Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

Gipfeltreffen: Trump und Putin ziehen positive Bilanz

Die Präsidenten der USA und Russlands, Trump und Putin, haben eine positive Bilanz ihres Treffens in Helsinki gezogen. Es seien nicht alle Probleme gelöst worden, aber ein Anfang sei gemacht, sagte Putin im Anschluss. Trump sprach von einem sehr produktiven Dialog, der neue Wege zum Frieden eröffne. Wichtige Republikaner gehen unterdessen auf Distanz zu Trump

Russlands Präsident Putin und US-Präsident Trump bei ihrer Pressekonferenz in Helsinki © AP Photo/Markus Schreiber
Russlands Präsident Putin und US-Präsident Trump bei ihrer Pressekonferenz in Helsinki | © AP Photo/Markus Schreiber

Russlands Präsident Putin und US-Präsident Trump haben ein positives Fazit ihres ersten Gipfeltreffens gezogen. Beide Staatschefs sprachen anschließend von sehr nützlichen und produktiven Gesprächen. Putin betonte, beide Seiten seien sich einig, dass man die derzeit angespannten Beziehungen verbessern wolle.

Putin sagte, das Zeitalter der ideologischen Konfrontation sei vorbei. Man habe den gemeinsamen Wunsch, Vertrauen aufzubauen und die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror und bei der Abrüstung fortzusetzen, so Putin. 

Auch Trump sagte, das Verhältnis zu Russland habe sich durch das Treffen deutlich vebessert. Es seien erste Schritte zu einer helleren Zukunft zurückgelegt worden, so Trump wörtlich.

Was ist denn nun wirklich beim Gipfel rumgekommen? Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur des Berliner Tagesspiegels...

Russlands Präsident Putin und US-Präsident Trump bei ihrer Pressekonferenz in Helsinki © AP Photo/Markus Schreiber
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Die Äußerungen von US-Präsident Trump an der Seite des russischen Staatschefs Putin haben im Kongress in Washington parteiübergreifend Empörung ausgelöst.

Der prominente republikanische US-Senator McCain sprach von einem "historischen Tiefpunkt" in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft. Auch der Chef der oppositionellen Demokraten im Senat, Schumer, erklärte, noch nie in der US-Geschichte habe ein Präsident einen "Widersacher" derart unterstützt.

Neben multinationalen Krisen hatten Trump und Putin nach ihrem gemeinsamen Gipfel auch über Vowürfe gesprochen, wonach Russland auf den US-Wahlkampf Einfluss genommen haben soll. Putin und Trump bekräftigten, es habe nie geheime Absprachen zwischen beiden Staaten gegeben.

ARD-Korrespondent Hermann Krause: "Putin hat Trump um den Finger gewickelt"


"In Amerika ist es [das Treffen] eingeschlagen, wie eine Bombe. Ein Albtraumszenario aus amerikanischer Sicht. Er [Trump] düpiert die NATO-Verbündeten, er düpiert Theresa May in Großbritannien und er stellt sich jetzt wirklich hin mit Putin ohne ganz klar zu sagen: Misch' dich nicht ein in unsere Wahlen. Er hat sich um den Finger wickeln lassen und hat am Ende auch noch einen WM-Ball entgegengenommen ... na toll", erklärte ARD-Korrespondent Martin Ganslmeier (Washington) gestern auf radioeins.

Aus russischer Sicht ist diese Pressekonferenz ein "absoluter Pluspunkt", erklärte ARD-Korrespondent Hermann Krause (Moskau) ebenfalls gestern auf radioeins. "Es ist ihm [Putin] tatsächlich gelungen den amerikanischen Präsidenten mehr oder weniger vorzuführen. Denn der hat ja kein kritisches Wort gegenüber Putin eigentlich verloren, gegenüber Russland, sondern hat nur als großer Dealmaker, die Freundschaft herausbeschworen", so Krause.

Stephan-Andreas Casdorff
Stephan-Andreas Casdorff | © radioeins/Schuster