßen der Senatsverwaltung für Verkehr klar empfohlen, um eben Durchgangs-Autoverkehr zu verhindern. Aber in Berlin immer noch eine Seltenheit. Anders in der Kreuzberger Körtestraße, da gibt es jetzt so einen versenkbaren Zylinder. Anwohner- und Lieferverkehr können nur auf einer Seite rein und wieder rausfahren. Müllabfuhr, Rettungsdienste und Feuerwehr haben per Transponder freie Fahrt, mit dem sie den Poller nach unten ins Straßenpflaster verschwinden lassen können.

Die Anwohner*innen sind begeistert, sagt Felix Weißbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes in Friedrichshain-Kreuzberg. Die 40.000 Euro für den versenkbaren Poller, haben die Körtestraße fast schon in eine Flaniermeile verwandelt.

Fazit:


Zur Nachahmung von unserem Fahrradexperten empfohlen: Poller in Fahrradstraßen. Könnte auch in der Stargarder Straße gegen den Durchgangsverkehr helfen.