Rad'n'Roll - 9-Euro-Ticket mit dem Rad

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Reisende mit Fahrrädern steigen in einen Zug © IMAGO / Frank Sorge
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Am Freitag wird das 9-Euro-Ticket wohl im Bundesrat beschlossen, aber auf den hochfrequentierten Ausflugsrouten sollte man besser kein eigenes Fahrrad mitnehmen oder antizyklisch - also außerhalb der Stoßzeiten - unterwegs sein.

Für Neun Euro drei Monate lang mit Bus oder Bahn im Nahverkehr durch das ganze Land, das klingt erstmal richtig gut. Weniger gut dagegen sind die Aussichten für Menschen, die ihr Fahrrad z.b. beim Ausflug an die Ostsee mitnehmen wollen, sagt Joachim Radünz, Pressesprecher des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Erwartungsgemäß wird es auf beliebten Ausflugsrouten, wie in den Fläming, nach Beelitz oder an die Ostsee, voll. Das völlig falsche Signal - sagt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC.

Also das Rad in den Sommermonaten am besten zuhause lassen? Wir fragen unseren Fahrradexperten Henrik Barth.

Wenn ich mit dem 9-Euro-Ticket ein Fahrrad mitnehmen will, muss ich mir einen zusätzlichen Fahrschein kaufen, oder?


Richtig, ich benötige einen Extra-Fahrausweis für das Rad. Nur wenn ich ein Semester- oder Schülermonats-Ticket habe, kann ich nach wie vor unentgeltlich mein Fahrrad mitnehmen. Plane ich aber eine bundesweite Reise im Nahverkehr, muss ich mich über die Umsetzung im jeweiligen Verkehrsverbund informieren. Das heißt, innerhalb des VBB-Bereichs behalten Abonnent*innen ihre Tarifbedingungen, außerhalb gilt das 9-Euro-Ticket als 2.-Klasse-Fahrschein ohne Erweiterungen.

Aber auch ein Fahrradticket ist keine Garantie, dass ich mein Rad mitnehmen kann, wie mir eine Bahnsprecherin sagte: „Von Juni bis August können die Züge voller werden, daher kann die Mitnahme des Fahrrads nicht garantiert werden.“ Für den Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) völlig widersinnig, eine Katastrophe für den Fahrradtourismus. Denn laut deren Reiseanalyse haben im letzten Jahr 5,3 Millionen Menschen die Bahn für die Anreise zu Tagesausflügen auf dem Rad und Radreisen genutzt. Nicht optimal gelaufen, gibt der Grüne Verkehrspolitiker Stefan Gelbhaar zu:

"Da haben Sie einen wunden Punkt angesprochen. Ich sag mal so … man muss ja nicht zwingend das eigene Fahrrad nutzen, um dann ein paar Dörfer nach links und rechts zu fahren, dann kann man an der Ostsee regelmäßig sehr gut sich ein Fahrrad ausleihen vor Ort. Und das ist dann vielleicht die schlauere Wahl", so Gelbhaar

Leider ja, denn auf so einer beliebten Route wie an die Ostsee ist es auch schon in normalen Zeiten voll.

Können auf solchen Strecken nicht einfach mehr Züge eingesetzt werden oder ein paar mehr Wagen angehängt werden?


Geht nicht, sagt der Sprecher des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, Joachim Radünz. Die Schienen sind jetzt schon voll und längere Züge funktionieren auch nicht, weil bei 80 Prozent der Bahnhöfe die Bahnsteige nicht lang genug sind.

Bis zum Ende des Jahres sollen laut Radünz viele der langfristig geplanten Baumaßnahmen fertig sein, und von daher wäre die Umsetzung des 9-Euro-Tickets im Herbst vielleicht günstiger gewesen.

Da wäre der ADFC mitgegangen, dem ist das Ganze zu kurzfristig. Wie fällt dein Fazit aus?


Da bin ich beim Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club, das Ganze ist wenig nachhaltig - meint übrigens auch der grüne Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar:

"Sie haben Recht. Wir müssen nicht nur am Ticketpreis rumschrauben und die Leute dann einmalig gefühlt in den ÖPNV locken, sondern wir müssen da natürlich eine Langfristigkeit reinkriegen."

Unter dem Strich sollen ja viele Menschen vom Entlastungspaket profitieren und insofern ist das Neun-Euro-Ticket verkehrspolitisch schon wichtig, um den Tankrabatt zu flankieren. Sozialpolitisch ist es natürlich äußerst fraglich, warum ich mit einem dicken SUV mehr profitiere als jemand mit einem spritsparenden Kleinwagen.